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Bettina Röhl direkt

Bildungsabsolutismus, Gender und das Grundgesetz

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Elternrechte gehen sehr weit

Um auf den Anfang zurück zu kommen. Das Schutzgut der 2012 vom deutschen Gesetzgeber gefundenen Regelung zur Beschneidung von Jungen ab dem Säuglingsalter ist die Religionsfreiheit. Wohl gemerkt nicht die Religionsfreiheit des betroffenen Kindes, die es ja noch gar nicht ausüben kann, sondern die Religionsfreiheit der Eltern. Die im Grundgesetz geschützten speziellen Elternrechte, die zum Wohl des Kindes auszuüben sind, können - siehe Beschneidung - sehr weit gehen.

In dieselben Elternrechte hat der einfache Gesetzgeber mit einer strafbewehrten Schulpflicht in bester Absicht und zweifelsfrei zum Wohl des Kindes eingegriffen. Dieser Eingriff ist wie jeder hoheitliche Eingriff allerdings nicht grenzenlos. Auch der Schulpflicht, die mit einer Beschulungspflicht des Staates korrespondiert, sind die Grenzen des Grundgesetzes gesetzt. Selbsternannte Bildungshoheiten dürfen eben nicht absolutistisch grenzenlos in die grundgesetzlich geschützten Elternrechte und erst recht nicht in das grundgesetzlich geschützte Kindeswohl eingreifen. Aber genau das passiert derzeit unter dem großen, ja edlen und aufgeblasenen Dach der sich bereits verselbständigt habenden Bildungspolitik.

Die Schulpflicht dient der Ausbildung junger Menschen. Sie sollen schreiben, lesen, rechnen und selbstständig denken und arbeiten lernen. Die Schüler sollen den klassischen und einen ständig aktualisierten Fächerkanon studieren und für das Berufsleben fit gemacht werden. Die Schule ist nicht legitimiert, in die sexuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen durch verklausuliert formulierte Bildungsimperative einzugreifen und dort steuernd tätig zu werden. Der Staat ist nicht berechtigt via Schule übergriffig auf Kinder oder Jugendliche vor Vollendung deren Pubertät manipulativ einzuwirken und das erklärtermaßen in allen Fächern von der Mathematik bis zum Fach Musik.

Hoheitlicher sexueller Missbrauch?

Kleine Kinder, wie in Berlin, mit dem Thema Orgasmus zu überfordern, ist menschenverachtend und ist im Prinzip hoheitlicher sexueller Missbrauch.

Kein Mensch muss selber Starkoch sein. Er darf das Essen im Restaurant oder auch das, was ihm auf der Mattscheibe vorserviert wird, qualifiziert oder unqualifiziert kritisieren, aber ein Mensch, der tragischerweise die Geschmacksnerven verloren hat, ist nicht legitimiert der Menschheit zu sagen, was sie am Veggieday zu essen hätte.

Ein Kind, das selber noch keinen Orgasmus erlebt hat, und bei dem die Sexualhormone noch keine Wirkung entfaltet haben, steht vor dem Lehrer wie ein Opferlamm, wenn es Orgasmus lernen soll und gar unterscheiden soll zwischen heterosexuell, homosexuell usw.

