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Bettina Röhl direkt

Intelligente Energiewende gesucht

Bettina Röhl Publizistin

Chaos und Dilettantismus beherrschen die von Bundeskanzlerin Angela Merkel eingeleitete Energiewende seit zwei Jahren: Sie verordnete den Wiedereinstieg in den Ausstieg aus der Atomenergie.

Energiewende: Woher kommt der Strom 2020?
Braunkohlekraftwerk Garzweiler Quelle: dapd
Windkraft Quelle: dapd
Geothermie Quelle: dpa
Biomasse Quelle: dpa
Wasserkraft Quelle: APN
Solarkraft Quelle: dpa
Stromleitungen Quelle: dpa

Blindwütiger Aktionismus ist die mildeste aber gleichzeitig auch realistischste Beschreibung der Merkelschen Fukushima-Wende: In vorauseilendem Gehorsam gegenüber der rot-grünen Konkurrenz trat die Kanzlerin vor zwei Jahren die Flucht rückwärts an und verordnete in einem erstaunlichen Alleingang dem eigentlich demokratisch verfassten Land ihren ganz persönlichen Wiedereinstieg in den Ausstieg aus der Atomenergie. Sie und ganz Deutschland schienen getrieben von einer sehr deutschen Hysterie in den Medien, in der Politik und auf der Straße, die auf eine sehr deutsche Weise einen nationalen Sonderweg in Sachen Energie verlangte.

Raus aus der Atomenergie um jeden Preis. Da erschöpfte sich die politische Weisheit der Kanzlerin. Wer allerdings bis eben für die Atomkraft war und, wie Merkel betonte, erst völlig überraschend bekehrt worden sei, musste sich bis dahin um die Alternativen am wenigsten kümmern.

Grüne als Energiewende-Apologeten

Die Grünen (mit ihrer SPD im Schwitzkasten) hätten sich allerdings über die alternativen Stromgewinnungsformen nun schon seit 35 Jahren vorrangig die Köpfe zerbrechen müssen. Eine Partei, die als Anti-AKW-Bewegung entstand und die als Anti-AKW-Partei wesentliche Verantwortung für die gewalttätige Exzesse - siehe auch Startbahn West - der damaligen Zeit trägt, kann sich so nicht aus ihrer Verantwortung stehlen und nach Jahrzehnten immer noch mit leeren Händen dastehen.

Die Energiewende und der Sand im Getriebe

Damals war es schick mit einem selbst gestrickten Pullover und einer kleinen Sonnenblume aus Pappe im Haar zu propagieren: zurück zu den Wurzeln, zurück zur Steinzeit. Man mag den Grünen also heute zu Gute halten, dass sie damals gar keinen alternativen Strom wollten, weil sie gar keinen Strom haben wollten und ergo nicht über die Konsequenzen der Abschaltung der Kernkraftwerke nachdachten. Zurück zur Natur, zurück zum Ackergaul, zurück zur Kerze. Joghurt statt Medizin. Das alles war schließlich furchtbar ernst gemeint.

An diese Zeiten erinnern sich die Grünen heute ungern, denn das waren in Wahrheit ja die Zeiten, in denen die maoistisch-kommunistischen Splittergruppen, die politisch Radikalen und sogar Terroristen auf den Ökozug aufsprangen, der die Linksradikalen von der militanten und fanatischen Front bis dahin nicht im Mindesten interessiert hatte. Die fundamentalistischen Grünen lieferten das Öko-Image und die Heiligkeit und die Militanten und die Splittergruppenkommunisten lieferten die Strukturen und die Realo-Machtpolitik, die sich am Ende durchsetzte. Joschka Fischer und Daniel Cohn-Bendit lassen grüßen. Der Atomausstieg blieb als eine Art Identifikationsphallus für alle Grünen, alle Pazifisten, alle Feministen, alle Alternativen, alle Anhänger eben.

Atomkraft-Nein-Danke war eine neue Religion

Ein bisschen Selbstkasteiung, ein bisschen Ökopolizisten-Mentalität und ein bisschen Karriere machen, das war angesagt. Aber sich Gedanken darüber machen, wie eine Energiewende in konkreto technisch vollzogen werden könnte, dafür im Angesichte der Anti-Atom-Attitüde keinen Raum. Man fuhr lieber umweltbelastend nach Gorleben oder zu irgendwelchen AKWs, als dass man sich den Kopf darüber zerbrach, wie eine Atomstromfreie Welt aussehen könnte.

