Bettina Röhl direkt

Sind Merkel und Schäuble orientierungslos?

Bettina Röhl Publizistin

Es ist ein Gestammel über "Staatsbankrott" und "Schockzustände": Verschleiern Merkel und Schäuble den angelaufenen Countdown zurück zur Drachme? Oder irrlichten sie tatsächlich nur durch den Euro-Dschungel?

Trotz medialer Dauerpräsenz bleiben Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Finanzminister Wolfgang Schäuble fern und fremd. Quelle: REUTERS

"I Think... there will no... it will not happen, that there will be a staatsbankrott in greece". Mit diesem Satz, gesprochen am vergangenen Sonntag bei einem Zwischenstopp in Singapur auf der Rückreise vom IWF-Gipfel in Tokio, ist es dem Bundesfinanzminister gelungen die deutschen Medien zu beschäftigen.

Griechenland ist pleite. Griechenland ist bankrott. Griechenland ist zahlungsunfähig. Das ist der Status quo nicht erst per heute, sondern seit 2 1/2 Jahren, seitdem Griechenland seine Schulden nicht mehr aus eigener Kraft bedienen konnte. Seitdem ist der zuvor nahezu perfekt kaschierte Konkurs so evident, dass es schon eine dreiste Täuschung der Welt ist, wenn diese Tatsache gleichwohl wie nicht existent behandelt wird; Griechenland hängt bereits am Tropf der Europäischen "Sozialhilfe" aus dem Euro-Norden. Insofern hat Schäuble nichts, aber auch gar nichts Neues gesagt, wenn er konstatiert, dass nach seiner Meinung der Konkurs Griechenlands kein Zukunftsszenario ist. Einer, der bankrott ist, kann nicht mehr pleite gehen. Der Konkurs Griechenlands ist lediglich hinfort administriert und weg definiert worden.

Die Chronik der Schuldenkrise

"Schockzustände"

Aus dem Schäubleschen Satz zu entnehmen, dass der Finanzminister Griechenland Blanko-Garantien für einen Euro-Verbleib geben will, wie viele es gestern interpretierten, zeigt wie hysterisch und sensationslüstern die Euro-Krise medialisiert wird. Das ist eine wirklich peinliche Überinterpretation des Schäubleschen Satzes, der überdies nur ganz nebenbei auf einer Goodwill-Veranstaltung fiel.

Auch Merkel, die am Montag auf Schäubles hochgespielten Satz einging, ist prompt ähnlich überzogen interpretiert worden. In Wahrheit hat Merkel nicht viel mehr gesagt als dass sie Griechenland viel Glück wünscht. Sie sagte, dass keine "Schockzustände" von Griechenland für die Weltwirtschaft ausgehen würden. "Diese unkontrollierten Prozesse wird es überhaupt nicht geben".

Natürlich weiß Merkel, dass die Volkswirtschaft von knapp 11 Millionen Griechen nicht das Potenzial hat der Weltwirtschaft einen Todesstoß zu versetzen. Wenn Griechenland eine schwere Grippe erlebt, hätte der Rest der Welt nicht einmal einen Schnupfen. Was soll also Merkels Gezündel und Herumgefuchtel mit Horrorszenarien?

Im Übrigen: wenn Merkel keine Schockwellen für den Rest der Welt will, dann trifft sie damit keine Aussage, ob sie ein Griechenland mit Euro oder mit Drachme stabilisieren möchte. Auch Merkel hat keine Euro-Garantie nach Athen geschickt, wenn sie formuliert, dass sie sich Griechenland als Euroland wünscht. Immerhin hat sie zwei klare Aussagen gemacht, die gegen die Verlängerung der Euro-Misere in Griechenland stehen, nämlich 1. dass der lange überfällige Troika-Bericht (absichtsvoll verschleppt, muss man wohl richtiger Weise sagen) zum griechischen Status und damit zu den griechischen Perspektiven abzuwarten sei und 2. dass ein neuer Schuldenerlass zu Gunsten Griechenlands aus ihrer Sicht ausgeschlossen sei.

Fakt ist: Ob Griechenland im Euro bleibt oder den Euro verlässt, hat schon lange nichts mit der Überschuldung des Landes und den zu dürftigen wirtschaftlichen Perspektiven des Landes zu tun, die ein unabänderlicher Dauerzustand auf überschaubare Sicht bleiben werden. Es ist längst ein reines Politikum geworden Griechenland im Euro zu halten.

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