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Bettina Röhl direkt

Warum die Grünen sich dringend erneuern müssen

Bettina Röhl Publizistin

Auf dem Parteitag der Grünen vor zehn Tagen sprach Trittin von der Erneuerbarkeit Deutschlands. Doch statt die Republik umzuerziehen, sollten sich die Grünen um die Erneuerbarkeit ihrer eigenen Partei bemühen.

Wortgewaltig gab Jürgen Trittin die Marschrichtung der Partei vor. Quelle: dpa

Die "Erneuerbaren", das ist eine bekannte Worthülse, mit der die alternative Energiegewinnung bezeichnet wird. Erneuerbare Energien, das ist bekanntermaßen sprachlich, begrifflich, naturwissenschaftlich ein großer Unsinn. Es gilt das physikalische Gesetz der Energieerhaltung und der Wind, der eben geblasen hat und einen windbetriebenen Generator hat Strom erzeugen lassen, ist weg. Und man lebt von der berechtigten Hoffnung, dass ein neuer Wind blasen wird.

Jaja, aber wir wollen ja nicht kleinkariert werden und man weiß ja, was mit dem Begriff der "Erneuerbaren" gemeint ist. Dass die Umstellung auf die alternativen Energien, auch Energiewende genannt, die Strompreise in die Höhe getrieben hat, steht fest und dass die Energiewende die Kosten der Kilowattstunde noch in unerwünschte Höhen treiben wird, dürfte unter allen cool denkenden Fachleuten unstrittig sein.

Dass die Nummer mit den "Erneuerbaren" noch nicht ganz zu Ende gedacht ist und noch lange nicht gemacht ist, weiß inzwischen auch jeder, aber das hindert die Grünen und diejenigen, die von den Grünen getrieben und gehetzt deren Politik umsetzen, nicht daran auf ihr Projekt der "Erneuerbaren" voller Stolz und mit verklärtem Blick zu schauen. Immerhin: Die alternativen Energiegewinnungsformen sind eins der unzähligen Lieblingsbabys der Grünen.

"Die Erneuerbaren" sind regierungsamtliche Politik

Als der große mächtige Vorsitzende Jürgen Trittin, den großen, dreitägigen Wahlparteitag der Grünen in Berlin letzte Woche wortgewaltig und die Marschrichtung vorgebend mit den Worten: "Ab heute kämpfen wir für die Mehrheit in Deutschland. Auf geht's! Dieses Land ist erneuerbar. Deutschland ist erneuerbar. Los geht's!" beendete, hat sich niemand und wahrscheinlich auch er selbst nicht, irgendetwas groß dabei gedacht.

Die "Erneuerbaren" sind regierungsamtliche Politik. Insofern ist diese Worthülse nicht nur allgemeiner, erlaubter und gewünschter Sprachgebrauch, sondern die Politik der erneuerbaren Energien ist ganz unverdächtig grünes politisches Programm. Ein bisschen "Yes, we can" schwingt da mit und überhaupt "Deutschland ist erneuerbar" ist ja auch einfach nur ein lustiger Slogan. Mit irgendwelchen griffigen Floskeln solcher Art werden viele Parteitage beendet. Also was soll's, mag sich auch das konservative Lager gedacht haben, welches die Grünen auf ihrem Parteitag wiedermal recht ultimativ, wenn auch bunt verpackt, attackiert hatten.

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