Strommarkt ist ein global-logistisches Projekt

Die größten Stromfresser und wie man sie ausschaltet
Ab September müssen Staubsauger ein Energielabel tragen, so wie Waschmaschine und Kühlschrank auch. Die EU-Regelung soll es einfacher machen, energiesparende Geräte zu erkennen. Ab September dürfen die Geräte maximal 1600 Watt verbrauchen, bis 2017 soll diese Grenze auf 900 Watt herabgesetzt werden. Zusätzliche hinweise auf dem Label informieren den Kunden, für welchen Bodenbelag der Sauger geeignet ist. Wichtig ist für Experten allerdings nicht nur die Watt-Zahl, sondern auch die Saugleistung. Muss länger gesaugt werden, ist die Energieersparnis durch geringeren Stromverbrauch hinüber. Deshalb sei das Label kaum mit den Energieeffizienzklassen anderer Geräte zu vergleichen. Wenn Sie vorhaben, sich einen neuen Staubsauger anzuschaffen, achten Sie nicht nur auf den Stromverbrauch, sondern auch auf die Saugleistung. Diese wird durch die Art des Motors, Saugrohr und vorhandene Filter beeinflusst. Viele Händler bieten mittlerweile "Versuchsparcours" an, auf denen man die Staubsaugermodelle testen kann. Staubsauger, die bis Ende des Monats in den Handel kommen, werden das Label vorerst nicht bekommen und dürfen auch ohne dieses verkauft werden. Quelle: dpa
Für Filter-Kaffeemaschinen mit einer Isolierkanne soll der EU zufolge eine Wartezeit von fünf Minuten gelten. Bei Maschinen ohne Isolierbehälter ist eine Wartezeit von maximal 40 Minuten geplant. Die Hersteller können der Kommission zufolge aber entscheiden, ob sie es den Verbrauchern ermöglichen, die automatische Abschaltung der Warmhaltefunktion wieder abzustellen. „Die Einschränkungen für den Verbraucher sind sehr, sehr gering. Kaffee, der 40 Minuten in der Glaskanne steht, schmeckt ohnehin nicht mehr“, sagte Scholz. Vorteile für die Verbraucher seien Einsparungen beim Stromverbrauch und damit bei den Kosten. Der Bund der Energieverbraucher schätzt die Einsparungen auf etwa 60 Euro im Jahr, wenn täglich drei Kannen Kaffee gekocht und diese insgesamt acht Stunden warmgehalten werden. „Existierende Modelle, die automatisch abschalten, kosten kaum so viel wie der Warmhaltestrom eines Jahres“, sagte der Vorsitzende des Verbandes, Aribert Peters der dpa. „Wir bekommen die Energiewende nicht hin, ohne Strom zu sparen.“ Quelle: dpa
Eine Umfrage von TNS Emnid für den Strom- und Gasanbieter E wie einfach hat ergeben, dass 30 Prozent der Bürger nicht wissen, wie viel Strom sie im Alltag tatsächlich verbrauchen. Vor allem ganz junge sowie ältere Menschen kennen ihren Verbrauch nicht. Um Strom zu sparen, geben 81 Prozent der Befragten an, dass sie ihre Akkuladegeräte vom Netz trennen, den Gefrierschrank abtauen (72 Prozent), und auf Energiesparlampen umgestiegen sind (71 Prozent). Doch sind das wirklich die größten Stromfresser im Haushalt? Wer geben zehn Tipps, wo und wie Sie in Zukunft Strom im Haushalt sparen können. Quelle: dapd
Eco-Programme beim Spülen benutzenMit 5,1 Prozent Anteil am gesamten Stromverbrauch landet das Geschirrspülen auf Platz 10 der größten Stromfresser im Haushalt. Laut einer Studie der Universität Bonn ist das Spülen in der Maschine übrigens trotzdem günstiger als Handspülen: Im Geschirrspüler werden sowohl weniger Wasser als auch weniger Energie verbraucht. Voraussetzung ist natürlich, dass die Maschine nur voll beladen eingeschaltet wird und dass das Geschirr nicht zusätzlich von Hand vorgespült wird. Auch sogenannte Spar-, Eco- oder Umwelt-Programme sparen Energie. Bei geringerer Temperatur wird das Geschirr dank längerer Spülzeiten genauso sauber wie in "Normal"-Programmen. Datengrundlage des Rankings: Energieagentur NRW: "Wo im Haushalt bleibt der Strom?"; in der Studie wurde 2011 unter anderem der Stromverbrauch von Ein- bis Sechs-Personen-Haushalten untersucht. Bei allen Punkten gilt: Es handelt sich um Durchschnittswerte. Je nach eingesetzter Technologie, Handhabung, Haushaltsgröße und -zusammensetzung kann der Stromverbrauch im individuellen Zuhause erheblich abweichen.Tipps zum Energiesparen: Eigene Recherche und Umweltbundesamt-Broschüre "Energiesparen im Haushalt", die als PDF heruntergeladen werden kann. Quelle: dpa
