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Bettina Röhl direkt

Politik vom Zauberberg

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Unaufhaltsame Gruppendynamik

Die zehn größten Euro-Lügen
Ex-EZB-Chef Jean-Claude Trichet Quelle: dpa
Wolfgang Schäuble Quelle: dpa
Giorgios Papandreou Quelle: dpa
Wolfgang Schäuble Quelle: dapd
Chef der Eurogruppe Jean-Claude Juncker Quelle: dapd
Angela Merkel mit Draghi Quelle: dapd
Mariano Rajoy Quelle: REUTERS

Für die Lieben daheim spuckt die Politelite dann regelmäßig ihre Statements in die Kameras und die Mikrofone, wobei sie die oft recht dürftigen Ergebnisse als neuesten politischen globalen Erfolg für die Menschen verkaufen. Tags darauf rast die politische Klasse und die Medien zu den Monitoren, um zu schauen wie die Statements bei den Börsen angekommen sind. Und alle tun so als wäre dieses aufgeregte Geschehen nichts als die perfekte Normalität, als wäre das alles Politikmachen in modernster und rationalster Form.

Auf dem Zauberberg

Tatsächlich entstehen bei diesen aufgedrehten Politik-Jetset Gruppendynamiken unbeherrschbaren Ausmaßes. Eitelkeiten, Machtneid, Missgunst, Flirtspiele, Gefallen wollen, was der Psycholaden hergibt findet statt und gewinnt in ganz unübersichtlicher Weise die Oberhand. Und eine ganze Klasse von Hofberichterstattern und Begleitpersonen aus Politik und Wirtschaft ist integraler Bestandteil  dieses munteren Treibens. Die Euro-Politik scheint inzwischen auf einem Thomas Mann'schen Zauberberg stattzufinden. Im Roman beschäftigen sich die Figuren am Ende allerdings mit Tischerücken und allerlei sonstigen obskuren Gesellschaftsspielen, bevor der erste Weltkrieg sie aus ihrer Realitätsferne jäh herausholt.

Natürlich sind unsere Politiker heute cool und drehen ihr großes europäisches Rad auch nur als Spiel und gelegentlich kommen sie auch wieder zu sich. Aber das gewaltige Psychodynamiken entstehen und so das allgemeine Denken und Empfinden auf bestimmte wenige Handlungsalternativen beschränken, steht fest. Nur so ist es zu erklären, dass zum Beispiel die absurde Idee einer politische Union zur Rettung des Euro in der europäischen politischen Klasse ernsthaft in Betracht gezogen wird und dort regelrecht en vogue ist. Motto: Den Euro kriegt man nicht hin. Jetzt versuchen wir es hurtig mit dem europäischen Hammer.

Fakt ist allerdings: wer den Euro nicht hinkriegt, kriegt die politische Union erst recht nicht hin und eine solche Union wird es deshalb auch nicht richten. Derlei Fixiertheiten sind das typische Ergebnis von Psychodynamiken innerhalb geschlossener Gruppen, in diesem Fall in der politischen Klasse.

Die eigentliche Euro-Krise

In Arbeit
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Politik ist Psychologie, Wirtschaftspolitik erst recht und die grassierende Event- und Kongress-Sucht der Politiker begünstigt die Entrationalisierung der Entscheidungsprozesse.

Die Euro-Krise besteht nicht einmal vorrangig in dem, was derzeit unter diesem Namen sichtbar ist, nämlich in den Haushaltskrisen einiger Teilnehmerstaaten samt der Krisen ihrer Banken. Die Euro-Krise besteht vor allem in den unterschiedlichen Entwicklungsständen der Volkswirtschaften und in den nicht unerheblichen Divergenzerscheinungen, die es neben allem Zusammenwachsen auch gibt. Diese Faktoren bleiben ein permanenter Widerspruch zu einer Gemeinschaftswährung.

Da braucht es ein Höchstmaß an Besonnenheit und rationaler Öffnung des Blickes auf das Ganze und nicht auf willkürlich heraus gehobene Teilaspekte. Auch Griechenland ist in Wahrheit nur ein kleiner Teilaspekt des Euro.

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