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Biontech, Moderna, Astrazeneca & Co. So unterscheiden sich die Corona-Impfstoffe

Corona-Impfstoffe im Vergleich Quelle: dpa

Sputnik V, Novavax, Sinopharm, Biontech, Moderna, Astrazeneca oder Johnson & Johnson: Wo gibt es Gemeinsamkeiten, wo Unterschiede? Die Corona-Impfstoffe im Vergleich.

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Die Impfstellen in Deutschland haben mittlerweile insgesamt mehr als 35 Millionen Impfdosen gegen das Coronavirus verabreicht – davon rund 27,3 Millionen bei Erstimpfungen und weitere gut 7,8 Millionen bei Zweitimpfungen. Damit ist jeder Dritte mit der ersten Spritze geimpft und fast jeder Zehnte bereits vollkommen geschützt.

Das Impftempo schreitet voran. In der Europäischen Union sind aktuell vier Impfstoffe gegen das Coronavirus zugelassen. Als erster Impfstoff hat das Präparat der deutsch-amerikanischen Firma Biontech/Pfizer im Dezember 2020 die Zulassung der EU-Kommission erhalten. Im Januar 2021 folgte die Genehmigung des US-Impfstoffs von Moderna sowie der des schwedisch-britischen Herstellers Astrazeneca und zuletzt im März der Impfstoff des US-Konzerns Johnson & Johnson.

Damit stehen vier Impfstoffe in Deutschland zur Verfügung. Doch wie unterscheiden sich die Wirkstoffe, was sind die Nebenwirkungen und wie liegt der Preis? Ein Überblick.



Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson: Vaccine Janssen

Der Neue unter den Impfstoffen. Nach den ersten Lieferungen des Präparats vom US-Konzern Johnson & Johnson in Deutschland erwartet Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zehn Millionen Impfdosen davon bis Ende Juli.

Art:
Der Pharmakonzern Johnson & Johnson stellt einen Vektorimpfstoff her. Das bedeutet: Nach Injektion des Impfstoffs wird das Immunsystem dazu angeregt, Antikörper gegen das sogenannte S-Protein zu bilden.

Vorteile:

  • Die Priorisierung wurde bereits aufgehoben. Damit kann jeder sich schon jetzt impfen lassen.
  • Im Gegensatz zu allen anderen bisher zugelassen Vakzinen wird keine zweite Dosis für eine volle Schutzwirkung benötigt. 14 Tage vergehen bis zur vollen Wirksamkeit.
  • Die Lagerung bei einer normalen Kühlschranktemperatur ist drei Monate möglich.
  • Mit 8,50 Dollar (rund 7 Euro) ist der Impfstoff deutlich günstiger als das Mittel von Biontech und Moderna.
  • Laut RKI haben die Mutationen der Alpha- und Delta-Variante nur geringe Auswirkungen auf die Effektivität. Für die Gamma-Variante P.1 gibt es auch erfreulichere Daten: Hier wirkt AstraZeneca besser als zunächst vermutet. Das zeigt eine aktuelle Studie der Universität Oxford.

Nachteile:

  • Der Impfstoff wird in Deutschland künftig in der Regel erst bei Menschen ab der Altersgruppe von 60 Jahren eingesetzt. Grund dafür sind sehr seltene, aber ernsthafte Hirnvenenthrombosen, die vor allem bei jungen Frauen auftraten. Jüngere sollen das Vakzin aber nach Aufklärung durch einen Arzt weiter nutzen dürfen.
  • Oft sind die weiteren Impfreaktionen Schmerzen an der Einstichstelle, Kopf- und Gelenkschmerzen sowie Müdigkeit und Schüttelfrost. Und: In mindestens einem Fall wurde ein anaphylaktischer Schock, eine schwere allergische Reaktion, gemeldet.
  • Der Impfstoff von Johnson und Johnson hat eine geringere Wirksamkeit als der von Biontech und Moderna. Die Schutzwirkung 14 Tage nach der Einmalimpfung liegt bei 65 Prozent. Der Stoff schützt zu 75 Prozent gegen schwere Verläufe.
  • Bei der Vektorherstellung werden mehr Prozessschritte zur Sicherheitsüberprüfung und zum Heranziehen von Zellen benötigt. Deshalb kann der Stoff bei künftig auftretenden Mutationen nur langsam angepasst werden.
  • Die Wirksamkeit gegen die Beta-Variante ist nur gering.