Moderne Umwälzpumpen lohnen sichDie elektrisch betriebene Umwälzpumpe der Heizungsanlage landet mit durchschnittlich 6,0 Prozent Anteil am Stromverbrauch auf Platz neun. Sie transportiert das erwärmte Wasser zu den Heizkörpern in der Wohnung. Laut Stiftung Warentest lohnt sich der Ersatz einer alten Pumpe durch eine moderne, energieeffiziente Pumpe schnell; demnach lassen sich so 100 bis 130 Euro Stromkosten pro Jahr einsparen. Von den Stromkosten abgesehen (ein Sonderfall sind alte Nachtstromspeicheröfen) macht das Heizen mit 70 Prozent am Gesamtenergieverbrauch des HAushalts den größten Anteil aus. Ohne große Investitionen in eine neue Heizungsanlage kann man auch hier mit einigen Tricks viel Energie sparen. Ihre Heizung sollten Sie im Idealfall nicht durch Möbel zustellen. Achten Sie beim Lüften darauf, die Heizung immer aus zu machen. Die Raumtemperatur sollte zudem auf maximal 20 Grad Celsius eingestellt sein - jedes Grad weniger spart Energie. Moderne Thermostatventile können die Raumtemperatur auch konstant auf dem gewünschten Wert halten, wenn mal die Sonne durchs Fenster scheint. So wird ein überheizen der Räume und Verlust teurer Heizenergie durch zusätzliches Lüften vermieden. Laut Umweltbundesamt können so vier bis acht Prozent Heizenergie gespart werden. Quelle: dpa
Trocknen: Nichts ist preiswerter als Sonne und WindBeim Trocknen der Wäsche wird das Wasser aus dem Waschvorgang wieder entfernt - das können Sonne und Wind kostenfrei für Sie erledigen, oder eben der elektrische Wäschetrockner. Das Gerät ist allerdings ein wahrer Stromfresser: 6,6 Prozent des Stromverbrauchs entfallen im Durchschnitt auf das Trocknen, das so auf Rang acht landet. Soll ein Trockner zum Einsatz kommen, ist ein Gerät mit Wärmepumpentechnologie besonders Umwelt- und Geldbeutelschonend im Einsatz, die Anschaffungskosten sind allerdings recht hoch. Es gibt auch Trockner, die mit Gas betrieben werden. Beim maschinellen Trocknen gilt: Das Gerät sollte nur gut befüllt zum Einsatz kommen und die Wäsche sollte so gut wie möglich vorgetrocknet, also zuvor in der Waschmaschine oder Wäscheschleuder mit möglichst hoher Schleuderdrehzahl entwässert worden sein. Als Kompromiss kann man auch die Wäsche im Trockner leicht vortrocknen und dann auf der Leine zu Ende trocknen lassen. Auch ein kleiner Ventilator, der vor dem Wäscheständer aufgestellt wird, leistet gute Dienste: Er verbraucht wesentlich weniger Strom, macht die Wäsche aber ebenfalls weich und beschleunigt den Abtransport der Feuchtigkeit durch die permanente Bewegung der vorbeistreichenden Luft. Beim Trocknen der Wäsche im Raum gilt: Der Raum muss unbeheizt und gut gelüftet sein - sonst droht Schimmelbefall. Wäsche im beheizten Wohnraum zu trocknen, ist nicht sinnvoll, denn durch das zusätzliche Stoßlüften um die Feuchtigkeit abzutransportieren geht viel wertvolle Heizenergie verloren. Quelle: dpa
Alte Haushaltsgeräte durch neue ersetzen Diverse elektrische Hausgeräte, darunter zum Beispiel Staubsauger, machen im Durchschnitt 7,7 Prozent des Haushalt-Stromverbrauchs aus und landen sie auf Platz sieben der größten Stromfresser. Bei Staubsaugern gilt: Eine hohe Leistungsaufnahme entspricht nicht einer hohen Saugleistung. Bei der Wahl sollte man also nicht den Sauger mit der höchsten Watt-Zahl auf dem Typenschild wählen, sondern sich über Testergebnisse der tatsächlichen Saugleistung schlau machen. Ab 2014 kommen auch Energieeffizienzklassen-Kennzeichnungen für Staubsauger. Bei diversen Elektro-Kleingeräten, wie elektrischen Dosenöffnern oder Messern, kann man den Einsatz durchaus hinterfragen. In anderen Fällen kann ihr Einsatz aber auch Energie einsparen, denn ein Brötchen lässt sich auf dem Toaster stromsparender aufbacken als im Backofen, ein Liter Wasser für Tee oder zum Nudeln kochen ist im Wasserkocher schneller und effizienter aufbereitet, als auf dem Elektroherd. In der Regel gilt die Devise: Setzen Sie die Verschwender vor die Tür. Gerade bei Haushaltsgeräten macht es sich in Sachen Strombilanz bezahlt, alte Geräte gegen neue Technologien einzutauschen. Quelle: dapd

