WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen
Bettina Röhl direkt

"Das muss Deutschland aushalten"

Seite 4/6

Ist das moralisch?

So viel kostet eine Stunde Arbeit in Europa
Supporters of the ultranationalist Bulgarian party Ataka (attack) wave national flags during a anti-government rally in central Sofia, Bulgaria Quelle: dpa/dpaweb
A woman peers through a Romanian flag during a protest against President Traian Basescu in Bucharest, Romania, Quelle: dapd
Die Flagge der Europäischen Union weht neben den Nationalfahnen der EU-Mitglieder Spanien Niederlande, Irland und Griechenland sowie Rumaenien (hinten v. l.), Portugal, Tschechien und Schweden Quelle: dapd
Die deutsche Flagge weht am 09.08.2012 an einem Schiff der Reederei Hiddensee vor der Silhouette der historischen Altstadt von Stralsund Quelle: dpa
Eiffelturm Quelle: gms
Der Dannebrog, die dänische Flagge, weht am 27.06.2012 an einem Ferienhaus in Henne Strand Quelle: dpa
Boddenhafen von Barth Quelle: ZB

Früher war es im Westen modern, sich Sorgen um ein überbordendes Wachstum der Weltbevölkerung zu machen. Eine nicht unverbreitete Parole war es, selber auf eigene Kinder hierzulande zu verzichten, um einen Beitrag gegen das Wachstum der Weltbevölkerung zu leisten. Heute wächst die Weltbevölkerung und die auch damit verbundene Armut in absoluten Zahlen gesprochen deutlich schneller, als der Westen zum Ausgleich Migranten aufnehmen könnte, ohne selber in Chaos und Armut zu verfallen. Diese Tatsache relativiert den unmoralisch gequälten Aspekt im vorliegenden Zusammenhang schon einmal ganz erheblich.

Wenn man einmal unterstellt, dass die leistungsstärksten, best ausgebildeten Menschen aus armen Ländern oder armen Regionen zum Beispiel nach Deutschland kommen, dann ist die zwingende Konsequenz, dass diese Menschen in ihren Heimatländern zum dortigen Aufbau fehlen. Und dann ist man mit einem Teilaspekt schon wieder bei der historischen Sklaverei. Da hat man natürlich einem Kontinent wie Afrika Schaden zugefügt, in dem man die Sklaven nach Nützlichkeit selektierte, in dem man die Gesündesten und Kräftigsten mitnahm. Ist es also moralisch, wenn der Westen heute diejenigen qualifizierten Menschen aus den armen Ländern und armen Regionen abzieht, die dort besonders gebraucht werden? Und ist es eigentlich moralisch, wenn der Unterhalt eines Migranten, der hier im Sozialsystem aufgenommen wird, hierzulande ein Vielfaches von dem kostet, was der Unterhalt desselben Migranten in seinem Heimatland kosten würde? Oder anders gefragt: Ist es moralisch, wenn jemand im hiesigen Sozialsystem einen Betrag kostet, mit dem man in seinem Heimatland eine ganze Reihe von bedürftigen Menschen unterhalten könnte? Es gibt sie, die Abermillionen von Menschen auf dieser Welt, die in Hunger und Not und einer Art von Versklavung oder Unterdrückung in ihren eigenen Ländern leben. Das zu bedauern, wegzuschauen, dumm aus seiner Luxuswohnung "Ich bin Lampedusa" heraus zu schreiben und sich für einige Wenige einzusetzen und Millionen von Anderen unberücksichtigt zu lassen, als läge das Grundproblem nicht ganz woanders, ist purer Populismus und in höchstem Maße unmoralisch.

Wenn es um Armutszuwanderung geht, die sicher den weit überwiegenden Teil der Zuwanderung ausmacht, dann ist die deutsche und westliche Entwicklungshilfe gefordert. Nicht die armen Länder arm lassen oder arm machen, um verwerfliche multi-ethnische Spiele hierzulande zu spielen, sondern die oft besungene große Welt schaffen, in der in gleichberechtigten Ländern gleichberechtigte Menschen leben - das ist das moralische Gebot.

Es gibt allerdings auch Länder, deren Regierungen sich auch unter Ausnutzung der deutschen Fehlentwicklungen in der Migrationspolitik eben in das gesellschaftliche und politische Geschehen hierzulande einmischen und die in ihren eigenen Ländern Armutsauswanderung zum Wohle des eigenen Haushalts und der eigenen Sozialsysteme fördern. Auch dieser Aspekt kann sinnvollerweise nicht aus der deutschen Politik ausgeklammert werden. Müßig zu erwähnen, dass es auch Migranten aus armen Ländern und Regionen gibt, die nicht aus dem lauteren Motiv der Armut kommen, aber das soll keineswegs überbewertet werden. Und dann gibt's auch noch die große Zahl von Armutsmigranten, die arbeiten und Geld verdienen wollen und die, zumeist ohne große staatliche Hilfe oder linkes politisch-korrektes Gedöns einfach ihr Ding machen und die die deutsche Integrationsindustrie kaum in Anspruch nehmen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%