Corona-Impfstoff von Astrazeneca: Vaxzevria



Die EU-Kommission hat ihre Bestellung von Corona-Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca für den Zeitraum nach Juni nicht verlängert. Vor zwei Wochen hatte die Europäische Union ein rechtliches Verfahren gegen Astrazeneca wegen Nichteinhaltung der Bedingungen seines Vertrags mit der EU eingeleitet. Die EU hat Astrazeneca vorgeworfen, weniger Impfstoff zu liefern als zugesagt. Astrazeneca hat in der Vergangenheit argumentiert, dass der Vertrag nur Lieferziele und keine festen Zusagen enthalte und dass das Unternehmen wegen anfänglicher Probleme bei der raschen Ausweitung der Produktionskapazität nicht in der Lage gewesen sei, diese zu erreichen.

Art:

Genau wie Johnson & Johnson ist das Vakzin von Astrazeneca auch ein Vektorimpfstoff.

Vorteile:

  • Die Priorisierung wurde bereits aufgehoben. Damit kann jeder sich schon jetzt impfen lassen.
  • Weltweit wird das Präparat gern genutzt, da die Lagerung genau wie mit Johnson & Johnson bei normalen Kühlschranktemperaturen leichter ist, als mit Produkten von Biontech/Pfizer und Moderna.
  • Der Impfstoff ist offenbar der günstigste: Ungeprüften Quellen zufolge kostet eine Dosis nur 2,50 Euro.
  • Auch dieser Impfstoff schützt gegen die Alpha- und Delta-Variante gut.

Nachteile:

  • Einige Fälle einer Sinusvenenthrombose – also einem Gerinnsel in einem blutableitenden Gefäß im Gehirn – wurden als Impfreaktion mit dem AstraZeneca-Impfstoff gemeldet. Betroffen waren dabei überwiegend Frauen in der mittleren Altersgruppe. Einige jüngere Männer bekamen nach der Impfung eine Hirnthrombose.
  • Ansonsten gibt es häufig leichte Nebenwirkungen wie Fieber, Müdigkeit oder Rötungen, die normal nach einer Impfung sind.
  • Die Wirksamkeitsquote bei dem Impfstoff von Astrazeneca liegt bei 70 bis 80 Prozent und ist damit geringer als bei Biontech und Moderna.
  • Von der zweiten Injektion besteht die Gefahr, dass sich die Immunantwort vor allem gegen das Trägervirus richtet. Dies soll laut Experten für einen massenhaften Einsatz vor allem in einer ersten Impfwelle aber kein Hindernis darstellen.
  • Zwei Impfungen sind notwendig. Die beiden Spritzen werden aktuell in einer Spanne von maximal 12 Wochen verabreicht. Das ist im Vergleich zu den anderen Impfstoffen der größte Abstand. Die Wirksamkeit 14 Tage nach der ersten Impfung liegt bei 60 Prozent und 14 Tage nach der Zweitimpfung liegt bei 80 Prozent.
  • Genau wie von Johnson & Johnson kann der Stoff bei künftig auftretenden Mutationen nur langsam angepasst werden.
  • Genau wie Johnson & Johnson schützt der Impfstoff nicht so gut gegen die Beta-Variante.

Die mRNA-Impfstoffe im Vergleich

Die Abkürzung mRNA steht für messenger- Ribonukleinsäure, oder Boten-RNA. Bei dieser Variante wird kein Virus als Transportmittel gebraucht.

Corona-Impfstoff von Biontech: Comirnaty

Die EU hat eine riesige Vertragsausweitung mit Biontech und Pfizer für bis zu 1,8 Milliarden Dosen des Impfstoffs der beiden Unternehmen beschlossen. Der Vertrag soll für Lieferungen bis 2023 gelten. Das ausgeweitete Abkommen veranschaulicht, dass die EU Vertrauen in die Technologie des Impfstoffs von Biontech hat.

