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Bildungspolitik Auf den Spuren von Bologna

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13 Jahre nach der Reform endlich ein wenig Kritik

Ein Denkmal für Alexander von Humboldt vor dem Eingang der nach ihm benannten Universität in Berlin. Quelle: dpa/dpaweb

Viel zu tun also. „In den letzten Jahren hat es in den Hochschulen tief greifende Veränderungen gegeben“, macht Margret Wintermantel Hoffnung. „Und den Weg der Qualitätsverbesserung müssen alle Beteiligten weitergehen.“ Vergangene Woche legte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) den jüngsten Bericht zur Umsetzung der Bologna-Reform vor.

Darin fand sich vor allem viel Lob und nur ein kleiner Hinweis, dass es „im Einzelnen durchaus berechtigte Kritik“ gäbe – 13 Jahre nach Beginn der Uni-Reform.

Eine gewisse Untertreibung angesichts der noch kommenden Herausforderungen. Denn die Studenten werden dank kürzerer Schulzeit und gestrichener Wehrpflicht immer jünger, der Migrantenanteil steigt und auch die Zahl derer, die ohne Abitur an die Unis drängen. Eine „bessere Organisation des Studiums“ sei mittlerweile Fakt, ebenso wie eine „größere Transparenz“, da ist sich Margret Wintermantel sicher.

Die Hochschulen haben Vorlesungen und Seminare zu sogenannten Modulen umgebaut, für die es keine Scheine mehr gibt, sondern Credit Points, je nach zeitlichem Aufwand. 180 müssen es nach drei Jahren sein. „Die Studenten wissen heute sehr viel besser, welche Kompetenzen in den Studienprogrammen vermittelt werden – und welche Berufsfelder ihnen damit offenstehen“, sagt Wintermantel. „Das ist gut so.“

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    Die Reform ist an den Grenzen der Bürokratie gelangt

    Josephine Dietzschs Replik klingt da anders. Sie wird verunsichert, wenn sie das Versprechen der größeren Mobilität einlösen will, nach einem Semester im Ausland etwa. „Man muss sich am besten vorher von der Uni alles dreimal schwarz auf weiß geben lassen, was hinterher anerkannt wird“, klagt sie. Und selbst dann sei es „immer noch sehr abhängig von der Kulanz der Verwaltung“, Credit Points hin oder her.

    Einfach ein halbes Jahr dranhängen zu müssen, weil die im Ausland gesammelten Punkte vielleicht nicht zählen, will sie sich als Bafög-Empfängerin nicht leisten.

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    So gerät eine Reform aus dem Geiste der Verschulung an ihre bürokratischen Grenzen. Die verbleibende akademische Freiheit zwängt sich in ein Punkteraster. Laut des Bologna-Berichtes der Regierung geht rund ein Drittel der Studenten ins Ausland, jeder zweite soll es eines Tages sein. Die starre Struktur der Bachelor-Studiengänge, da sind sich Dietzsch und Wintermantel einig, ist eine der Hürden auf diesem Weg.

    Als Wilhelm von Humboldt 1810 sein Modell einer Universität in Worte fasste, da forderte er, „die Trennung der höheren Anstalt von der Schule rein und fest zu erhalten“. Für dieses Vermächtnis war auf der Tafel im Foyer bisher kein Platz.

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