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Bettina Röhl direkt

Peer Steinbrück zwischen rotem Filz und schwarzer Brautwerbung

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Raus schweres politisches Erbe

Die teuersten Vorträge von Peer Steinbrück
Die Deutsche Bank scheint zu den liebsten Auftraggebern von Peer Steinbück zu gehören. Unter mehreren Auftritten in der von ihm veröffentlichten Liste gehört beispielsweise ein Vortrag anlässlich einer Veranstaltung des Private Wealth Managements in Zusammenhang mit der Saisoneröffnung der Berliner Philharmoniker im August 2011 in Berlin. 15.000 Euro bekam der SPD-Politiker hierfür. Quelle: dpa
Die Bankentürme Frankfurts: Zum „Citi Research Day“ hielt Peer Steinbrück hier im Januar 2011 einen Vortrag, den er sich mit 15.000 Euro vergüten ließ. Die Rechnung ging an Citigroup Global Markets Deutschland. Quelle: dpa
Anlässlich ihres „Restructuring“-Treffens holten sich die Wirtschaftsprüfer von KPMG die rednerische Unterstützung von Steinbrück. Inklusive „Nebenkosten“ schlägt dieser Vortrag mit gut 15.700 Euro zu Buche. Quelle: AP
Auch eine der größten Banken Frankreichs holte sich den designierten SPD-Kanzlerkandidaten ins Haus: Für die BNP Paribas hielt Steinbrück im Februar 2010 einen Vortrag auf einer Fachkonferenz auf dem Petersberg – diesmal ohne Umwege über eine Redner-Agentur. Quelle: dpa
Zur Investorenkonferenz der Deutschen Bank in Wien sprach Steinbrück im Dezember 2009. Für seinen Vortrag, vermittelt über die Agentur Celebrity Speakers in Großbritannien, bekam er 15.000 Euro. Quelle: dpa
Auch Privatbanken nehmen die Dienste von Peer Steinbrück gern in Anspruch – so wie beispielsweise Sal. Oppenheim in Köln, eine Tochter der Deutschen Bank. Hier hielt Steinbrück im April 2012 für 15.000 Euro einen Vortrag im Rahmen einer Investmentkonferenz. Quelle: dpa
Ebenfalls über Celebrity Speakers kam Peer Steinbrück zu einem Vortrag für das 10. Investorenforum von JP Morgan in Frankfurt. Zu den gewohnten 15.000 Euro Honorar kamen knapp 400 Euro an Nebenkosten. Quelle: Reuters

Jedenfalls haben weder die Justiz noch die Zunft der Historiker noch die notorisch unter dem System leidenden bürgerlichen Parteien je etwas gegen das System Rau in NRW ausrichten können. Bis heute ist das System Rau weit davon entfernt seinen angemessenen Platz in der Geschichtsschreibung der jüngeren deutschen Geschichte gefunden zu haben und weit davon entfernt, seine negativen Wirkungen auf die deutsche Demokratie und natürlich seine negative Wirkung auf das Land NRW bescheinigt bekommen zu haben:   

Die Verschleppung der Modernisierung Nordrhein-Westfalens, sprich die Transformation der Wirtschaft weg von der Montan-Industrie hin zu einem Silicon Wuppertal ist ein schweres politisches Erbe des Johannes Rau, dessen Flugaffäre 1999, die gar nicht so unheftig war und die ebenfalls mit der WestLB und Friedel Neuber zu tun hatte, er als Bundespräsident routiniert atomisierte; anders als der aus dem Bundespräsidialamt geschasste Christian Wulff verharrte Rau bestens beleumundet im Schloss Bellevue.

Peer Steinbrück und die Bochumer Stadtwerke

Steinbrück ist von der Rau-Schule geprägt. Peer Steinbrück war vier Jahre lang von 1986 bis 1990 als Büroleiter des Ministerpräsidenten ein enger, ja engster Mitarbeiter von Rau und er war in NRW ja auch selber von 1998 bis 2002 Minister, erst Wirtschaft, dann Finanzen, bis er 2002 als Nachfolger von Wolfgang Clement selber Ministerpräsident von NRW wurde und damit auch, untechnisch gesprochen, oberster Chef zum Beispiel der Bochumer Stadtwerke war, die sich jetzt als societygeile Spendierhosenträger erwiesen haben.

Dass die Bochumer Stadtwerke wohl weniger  Honorare als vielmehr Geschenke verteilt haben, tritt allmählich zutage, seitdem Buchprüfer bei den Stadtwerken rund um den sogenannten Atrium Talk, einer Art Lustveranstaltungsreihe der Stadtwerke mit prominenten Gästen, ein kleines Sodom und Gomorrha zutage gefördert haben: riesige Summen für Catering, Musiker, Ausstattung, was mit dem Kerngeschäft eines öffentlichen  Versorgungsunternehmens nicht das Mindeste zu tun hat, schlampige Verträge, undefinierte Gegenleistungen, überbezahlte Stargäste. Und mittendrin ein Peer Steinbrück, der demnach in Bochum nicht einmal eine Rede gehalten hat, wovon viele bisher ausgingen, sondern für seine zweistündige Teilnahme an einem bloßen Plausch über sein eigenes Leben vor gerade mal 184 geladenen Zuhörern 25.000 Euro "Honorar" kassiert, oder besser 25.000 Euro geschenkt bekommen hat.

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