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Bettina Röhl direkt

Winfried Kretschmann und der Bildungsplan 2015

Seite 4/5

Kretschmann soll die Kinder in Ruhe lassen

Durch die oben erwähnte Petition des Lehrers Gabriel Stängel hat sich die öffentliche Diskussion auf den Teilaspekt der Genderdiktatur reduziert und darauf, dass der Initiator der Petition irgendwie christlich motiviert handelte.

Die Religionophobie der 68er, die speziell das Christentum und die Kirchen damals attackierten, andere Religionen gab es zu der damaligen Zeit nicht in nennenswertem Maß in der Republik, schlägt in Kretschmanns Spruch von der religiösen Imprägnierung voll durch, aber natürlich würde Kretschmann das Beschneidungsrecht der Eltern bezüglich männlicher Babys oder Kinder aus religiösen Gründen oder das Fernhalten von muslimischen Mädchen vom Schwimmunterricht, wozu sich das Bundesverwaltungsgericht wenig befriedigend geäußert hat, niemals unter dem Begriff "religiös imprägniert" subsumieren. Jemanden, der das täte, würde er im Gegenteil als sonst-was-phob oder reaktionär oder als rechtsrandständig gegeißelt werden.

Es schimmert eben überall und immer wieder diese alte, ins Gehirn eingebrannte Sucht oder Sehnsucht nach der Zerstörung alles dessen, was den Westen ausgemacht hat und ausmacht, durch. Und der Hass auf alle Menschen, die trotz aller Bemühungen vom 68er-Virus bis heute unberührt geblieben sind. Kretschmanns Satz zu seinem Bildungsplan, "Das heißt, die Menschen so zu akzeptieren, wie sie nun einmal sind in ihrer Veranlagung. Fertig. Aus. Amen." ist entlarvend.

Denn gerade die heterosexuellen Menschen greift der Bildungsplan an und Kretschmann sanktioniert dies. 95 Prozent der Kinder und Jugendlichen lässt Kretschmann gerade nicht in Ruhe. 95 Prozent der Kinder akzeptiert er nicht als Menschen "wie sie nun mal sind in ihrer Veranlagung". Denn die Kretschmänner stellen im Prinzip alle Menschen unter den Generalverdacht, dass sie Schwule, Lesben, Transsexuelle, Transgenderisten, Intersexuelle usw. diskriminierten und durch hoheitliche Bildungseingriffe schon im Kindesalter erzogen, besser zurecht getrimmt werden müssten.

Über die Selbstverständlichkeit, dass Menschen ihre sexuelle Neigung ausleben, muss tatsächlich nicht mehr geredet werden. Jedenfalls bedarf es keines hoheitlichen Eingriffs in kindliche Seelen und kindliche Sexualität, um sie zur Selbstfindung zu zwingen, ob sie wirklich zur "Stereotype" der Heterosexualität passten oder nicht. Die Verunsicherung der heterosexuellen Kinder, die der Bildungsplan gezielt in Angriff nimmt, ist skandalös und schlägt der Menschenwürde, auf die Kretschmann sich auch noch beruft, diametral ins Gesicht. Die Pubertät ist nicht der einfachste Lebensabschnitt eines Menschen, in dem es auch um die Autonomisierung des Menschen und seiner Sexualität geht. Ein Staat, der sich anmaßt in diese Entwicklung, die jeder Mensch auch ein Stück weit alleine erleben muss und kann, mit ideologischen Übergriffen hinein zu fummeln, ist ein wahrhaft perverser Staat. Die Kretschmänner sollen die Kinder in Ruhe lassen. Das ist eine mehr als legitime Forderung.

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