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Biogas-Boom Ökoenergie wird zur Plage

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Selbst Biogaskönig Steinhoff war sich offenbar nicht zu fein, einmal einen Wildschaden von 30 000 Euro anzumelden. Über die gesamten landwirtschaftlichen Wildschäden in Deutschland kursieren in Jägerkreisen Schätzungen von inzwischen einer Milliarde Euro. Hinzu kommen immer mehr von Sauen verwüstete Gärten, für die kein Jäger (und auch kein Maisbauer oder Biogasanlagenbetreiber) aufkommen muss.

Ideale Bedingungen bietet Mais auch anderen ungeliebten Vierbeinern: Ratten. Mais enthält viel Vitamin K, das gerade die Rattenstämme dringend benötigen, die gegen übliche Gifte resistent sind, erklärt Fachmann Stefan Endepols von Bayer CropScience. Diese Nager müssten mit stärkeren Giften bekämpft werden – mit größeren Nebenwirkungen für andere Tiere wie Eulen oder Katzen.

Zynisch betrachtet eröffnet das EEG also ungeahnte Geschäftsfelder: Spezialisten wie Westfalia und Terravis bieten Betreibern von Biogasanlagen ihre Dienste gegen die nacktschwänzige Plage an. Bedarf haben auch Kommunen von Aurich bis Berlin, sie alle melden Rattenalarm.

Steuermittel zerstören Natur

Die Bundesregierung lässt sich davon nicht beirren. Dabei steht selbst der Klimaschutzaspekt bei Biogasanlagen auf wackligem Grund. So stellte der Wissenschaft-liche Beirat des Bundeslandwirtschaftsministeriums schon 2007 in einem Biomasse-Gutachten fest, dass die Herstellung von Biogas aus Mais "hohe CO2-Vermeidungskosten" aufweise.

Die Chance, bei der diesjährigen EEG-Novelle die Fehlentwicklungen zu korrigieren, hat die schwarz-gelbe Koalition vergeben. "Mit Steuermitteln und künstlich verteuerter Energie", kritisiert Biologe Pfannenstiel, "wird die Zerstörung des letzten Restes von Natur in der Agrarlandschaft anscheinend unaufhaltsam vorangetrieben." Pech für Adebar, gut für Sauen.

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