Die Windmühle gab es schon in den auf Autarkie bedachten Nazi-Köpfen als Größe. Nur aus Wind den Strom heraus zu holen, der den Strom in der Steckdose 24 Stunden konstant fließen lässt, der die Wirtschaft konstant versorgt, der die Krankenhäuser, die Polizei, die Feuerwehr und überhaupt alle öffentlichen Einrichtungen konstant versorgt und der die Gesellschaft auch preislich gesehen prosperieren lässt, ist nichts, was in den Windmühlen bis heute hinreichend angelegt ist.  Und das galt für den technischen Entwicklungsstand der grünen Anti-AKW-Gründerjahre folglich erst recht. Die erneuerbaren Energien der Bundesrepublik alleine sind nicht nur heute nicht in der Lage das Land sinnvoll mit Strom zu versorgen, sondern sie werden es auch in der absehbaren Zukunft nicht sein.

Der Strom- und Energiemarkt ist längst ein globaler Markt geworden

Der Strommarkt ist komplexer geworden als früher. Es gibt eine Internationalisierung des Stromnetzes, aber in Wahrheit ist der Strommarkt zu einem global-logistischen Projekt geworden.

Trotz der Energieverluste werden die Stromleitungen immer länger und grenzüberschreitender, aber der auch für den Strom relevante der Energiemarkt geht weiter als die Leitungen reichen. Nämlich tatsächlich einmal um den ganzen Globus. Der Strom kann beispielsweise zur Aluminiumgewinnung von weit her an den Standort eines traditionellen Aluminiumerzeugers her geholt werden. Es geht aber auch umgekehrt. Nämlich, dass ein Aluminiumproduzent seinen Standort, beispielsweise in Deutschland, aufgibt und am anderen Ende der Welt wieder aufmacht, wenn dort aus irgendwelchen Gründen der Strom nahezu umsonst zu haben ist. Heutzutage konkurrieren eben beispielsweise Saudi-Arabien und Europa um die Ansiedlung energieintensiver Industrien miteinander.

Wer weiß, ob nicht manch ein Cleverle in Deutschland demnächst auf die Idee kommt, seine energieintensiv hergestellten Produkte offshore unter womöglich besten Umwelt- oder gar Steuerbedingungen unter Abnahme des Stroms nahegelegener Windparks produzieren zu lassen, sprich seine Produktionsstätten oder einen Teil der Produktionsstätten aus dem Süden Deutschlands nach dem Norden verlagern.

