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Bettina Röhl direkt

Die widersprüchliche Debatte über den Islam

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Gibt es Tatsachen, die man nicht benennen darf?

Der heutige Springermann und frühere Spiegel-Edelfeder Broder bricht auf der Achse des Guten dennoch eine Lanze für seinen Kollegen Fest. Die frühere Bürgerrechtlerin und CDU-Politikerin Vera Lengsfeld stellt sich ebenfalls auf der Achse des Guten auf die Seite von Fest. Und Joachim Steinhöfel, Top-Anwalt für Wettbewerbs und Presserecht, ist wegen der Talfahrt der Meinungsfreiheit in der Bundesrepublik der Kragen geplatzt.

Ansonsten gibt es in der gesamten Presselandschaft keine substanzielle Auseinandersetzung mit den faktischen Aspekten der Festschen Behauptungen. Hat es "antisemitische" Aktionen von Menschen mit muslimischen Hintergrund gegeben, die wohl der eigentliche Anlass der Festschen Meinungsäußerung waren? Behauptet Fest Tatsachen, die es nicht gibt? Gibt es Tatsachen, die man nicht benennen darf?

Was eine Tatsache ist, ist oft genug gar nicht so einfach heraus zu finden. Eine Tatsache allerdings steht fest. Die von vielen, auch politisch-korrekten Stimmen kritisierten Integrationsprobleme sind überwiegend nicht Probleme, die von den Menschen mit Migrationshintergrund ausgehen, sondern Probleme, die die deutsche Gesellschaft selber kreiert und perpetuiert. Die Menschen, die hier herkommen, kommen aus Gesellschaften, in denen andere, von den meisten Deutschen für archaisch gehaltene Verhältnisse und Rechtsordnungen herrschen, in denen aber die Probleme, die hier beklagt werden, gerade nicht im selben Ausmaß passieren. So spricht Fest von überproportionaler Kriminalität seitens muslimischer Migranten in der Bundesrepublik -  Statistiken zu diesem Punkt werden bekanntlich (gezielt) zurück gehalten -  die es in den Herkunftsländern gar nicht gibt. Mit anderen Worten, es ist vor allem die deutsche, sogenannte aufnehmende Gesellschaft, die die beklagten Integrationsprobleme macht. Und dies zu einem großen Teil durch eine falsche und eine im Ergebnis grundgesetzwidrige Tabuisierung, die ein Joachim Gauck vor vier Jahren noch vehement attackierte.

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Wenn der Islam zu Deutschland gehören will und soll, was eine wünschenswerte Vision ist, dann ist es der Islam selber, dann sind es die Menschen islamischen Glaubens, die sich um die grundgesetzlich garantierte Religionsfreiheit im herrschenden Verfassungsverständnis zu kümmern haben. Das gilt zumindest für die muslimischen Verbandsvertreter, die mit atemberaubender Routine ganz einseitig Kritik an der Seite der deutschen Gesellschaft üben. Allgemein gilt: Jede grundgesetzkonforme Religion gehört zu Deutschland und jede Religionskritik gehört zum Grundgesetz.   

Kleiner Exkurs: Der von den Medien als Islamist tabuisierte deutsche Konvertit Pierre Vogel führte neulich am Hamburger Hauptbahnhof den berühmt-geschmähten Gaucho-Tanz der WM-Mannschaft auf der Fanmeile auf: So gehen die Christen, die Christen gehen so. So und so gehen die Muslime, die Muslime gehen so. Mit den Christen meint Vogel natürlich den Westen. Der geht in der Tat gebeugt.

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