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Bildungsmisere Deutsche Schulen sind doppelt überfordert

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"Exportweltmeister in Teamarbeit"?

Erschwerend für Deutschland kommt hinzu, dass laut IGLU fast 20 Prozent der Grundschüler nicht die Kompetenzstufe III erreicht haben. Das heißt sie können explizit angegebene Informationen nicht identifizieren. Diese Kinder werden mit erheblichen Schwierigkeiten beim Lernen in allen Fächern bereits in den ersten Schuljahren der weiterführenden Schule konfrontiert sein. In 13 Staaten, darunter Tschechien, England, Dänemark, Litauen und Italien, ist dieser Anteil signifikant niedriger als in Deutschland. Nur in Frankreich und Belgien ist er höher.

Nach seinen Erwartungen für die ökonomischen Folgen der deutschen Bildungsreformen befragt, wird Klein ironisch: „Nicht nur die Chinesen werden jetzt schon erzittern, wenn Deutschland in Zukunft zum Exportweltmeister in Teamarbeit ausgezeichnet wird, die innovativen Produkte aber dort erstellt und weltweit verkauft werden“.

Wenn die politische Redewendung zutreffend ist, dass Bildung die einzige oder zumindest wichtigste Ressource der deutschen Volkswirtschaft ist, dann sind deren mittel- bis langfristige Aussichten längst nicht so rosig, wie die aktuelle Konjunkturlage.

Klein erklärt die internationalen Unterschiede dadurch, dass die besser platzierten Staaten im Gegensatz zu Deutschland deutlich weniger mit Migration konfrontiert seien. Auch Petra Stanat, Mitautorin des „Bildungstrends“ erklärt die unbefriedigenden Ergebnisse vor allem durch die stark gestiegene „Heterogenität“, also den hohen Anteil von Migrantenkindern und die „Inklusion“ von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf.

Dabei sind die Schulerfolge oder -misserfolge der Kinder der jüngsten Einwanderungswelle von 2015/16 zum größten Teil noch gar nicht im Bildungstrend und IGLU erfasst. Diese Offenbarung steht dem deutschen Bildungswesen noch bevor.

Kleins Fazit: „Die mehr als fragwürdigen Sprüche einiger ‚Reformer‘, die zunehmende Heterogenität der Schülerschaft sei eine Chance für alle, da alle voneinander lernen könnten oder die vom gleichen Klientel häufig zu hörende Äußerung, je größer die Heterogenität, desto höher der Lernerfolg, wirkt auf viele Praktiker vor Ort als blanker Hohn.“

Vermutlich ist selbst ein einstmals führendes und weltweit vorbildliches Bildungssystem wie das deutsche grundsätzlich überfordert, wenn es gleichzeitig von pädagogischen Heilslehren wie der Kompetenzorientierung und von einer immer „bunteren“ Schülerschaft in Anspruch genommen wird. Diese Einschätzung spricht zumindest aus dem Schlusssatz des Brandbriefes des Saarbrücker Lehrer: "Niemand ist verpflichtet, etwas objektiv Unmögliches zu leisten!"

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