Das bittere Fazit aus einem Jahr Energiewende
Kühltürme des Braunkohlekraftwerkes der Vattenfall AG im brandenburgischen Jänschwalde (Spree-Neiße) Quelle: dpa
Freileitungen verlaufen in der Nähe eines Umspannwerkes bei Schwerin über Felder Quelle: dpa
Die Flagge Österreichs weht auf einem Hausdach Quelle: dpa
Ein Strommast steht neben Windkraftanlagen Quelle: AP
Windräder des Windpark BARD Offshore 1 in der Nordsee Quelle: dpa
Eine Photovoltaikanlage der Solartechnikfirma SMA Quelle: dpa
Euroscheine stecken in einem Stromverteile Quelle: dpa

Es muss auch innerhalb Deutschlands im Rahmen einer Energiewende über Standortfragen nachgedacht werden. Möglicherweise gehört es zu einer intelligenten Energiewende über das reine Produzieren und Transportieren und Speichern von Strom hinaus zu denken. Einfach jetzt nur mit irgendwelchen Stromleitungen herum zu fuchteln, ist stümperhafter Aktionismus.

Verantwortungslos bis zum Anschlag

1998 haben die Grünen auf dem Anti-Atom-Ticket ihren Durchmarsch in das Vizekanzleramt, das ist expressis verbis im Grundgesetz nicht gibt, bewerkstelligt und sie haben Gerhard Schröder, der das Energiegenörgel der Grünen gewiss für ein großes Gedöns gehalten hat, "gezwungen" den ersten Atomausstieg festzumachen.

Es braucht den Energie-Mix

Politisch verantwortungslos bis zum Anschlag handelten die Grünen zu diesem Zeitpunkt als sie die Atomenergie quasi kriminalisierten, ohne die blasseste Ahnung zu haben, wie, das was man heute gemeinhin Energiewende nennt, bewerkstelligen könnte.

Jetzt ist von den Grünen zu hören: Es braucht die Möglichkeit Strom zu speichern, es braucht den richtigen Energiemix, es braucht Windstrom aus der Nordsee und lange Leitungen nach dem Süden Deutschlands. Und es braucht Energiesparkonzepte. Letzterem ist uneingeschränkt zuzustimmen, soweit das Energiesparen intelligent passiert.

Und Intelligenz ist auch das richtige Stichwort, das jetzt Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler, FDP, gegen den rot-grünen Aktionismus ins Spiel gebracht hat. Symptomatisch für diesen Aktionismus ist der jüngste Auftritt von SPD-Chef Sigmar Gabriel, der der Regierung vor wenigen Tagen vorwarf, sich in Sachen Energiewende und speziell auch dem Leitungsausbau von Nord nach Süd in Verzug zu befinden und erst 10 Prozent des ominösen Projektes verwirklicht zu haben.

Am Anfang war das Nachdenken

Am Anfang war das Wort, heißt es in der Bibel. Auf die Energiewende übertragen heißt es, am Anfang steht das Denken, steht das Nachdenken, das Planen, das Kalkulieren, das Konzeptionieren, das Verwerfen der Ergebnisse, das Korrigieren und das flexible und konzertierte Herangehen an die Verwirklichung einer Energiewende.

Im jetzigen Stadium des Atomausstiegs, der eine noch völlig konfuse und nicht zu Ende gerechnete Energiewende erzwingt, sollte nicht eine anstehende Bundestagswahl dazu verleiten politische oder rechtliche Präjudizen zu schaffen, die die Lage noch weiter verkomplizieren.  

Stuttgart 21, der Berliner Flughafen oder die Hamburger Elbphilharmonie sind abschreckende Beispiele für die Unfähigkeit des politischen Systems Großprojekte zu ersinnen und zu vollenden. Und das über mehrere Legislaturperioden hinweg und unter unterschiedlichen Regierungen.

