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Bettina Röhl direkt

Peer Steinbrück zwischen rotem Filz und schwarzer Brautwerbung

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Wahlsieg mit Kandidat aus der Mitte

Welche Koalitionen im Bund denkbar sind
Große Koalition aus Union und SPDVorteile: technokratisches Regieren, krisenerprobt, sichere Mehrheit Nachteile: schmerzhaften Reformen eher abgeneigt, schwache Opposition ist kaum als Korrektiv geeignet Wahrscheinlichkeit: groß Quelle: dpa
Ampel-Koalition aus SPD, FDP und Grünen Quelle: dpa
Jamaika-Koalition aus Union, Grünen und FDP Quelle: dapd
Bürgerliche Koalition aus Union und FDP Quelle: dapd
Schwarz-grüne Koalition aus Union und GrünenVorteile: verbindet Interessen von Ökonomie und Ökologie Nachteile: vereint Wähler mit unterschiedlichem Gesellschaftsbild, wenig Schnittmengen in der Wirtschaftspolitik Wahrscheinlichkeit: eher gering, weil beide Parteien zunächst andere Koalitionen ausloten Quelle: dpa
Rot-grüne Koalition aus SPD und Grünen Quelle: dpa
Rot-rot-grüne Koalition aus SPD, Grünen und LinkenVorteile: Rechnerische Mehrheit im linken Lager erreichbar Nachteile: Linkspartei gilt im Westen als kaum koalitionsfähig, SPD und Linke konkurrieren und misstrauen sich, Peer Steinbrück kann überhaupt nicht mit der Linken Wahrscheinlichkeit: ausgeschlossen

Auch die rote Fraktion in der SPD weiß bei nüchterner Betrachtung recht genau, dass ein Kandidat der Mitte, der Steinbrück gewiss ist, der SPD das bestmögliche Wahlergebnis im September 2013 einbringen wird. Und natürlich wollen die Genossen von der SPD lieber mitregieren und dazu müssen sie in der Mitte vor allen Dingen den Grünen Wähler abspenstig machen.

Genosse Gerhard Schröder hält Putin keine Vorträge und erläutert ihm das globale Gasgeschäft gar nicht erst. Davon versteht er ja auch viel weniger als Putin selber. Und er nennt das Ganze dann auch nicht Honorar, sondern kassiert gleich Managertantiemen in siebenstelliger Höhe. Und Joschka Fischer, der offenbar einen Stein bei Goldman Sachs im Brett hat, und von Wirtschaft ausweislich dessen, was er als Politiker öffentlich zum Thema zu sagen hatte, nicht die mindeste Ahnung hat, lacht sich in Sachen Honorare von Steinbrück sicherlich kaputt. So ist das mit den Linken oder ehemaligen Linken. Die haben eine starke Affinität zum großen Geld und dafür werden sie von den Konservativen, die sich immer gegen den Kapitalismusvorwurf wehren müssen, auch beneidet.

Steinbrück wirkt wie ein fideler, etwas aufgekratzter Frührentner

Der arme Steinbrück jammert, dass seine Gegner peinlich handelten, wenn sie ihm missgönnten, dass auch er als Sozialdemokrat Geld verdiente. Oh Peer, wenn Du das Geld nur "verdient" hättest!

Deutschland



Merkel findet also einen leicht lädierten Kontrahenten vor und der ist für sie gerade deswegen vielleicht besonders attraktiv. Steinbrück ist allerdings, unabhängig von seiner jetzigen Affäre, auf die er sehr dünnhäutig reagiert, etwas opahaft geworden, ein bisschen wie ein fideler aufgekratzter Frührentner, und da wäre das Ungewöhnliche natürlich drin, nämlich dass Steinbrück trotz aller Durchhalteschwüre verfrüht aufgeben oder als Kanzlerkandidat von der eigenen Partei fallen gelassen oder gar verjagt werden könnte.

Dass die sozialdemokratische Walküre Hannelore Kraft, die auch das System Rau intensiv kennen gelernt haben dürfte, plötzlich auf den Kanzlerschild der SPD gehoben wird und Steinbrück doch noch einen Rückzieher macht, ist im Moment jedenfalls nicht ausgeschlossen. Dann würde es für Merkel definitiv ungemütlicher und Deutschland wäre die erste Demokratie in Europa, die einem Stutenkampf um das Kanzleramt erleben würde.

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