Welche Bundesländer bei der Bildung Spitze sind
Platz 14: SaarlandAuch im Saarland ist bei der Bildung vieles eher Schatten als Licht. Gerade in den mathematisch-naturwissenschaftlichen MINT-Fächern muss Deutschlands kleinstes Bundesland noch aufholen. Lediglich elf Prozent der Studenten haben 2010 ein ingenieurwissenschaftliches Studium abgeschlossen - bundesweit der niedrigste Wert. Positiv ist hingegen, dass im Saarland nur 5,6 Prozent aller Schüler die Schule ohne Abschluss verlassen. Damit liegen die Saarländer im Kampf gegen die Bildungsarmut auf Platz zwei. Quelle: dpa/dpaweb
Platz 16: Schleswig-HolsteinSchlusslicht des IW-Bildungsmonitors ist Schleswig-Holstein. Zwar liegen die Nordlichter bundesweit bei der Integration (Platz 2) vorne. Leute aus bildungsfernen Schichten haben in Schleswig-Holstein eher die Möglichkeit einen ordentlichen Ausbildungsabschluss zu machen, als anderswo. Dafür aber hat Schleswig-Holstein starke Defizite bei der Akademisierung, der Internationalisierung und den Betreuungsbedingungen. Quelle: dpa
Platz 7: NiedersachsenBesondere Stärken weist Niedersachen bei der Ausgabenpriorisierung (3. Platz) und Zeiteffizienz (4. Platz) auf. Das bedeutet: Für das Land haben Bildungsausgaben besondere Priorität – vor allem Ausgaben für die Hochschulen. Außerdem ist Niedersachsen bei der Umsetzung der Bologna-Ziele für einen gemeinsamen europäischen Hochschulraum relativ weit. Schlechter schneiden die Niedersachsen bei der Integration und dem Ausbau der Förderinfrastruktur ab. Quelle: dpa
Platz 12: BrandenburgSchüler in Brandenburg können sich auf gute Betreuungsbedingungen verlassen. Auf einen Lehrer in der Sekundarstufe I (ohne Gymnasium) kommen hier nur 12,2 Schüler. Im Bundesdurchschnitt sind es 14,7. Auch bei der Förderinfrastruktur, der Internationalisierung und der Integration geht Brandenburg mit gutem Beispiel voran. Probleme hingegen gibt es hingegen bei der Schulqualität und der beruflichen Bildung. Quelle: dpa
Platz 3: Baden-WürttembergBaden-Württembergs Stärken liegen in der erfolgreichen Vermeidung von Bildungsarmut (Platz 1), und der Akademisierung (Platz 2). Nachholbedarf gibt es vor allem beim Ausbau der Förderinfrastruktur und der Integration. Quelle: dpa
Platz 10: Mecklenburg-VorpommernÜberdurchschnittlich gut präsentiert sich Mecklenburg-Vorpommern bei der Förderinfrastruktur. Ein Viertel der unter Dreijährigen können einen Ganztagsplatz in einer Kindertagesstätte nutzen, bei den drei- bis sechsjährigen sind es sogar 58 Prozent. Zum Vergleich: Im Bundesdurchschnitt liegen die Werte lediglich bei 11,3 bzw. 34,7 Prozent. Schwächen hat das Bundesland allerdings in der Zeiteffizienz (Platz 15): Im Jahr 2010 brachen mehr als 40 Prozent der Auszubildenden ihre Lehre ab. Quelle: dpa/dpaweb
Platz 1: SachsenDas leistungsfähigste Bildungssystem in Deutschland hat Sachsen. Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) führt dies vor allem auf  die gute individuelle Förderung dort zurück. Außerdem biete Sachsen wie auch das zweitplatzierte Thüringen einen breiten Zugang zu akademischen Abschlüssen, vor allem in den naturwissenschaftlich-technischen Fächern an. Quelle: ZB

Die unguten heimlichen und unheimlichen Fantasien, die den Bildungsabsolutismus beherrschen, sind auf die wahnhafte Erfindung einer neuen Welt gerichtet und die Lasten dieser Politik werden dabei auf die Schwächsten der Gesellschaft, nämlich auf die Kinder abgewälzt. Die kommenden Generationen sollen heute indoktriniert werden, die als problematisch empfundenen Themenfelder zu richten. Sexualkunde, nicht Sexualerziehung, ist in behutsamer Form altersangemessen eine sehr sinnvolle Sache, schließlich beginnt die Neugier des Menschen sehr früh. Aber ein Bildungsplan, der so tut als wenn nichts wäre, tatsächlich aber die höchst unwissenschaftliche, oder besser wissenschaftsfeindliche Gender-Ideologie auch noch zum kaschierten Rückgrat seiner Politik macht, ist auch aus einem zweiten Grund verfassungswidrig.

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