Neuer Rückschlag für Solarworld
SolarworldDer Bonner Solarmodulhersteller kommt nach seinem scharfen Kapital- und Schuldenschnitt vom Frühjahr nur langsam wieder in Tritt. Die konzernweite Absatzmenge sei im ersten Halbjahr nach vorläufigen Zahlen zwar um mehr als die Hälfte auf 357 Megawatt gestiegen, teilte Solarworld mit. Hierzu habe aber vor allem das Auslandsgeschäft beigetragen. In Deutschland sei der Markt weiter schwach. Das Umsatzziel für 2014 von mehr als 680 Millionen Euro werde deshalb wahrscheinlich nicht erreicht. In den ersten sechs Monaten wuchs der Konzernumsatz um 13 Prozent auf 228 Millionen Euro, blieb dabei aber leicht unter den Erwartungen des Unternehmens. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie bereinigt um Sondereffekte des internen Umbaus kam Solarworld auf einen leichten Gewinn von einer Million Euro (Vorjahreshalbjahr: -37 Millionen Euro). Ein insgesamt positives operatives Ergebnis erwartet das Unternehmen weiterhin für 2015. Mit der Restrukturierung hatte Solarworld seinen Schuldenberg um mehr als die Hälfte auf 427 Millionen Euro verringert. Dabei mussten Aktionäre und Gläubiger hohe Verluste hinnehmen. Erst vor kurzem hatte sich der Konzern mit einem wichtigen Rohstoff-Lieferanten auf neue Verträge geeinigt - musste im Gegenzug aber viel Geld in den Wind schreiben. Quelle: dpa
Nordex Der Windkraftanlagenbauer Nordex will seine Geschäfte in Südamerika ausbauen. Schon heute verkaufe Nordex vor allem in Uruguay mit einigem Erfolg, sagte Vorstandschef Jürgen Zeschky. Auch in Chile werde Nordex aktiv sein. „Diese Länder haben einen ungestillten Hunger nach Energie und zahlen für Strom aus heimischen Kraftwerken gutes Geld.“ In den USA habe sich Nordex dagegen bescheidene Ziele gesteckt. „Ich würde nicht so weit gehen, diese Strategie "Rosinen picken" zu nennen, aber dem härtesten Wettbewerb gehen wir so aus dem Weg“, sagte Zeschky. Der Umsatzanteil Amerikas liege bei 18 Prozent. Nach einem guten ersten Quartal hatte Nordex seine Prognose für 2014 zuletzt angehoben. Erwartet werden nun ein Auftragseingang von 1,5 bis 1,7 Milliarden Euro und ein Umsatz von 1,5 bis 1,6 Milliarden Euro. Die Ebit-Marge für 2014 - also das Verhältnis von operativem Ergebnis und Umsatz - wird laut Zeschky 4 bis 5 Prozent betragen. Nordex werde sein Werk in Rostock für rund 25 Millionen Euro ausbauen, kündigte Zeschky an. Dort sind etwa 1400 Mitarbeiter beschäftigt. Insgesamt wolle Nordex bis 2016 rund 50 Millionen Euro in seine Kerntechnologie „Rotorblatt“ investieren. Hintergrund sind die größeren Dimensionen der Rotorblätter und zugehörigen Werkzeuge, die den Umbau der bestehenden Produktionshallen notwendig machen. Quelle: dpa
SolarworldDie Sanierung ist planmäßig abgeschlossen, die Verluste sind eingedämmt (auf 427 Mio. Euro) - jetzt müssen nur noch die Umsätze wieder fließen. Der Photovoltaikkonzern Solarworld sieht sich nach dem drastischen Kapital- und Schuldenschnitt wieder gut aufgestellt. „Wir kommen nicht nur in ruhigeres Fahrwasser, wir nehmen auch massiv Fahrt auf“, sagte Konzernchef Frank Asbeck im Mai bei der Hauptversammlung des Unternehmens in Bonn. Solarworld profitiere von dem Einstieg des Emirats Katar sowie von der Übernahme von Fertigungskapazitäten von Bosch in Thüringen. Der Unternehmenschef geht von einem Wachstum des globalen Photovoltaikmarktes aus, mit einem Schwerpunkt in Asien und in den USA. Allein im ersten Quartal seien in den USA fast so viele Neuanlagen installiert worden wie in dem rückläufigen Markt Deutschland für das ganze Jahr 2014 erwartet wird. Quelle: dpa
