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Bildung Trotz Fleiß kein Preis

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Flucht statt Frust

Auch bei der Betreuung des Doppeljahrgangs in den Schulen nehmen die Bundesländer bewusst Abstriche in Kauf, um den erhöhten Prüfungsanforderungen gerecht zu werden. Beispiel Niedersachsen: Um das doppelte Abitur durchzuführen, werden für ein Jahr die Unterrichtsinspektionen ausgesetzt, zudem werden die Prüfungsausschüsse für die einzelnen Fächer von drei auf zwei Mitglieder verringert.

Kein Wunder, dass die Abiturienten bei diesen Aussichten lieber die Flucht ergreifen. Schülersprecher Fillies plant nach dem Abitur ein freiwilliges Jahr, andere wollen ins Ausland. „Die Quote der Absolventen, die erst mal eine Auszeit nehmen, ist in diesem Jahr so hoch wie nie zuvor“, sagt Bernd Oplanski, der in den saarländischen Arbeitsagenturen die Berufsberatung koordiniert. Dort hat der Doppeljahrgang in diesem Sommer die Schulen verlassen – ohne dass die umliegenden Universitäten erhöhte Bewerberzahlen feststellten. Viele der Schüler fühlen sich nach acht Jahren Gymnasium so erschöpft wie andere nach 30 Jahren Arbeit, manche sehen sich noch gar nicht in der Lage, ein Studium zu beginnen. „Das ist doch was für Erwachsene“, zitiert Oplanski aus einem Beratungsgespräch und resümiert: „Die Schüler haben zwar das Wissen der vorherigen Jahrgänge, für die Persönlichkeitsentwicklung ist jedoch keine Zeit geblieben.“

Zumindest in der Statistik könnte das Fiasko des Doppeljahrgangs durch das Abwarten und Abwandern der Absolventen also noch abgewendet werden. Bildungspolitiker sollten das aber nicht mit einem Erfolg der Umstellung verwechseln. Die Schüler passen sich nur den schlechten Umständen an – was die Umstände nicht besser macht.

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