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Bettina Röhl direkt

Merkel hat die Wahl in Hannover verloren

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Ein ideologisch aufgebrezelter Polittypus

Die CDU-Strategen haben in ihrer Fixiertheit auf die Person Merkel und in ihrem Unterordnungswillen unter die von ihnen für ewig gehaltene Kanzlerin das Denken und das Handeln eingestellt. Quelle: dapd

Erstens gibt es die Effekte eines politischen Paradigmenwechsels. Und darüber hinaus gibt es den realen Machtverlust durch den Verlust der Bundesratsmehrheit des bürgerlichen Lagers verbunden mit der Tatsache, dass ab jetzt ein lautstarkes rot-grünes Niedersachsen die Akzente im politischen Diskurs mit setzt. Ganz wenige Stimmen haben Schwarz-Gelb am letzten Sonntag zum Machterhalt gefehlt. So kann man das Ergebnis interpretieren. Richtigerweise wird man wohl sagen müssen, dass Schwarz-Gelb entscheidende Verluste hinzunehmen hatte, die weit über ihre numerisches Stimmengewicht hinaus ein echter Schuss vor den Bug des Kanzlerschiffes sind. Die alles in allem erfolgreiche schwarz-gelbe Politik in Niedersachsen war jedenfalls nicht die wesentliche Ursache für die Beendigung des Mandats.

Die grün-roten Neo-Spießer sind die für Merkel unerreichbaren Trendsetter

Die rot-grünen Neo-Spießer sind die für Merkel und deren Politik unerreichbaren Trendsetter, die auch die Bundestagswahl im September, wie es aussieht, gegen die Union mit einer ziemlichen Wahrscheinlichkeit entscheiden können und zwar gegen das konservative Lager, besser gegen Merkels scheinbar erfolgreiche Lagerpolitik.

Die kommende Deutschlandwahl wird viel mehr nach politischen Befindlichkeiten, nach politischen Attitüden und nach einem regelrecht hautsympathischen Wohlfühlen im Lagerdunst entschieden, als nach politischen Inhalten. Konkrete Politik, so könnte man frotzeln, war gestern. Heute spielen mehr denn je Gefühle eine Rolle, nach dem Motto, wie ich finde ich denn die Politik? Wie finde ich denn die Politiker?

Zwar gibt es genug grün-rote Bürgersleute, die Merkel auf eine skurrile, regelrecht masochistische, aber auch kabarettistische Art so ganz gut finden (und dies auch um ihre Art-Genossen zu ärgern, die allerdings genauso drauf sind). Aber nachhaltig erreichen kann Merkel diesen für die Trends wichtigen Wählertypus, der sich als grün, links-liberal, modern und zukunftsorientiert beschreibt, nicht.

Das sogenannte grün-linke Lager lebt schon lange von der Symbiose sich eigentlich antagonistisch entgegenstehender Kräfte: Da gibt es oben die eigentlich bürgerlich-kapitalistisch lebenden bildungsfreundlichen, Mittelschichten, die den eigentlichen Ton im grün-roten Lager angeben. Dieser ideologisch aufgebrezelte Polittypus Mensch ist felsenfest davon überzeugt, dass es ihm persönlich bis ans Ende seiner Tage so oder so, von welchem Lager auch immer regiert bestens, finanziell wie Vollkasko-versichert ergehen will.

Das Vollkasko-Gefühl des linken Bürgertums

Und da gibt es eine große Unterschicht im linken Lager, von eigentlich Betroffenen, die im Verteilungskampf das Nachsehen haben und sich über linke Politik, was immer das sein könnte, ein größeres Tortenstück vom Ganzen erhoffen und dies aus unterschiedlichsten Gründen und unterschiedlichsten Lebenssituationen heraus. Diese "Unterschicht" ist zuständig für die Masse, für die Prozentpunkte bei Wahlen. Die linke Oberschicht verkauft sich als rational handelnd und gefällt sich in ihrem Altruismus, von dem es realiter allerdings keine Spur gibt..

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