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Bettina Röhl direkt

Experimente der Bildungsideologen schaden den Kindern

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Zensurenterror darf es nicht geben

Millionen von Homekickern haben die Fußballweltmeisterschaft verfolgt und vor ihren Fernsehgeräten manches Mal den Schuss los gelassen, der den Ball in das vom Lieblingsspieler  verfehlte Tor doch noch getragen hätte. Nur wenn diese Homekicker im Länderspiel auf dem Rasen gestanden hätten, hätten sie eine jämmerliche Figur gemacht, weil sie ihre Leistung in der konkreten Situation, wie es im Fussball neudeutsch heißt, nicht hätten abgerufen haben können. Will sagen: Leistungen, die jemand tatsächlich oder eingebildet im stillen Kämmerlein bringt, taugen nicht viel.

Nur die reproduzierbare und jederzeit kontrollierbare und abgelieferte Leistung zählt. Das wissen die jungen Fußballprofis ganz selbstverständlich, das weiß aber auch jeder Feuerwehrmann, jeder Chirurg, jeder Stuntman und auch jeder Autofahrer in brenzligen Situationen. Auf souverän beherrschte Leistung kommt es im Leben an. Das ist zugleich auch der Spaßfaktor. Und in Wahrheit spüren schon sehr kleine Kinder auf ihre kindliche Art Freude an ihrer eigenen Leistung. Was soll also das Dummgebräse der Spät-68er und der "Anti-Autoritären"? Was soll der Quatsch, dass kontrollierte Leistung, die in Wahrheit der Motivationsfaktor Nr.1 ist, motivationshemmend wirkte und abgeschafft gehörte?

Wollen Sie von einem Chirurgen operiert werden, der seine Examina nicht hat oder nicht bestanden hat oder mit dem nur ein lustiges soziales Gespräch zwecks Aushändigung der Approbation geführt wurde? Wollen Sie einen Anwalt , dem die beiden Staatsexamina fehlen, die Zulassungsvoraussetzung sind?

Schulkinder mit Deppen zu verwechseln und statt mit Leistungsanregungen mit Glasperlenspielen zu beschäftigen ist eine besondere Form von hoheitlichem Deppentum, das auch noch als besondere Fürsorge verkauft wird. Für wen eigentlich? Für irgendwelche anonymen und fiktiven Leistungsschwachen, die durch die Köpfe der Bildungsreformer geistern? Ja, es stimmt, Schüler sind schon in frühem Alter in starkem Maße unterschiedlich befähigt, unterschiedlich begabt, aber auch bereits unterschiedlich informiert. Und es gibt schon sehr früh konkrete Lernergebnisse im Leben, die ein sehr unterschiedliches Niveau aufweisen. Was soll also die Nivellierung ins Bodenlose nach unten?

Es gibt Sechsjährige, die ohne jeden Drill, aber mit Übung hervorragend schwimmen, hervorragend Fahrradfahren, hervorragend Klavierspielen oder hervorragend rechnen können. Wo sitzt eigentlich das Problem der Bildungsreformer? Unter was leiden sie, dass sie diese jeweilige Leistungen nicht auch anerkennen und zum Beispiel auch gegebenenfalls mit einer glatten 1 bewerten können. Leiden die Bildungsreformer unter eigenen Bildungskomplexen? Was ist da in Wahrheit los?

Zensurenterror, den darf es nicht geben, aber den gibt es auch bereits seit langem nicht mehr. Und die Abschaffung von Zensuren, die Abschaffung von Sitzenbleiben und Schulempfehlungen, die Abschaffung von leistungsbezogenen Schulformen sind die inverse Form von Leistungsterror. Die Reform - und Revolutionswut der Bildungspolitiker hat regelrecht neurotische Formen angenommen. Kein Tag ohne neuen Unsinn. Und der Unsinn wird immer härter und immer kinderfeindlicher und immer menschenverachtender.

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