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Bettina Röhl direkt

"Das muss Deutschland aushalten"

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Kulturelle Prägungen bestimmen einen Menschen ein Leben lang

In diesen Großstädten herrscht das größte Armutsrisiko
Platz 15: MünchenMünchen belegt im Ranking Platz 15. Das heißt, dass hier die wenigsten Einwohner von Armut bedroht sind - jedenfalls im Vergleich mit anderen deutschen Großstädten. macht den Auftakt zum Ranking. Im Vergleich der 15 größten deutschen Städten. Die vom Statistischen Bundesamt errechnete Armutsgefährdungsquote betrug 2012 in der bayerischen Landeshauptstadt 11,4 Prozent. 2011 waren es noch 12 Prozent - auch das war klar unter dem Bundesdurchschnitt. Quelle: dpa
Platz 14: StuttgartIn Stuttgart sind laut den Daten 13,4 Prozent der Einwohner von Armut bedroht. Dies ist die zweitgeringste Quote unter den 15 größten deutschen Städten. Im Vorjahr betrug die Quote noch 15,1 Prozent. Offenbar haben sich Einkommensunterschiede in der Bevölkerung verringert. Quelle: dapd
Platz 13: HamburgAuch im Stadtstaat Hamburg ist die Quote leicht zurückgegangen: Von 15,1 Prozent im Jahr 2011 auf 14,8 Prozent. Das beschert Hamburg den 13. Rang. Quelle: rtr
Platz 12: Frankfurt am MainIn der Banken-Metropole waren 2011 knapp 16 Prozent der Menschen arm. 2012 waren nur noch 15,2 Prozent der Einwohner von Armut bedroht. Die Situation hat sich also auch hier leicht verbessert. Quelle: dpa
Platz 11: Nürnberg17,5 Prozent der Nürnberger sind von Armut bedroht, weshalb Nürnberg auf dem 11. Platz liegt. 2011 waren es noch 19,6 Prozent. Quelle: dpa
Platz 10: DüsseldorfDen zehnten Platz im Armutsranking deutscher Großstädte belegt Nordrhein-Westfalens Hauptstadt. Hier liegt die Armutsgefährdungsquote bei 17,6 Prozent. Quelle: AP
Platz 9: EssenIn Essen ist jeder fünfte von Armut bedroht, die Quote liegt bei 20 Prozent. Damit hat sich die Situation im Ruhrgebiet geringfügig verschlechtert: 2011 lag die Armutsgefährdungsquote noch bei 19,8 Prozent. Quelle: AP

Bleibt das Phänomen, dass eine nicht geringe Zahl von Migranten in dem eigenen, immer mehr zur Parallelgesellschaft werdenden Milieu bleiben möchten, was dem Integrationsgedanken nur begrenzt förderlich ist. Es ist ja durchaus menschlich, dass kulturelle Prägungen, also die Art, wie man etwas schön und richtig findet, ein Menschenleben bestimmen, in den meisten Fällen ein Leben lang. Menschen einfach auf Deutschland umschalten zu wollen, ist ein schwieriger Ansatz. Denn komplexen Sachverhalten muss man auch mit komplexen Lösungen begegnen.

Der Ansatz der Integrationsindustrie, deren Vertreter viel von der Individualität der Migranten daher reden, eben diese Migranten dann doch über einen Kamm zu scheren und sie als Auffüllmasse der deutschen Gesellschaft zu sehen und benutzen zu wollen, ist nicht nur ein Widerspruch in sich, sondern offenbart auch die Scheinheiligkeit derjenigen, die sich an der Migration und auch an Fehlentwicklungen im Bereich der Migration gesund stoßen wollen. Auch die Idee, dass die Migranten, besser die Migrantinnen, ja die vielen Kinder bekommen sollen, wie es ganz wörtlich in Politikerkreisen gehandelt wird, ist wirklich nur zynisch und menschenverachtend gegenüber den Deutschen und natürlich auch gegenüber den Migrantinnen und Migranten, die hier in einem großen Menschenexperiment als Menschenmaterial gehandelt werden.

Die Autorin hat erlebt, wie auf einer SPD-Ortsveranstaltung zwei 19-jährige Migrantinnen, die gerade ihr Abitur machten, derlei Schwülsteleien von ein paar grauhaarigen Lokalpolitikern ganz entschieden gekontert haben, nach dem Motto: Wir kriegen doch nicht für euch die Kinder! Was stellt ihr euch eigentlich vor? Und sie hatten recht. Denn was ist das auch für ein menschenverachtender Gedanke? Migranten herzulocken, damit diese die deutsche Demographie aufbessern? Absurder geht's nicht. Im Übrigen wird die Erwartung der Menschenexperimentierer auf lange Sicht nicht in Erfüllung gehen, weil nämlich die Migranten, die sich hier integrieren das deutsche Kein-Kind-Politik mit einer gewissen Zeitverzögerung übernehmen werden.

Die Autorin hat vor einigen Jahren eine Reportage über die Computerspezialisten in Bangalore, Indien, für Spiegel TV gemacht. In den angesagten Diskotheken war sie umringt von begeisterten, gut ausgebildeten und leistungsstarken jungen IT-Fachleuten. Tolle Stimmung, tolle Musik, tolle Klimaanlage, westliches Disco-Bar-Fieber. Und das hatte zwei Gründe: Zum einen war es die Freude über das Selbstbewusstsein zur Elite Indiens zu gehören, Aufbruchstimmung, Silicon Valley. Zum anderen war die Freude groß, dass mit der Autorin ausnahmsweise eine Frau in der Disco anwesend war. Mit Kamerateam obendrein.

Die Frauen in Bangalore wurden nicht versteckt. Man sah sie tagsüber als Bauarbeiterinnen auf den Baustellen der entstehenden Glaspaläste großer Weltkonzerne, die sich in Bangalore ansiedelten, schuften. Und natürlich sah man Frauen als Angestellte in den Büros deutscher Konzerne in Bangalore (die also Arbeit nach Indien ausgelagert hatten, statt die indischen Spezialisten nach Deutschland zu holen.) Kleine Anmerkung: Ein örtlicher deutscher Boss der indischen Dependance seines Konzerns sagte auf Nachfrage, dass er von den Bauarbeiterinnen natürlich gar nichts wüsste und gab zu, dass die angestellten Damen ohne die Genehmigung ihrer Männer nicht zur Arbeit erscheinen dürften. Ein reales Beispiel dafür, welchen Kulturschock ein junger, gutausgebildeter, englisch sprechender junger Mann aus Bangalore, der beispielsweise nach Deutschland kommt, hier erleiden könnte.

Die Brachialgewalt, alle Menschen seien gleich und wer nicht gleich ist, wird von der Integrationsindustrie gleich gemacht und zum Funktionieren gebracht, ist grenzenlos.

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