SMA SolarSchlechter Start ins Jahr 2014: Im ersten Quartal stand beim operativen Ergebnis des Solar-Technikherstellers ein Minus von 22 Millionen Euro in den Büchern - nach einem Verlust von 8 Millionen Euro Anfang 2013. Zudem brach der Umsatz deutlich ein. Grund dafür seien zum einen Unsicherheiten in Europa wegen der Ukraine-Krise, aber auch Projektverschiebungen in Nordamerika und Währungsturbulenzen in Indien, heißt es offiziell von SMA Solar. Auf der Hauptversammlung 2014 wurde beschlossen, für das Geschäftsjahr 2013 keine Dividende auszuschütten. Große Probleme hat das Unternehmen aber schon länger. Der Weltmarktführer bei Photovoltaik-Wechselrichtern hatte 2013 einen Verlust von rund 67 Millionen Euro eingefahren - nach einem Gewinn von 75,1 Millionen Euro 2012. Mit weiteren Sparmaßnahmen will SMA Solar nun wieder in die Gewinnzone zurückkommen. Schon im Jahr 2013 hat der Wechselrichter-Hersteller seine Kosten um 180 bis 200 Millionen Euro gesenkt. Zudem will das Unternehmen in Zukunft neue Märkte erschließen und neue Produkte einführen. „Im besten Fall“, so Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon, soll 2014 ein Ergebnisplus von 20 Millionen Euro erreicht werden. Ende Mai gab SMA Solar bekannt, das Solar-Wechselrichter-Geschäft vom Mitbewerber Danfoss komplett zu kaufen und eine strategische Partnerschaft anzustreben. Quelle: dpa
SunwaysBeim Fotovoltaik-Unternehmen aus Konstanz läuft seit Ende April das offizielle Insolvenzverfahren. Der Insolvenzverwalter hat damit begonnen, den Konzern zu zerschlagen. Als ersten Schritt zur Liquidierung beantragte Sunways am 19. Mai den Widerruf der Börsenzulassung an der Frankfurter Wertpapierbörse beantragt. Gleichzeitig trat der Vorstandsvorsitzende Hoong Khoeng Cheong zurück .Das Geschäft mit Wechselrichtern und gebäudeintegrierter Photovoltaik hat bereits der chinesische Solarkonzern Shunfeng übernommen. 40 Mitarbeiter können deshalb ihren Arbeitsplatz behalten. Alle anderen hätten ihre Kündigung bereits erhalten, teilte ein Sprecher mit. Ende 2012 waren bei Sunways noch 265 Menschen beschäftigt. Die Aktionäre müssen davon ausgehen, bei der Insolvenz komplett leer auszugehen. Sunways schrieb seit Jahren rote Zahlen und wies hohe Verluste aus. Wie im Mai bekannt wurde, waren die Geschäfte des Unternehmens schon mehrere Monate vor der Zahlungsunfähigkeit fast völlig zum Erliegen gekommen. Bereits 2013 befand sich das Unternehmen einmal in einem vorläufigen Insolvenzverfahren, nachdem mehrere Banken dem Unternehmen Kredite in Millionenhöhe gekündigt hatten. Durch eine Vergleichsvereinbarung wurde das eigentliche Insolvenzverfahren damals jedoch abgewendet. Quelle: dpa
S.A.G. Solarstrom AGDie Solarkrise hat den Anlagenbauer in die Knie gezwungen. Das Unternehmen stellte am 13. Dezember 2013 einen Insolvenzantrag. Die Solarstrom AG kann nach Ansicht des Insolvenzverwalters aber gerettet werden. Mit einer Zerschlagung des Solarunternehmens sei derzeit nicht zu rechnen, teilte eine Firmensprecherin am 16. Mai am Rande einer Gläubigerversammlung mit. Die Sanierung und die Suche nach Investoren laufe positiv und werde fortgeführt, sagte Insolvenzverwalter Jörg Nerlich. Einzelheiten hierzu nannte er nicht. Nerlich erwartet den Angaben zufolge eine Insolvenzquote von rund 50 Prozent. Ob Aktionäre Geld zurück erhalten können, sei aber weiter offen. Das Freiburger Unternehmen mit heute rund 170 Mitarbeitern zählt zu den Pionieren der Solarbranche. Es war 1999 eine der ersten börsennotierten Solarfirmen in Deutschland. Quelle: dpa
ProkonDer Windkraftanlagen-Finanzierer hat im Januar beim Amtsgericht Itzehoe Insolvenz angemeldet. Das Verfahren wurde Anfang Mai eröffnet. Die Zukunft für die insgesamt rund 1300 Beschäftigten ist ungewiss. Gut 75.000 Anleger hatten dem Unternehmen über Genussrechte rund 1,4 Milliarden Euro anvertraut. Sie müssen sich auf schmerzvolle Verluste einstellen. Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin schätzt, dass sie zwischen 40 und 70 Prozent ihres investierten Kapitals verlieren werden. Das Geschäftsmodell des von Carsten Rodbertus 1995 gegründeten Windparkbetreibers stand seit langem in der Kritik. Quelle: dpa

Es ist misslich zu hören, dass der Ausstieg aus Stuttgart 21 teurer werden könnte, als irgendeine Vollendung des konfusen Projektes. Ganz unerheblich ist, ob eine solche Behauptung stimmt oder nicht. Entscheidend ist die Feststellung, dass man Stuttgart 21 so, wie geschehen, jedenfalls hätte nicht in Angriff genommen haben dürfen.

Norwegische Wasserkraft

Strom aus norwegischer Wasserkraft sollte es richten. Das entpuppte sich schnell als eine fixe Idee, jedenfalls auf mittlere Sicht, und dies vor allem, weil Norwegen noch gar keine exportfähige Stromindustrie aufgebaut hat. Und im Übrigen gab es da ja auch die Bedenken, dass die Geburtenrate der Wattwürmer dort, wo das Stromkabel aus dem Wasser ans Festland geführt wird, rückläufig sein könnte. Das allerdings gilt auch für den Strom aus den noch nicht existierenden Windparks in den Nordsee.

Wird der Strom im Süden Deutschlands, der irgendwann aus den langen Leitungen fließen könnte, dann, wenn dies endlich klappt, dort überhaupt noch benötigt? Wenn ja, zu welchem Preis wird der abgenommen? Früher war Stahl für die Volkswirtschaften ein Schlüsselmaterial, das inzwischen längst in dieser Rolle abgelöst wurde. Solche Entwicklungen beeinflussen auch das Energiegeschehen. Weshalb eine zukunftsorientierte Energieplanung nicht davon ausgehen kann, dass der Status quo auf der Abnehmerseite immer so bleiben wird, wie er ist.

Erst Denken, dann Handeln

Ist energie-intensive Industrie, global gedacht, in Deutschland überhaupt zu halten, überhaupt wünschenswert? Sieht eine globale Arbeitsteilung eher Hightech-Arbeitsplätze in Deutschland vor? Die Schweizer wussten schon vor 400 Jahren, dass es in ihrer damals schwer zu bewirtschaftenden rauen Gebirgswelt klug sein könnten, zum Beispiel Uhren zu bauen und sie teuer in alle Welt zu verkaufen, wie Goethe bekanntlich schon zu schimpfen wusste, der der Verlockung einer solchen Schweizer Präzisionsuhr eben auch nicht widerstehen konnte.

Ein Energie-Gesamtkonzept neu aufzustellen, wozu eine Wende ja die Chance bietet, kann jedenfalls nicht im parteitaktischen Wahlgegröle bestehen und auch nicht in einer Leitungstrasse von Nord nach Süd. Derartige Gesichtsfeldverengungen erweisen sich irgendwann immer als problematisch.
Merkel sollte sich nicht, nachdem sie sich in der Grundentscheidung schon hat treiben lassen, jetzt auch noch hinsichtlich der konkreten Ausgestaltung, vornehmlich von den Grünen, die selber kein tragfähiges Konzept auf der Platte haben, weiter wie eine Getriebene verhalten und über das Ziel hinaus schießen.

Die Grünen strotzen vor energetischer Kraftmeierei

Die Grünen strotzen vor energetischer Kraftmeierei und Rechthaberei und bei ihnen quillt das technisch-physikalische Fachwissen nur so aus jeder Pore und ein Konzept wird schon von seinem Nachfolger gejagt. Nur: Einen ganz schlüssigen, auf Heller und Pfennig durchgerechneten, für jedermann verständlichen und jeder Prüfung Stand haltenden Gesamtentwurf für die Bundesrepublik, der sich in die europäische Wirklichkeit sinnvoll einfügt und dem globalen Wettbewerb standhält, gibt es von den Grünen nicht.

Warum sich also von einer solchen Gruppierung, die es selber nicht kann und die eine lückenlose Geschichte von Irrtümern vorzuweisen hat, ständig treiben lassen? Wenn Atomstrom aufgrund der deutschen Volksseele nicht zu halten ist, dann muss die Energiewende nicht auch noch ein Konglomerat zufälliger Gefühlslagen werden.

Deswegen ist der Vorschlag von Rösler erst Denken und dann Handeln der einzig richtige Vorschlag der Energiewende näher zu kommen. Und der Aktionismus der heutigen Opposition ist Gift für die Energiewende. Sollte dieser Aktionismus am 22. September auch noch dazu beitragen, Rot-Grün an die Hebel der Macht zu bringen, bliebe nur noch beten und die Hoffnung, dass vorher dummes Zeug reden und hinterher handeln möglichst weit auseinander klaffen.

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