Art:

Der Pharmakonzern Biontech stellt einen mRNA-Impfstoff her. Die Technologie setzt auf den Bestandteil mRNA, der menschlichen Zellen mitteilt, wie sie einen harmlosen Teil des Coronavirus, das Spike-Protein, herstellen können. Das Immunsystem erkennt das Spike-Protein als Fremdkörper, wodurch es bei einer Infektion mit dem Coronavirus dieses bekämpfen kann.

Vorteile:

  • Die Wirksamkeit 14 Tage nach der ersten Impfung liegt bei 80 Prozent, 14 Tage nach der Zweitimpfung liegt sie bei 95 Prozent gegen schwere Corona-Verläufe. Damit wurden die Erwartungen von Experten für die Schutzwirkung eines Corona-Impfstoffs weit übertroffen.
  • Bereits 16-Jährige dürfen mit dem Mittel geimpft werden, Biontech beantragt eine Zulassung für 12-Jährige
  • Es sind keine schwerwiegende Nebenwirkungen bekannt.
  • Bei den inzwischen auftretenden Corona-Mutationen hat ein mRNA-Impfstoff einen entscheidenden Vorteil: Er ist leichter herzustellen als ein Vektorimpfstoff und lässt sich deshalb auch schneller an eine Mutation anpassen. Ein Grund ist, dass bei der Vektorherstellung mehr Prozessschritte zur Sicherheitsüberprüfung und zum Heranziehen von Zellen benötigt werden.
  • mRNA-Impfstoffe schützen gut gegen die Alpha- und Delta-Virusvariante.

Nachteile:

  • In den klinischen Phase-3-Studien traten bei mehr als zwei Dritteln der Probanden Schmerzen an der Einstichstelle auf. Viele klagten außerdem über Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schüttelfrost und Muskelschmerzen. Elf Prozent der älteren und 16 Prozent der jüngeren Teilnehmer entwickelten Fieber.
  • In Großbritannien und im US-Bundesstaat Alaska gab es zu Beginn drei Fälle, bei denen Geimpfte eine schwere allergische Reaktion zeigten, einem sogenannten anaphylaktischen Schock. Die britische Arzneimittelbehörde MHRA warnte daraufhin Menschen mit einer anaphylaktischen Vorgeschichte vor der Impfung.
  • Ist der Impfstoff einmal aufgetaut, hält er sich nur fünf Tage bei einer normalen Kühlschranktemperatur. Für eine längere Aufbewahrung ist eine Temperatur von minus 70 Grad erforderlich. Zum gab es in einigen Landkreisen bereits Probleme bei der Kühlung, die zu Verzögerungen geführt haben.
  • Die EU zahlt laut einer Preisliste, die die belgische Ministerin Eva de Bleeker publizierte, zwölf Euro je Dosis.
  • Zwei Spritzen mit einer Zeitspanne von maximal 6 Wochen sind notwendig.
  • Die Beta- und Gamma-Variante tragen noch weitere Mutationen in sich, die vermutlich die Wirksamkeit der Impfstoffe deutlicher reduzieren.

Corona-Impfstoff von Moderna: Vaccine Moderna

Die hohe Nachfrage nach dem Corona-Vakzin hat dem US-Impfstoffhersteller Moderna erstmals zu schwarzen Zahlen verholfen. Im ersten Quartal verdiente das Unternehmen unterm Strich 1,2 Milliarden Dollar (1 Milliarden Euro), wie es am Donnerstag mitteilte. Vor einem Jahr hatten hohe Forschungs- und Entwicklungskosten noch für einen Verlust von 124 Millionen Dollar gesorgt. Der Umsatz schoss von acht Millionen auf 1,9 Milliarden Dollar in die Höhe. Davon entfielen 1,7 Milliarden Dollar auf Einnahmen durch Corona-Impfstoff.

Art:

Genau wie beim Impfstoff von Biontech nutzt auch Moderna einen mRNA-Impfstoff, bei dem eine codierte Bauanleitung geimpft wird. Die Zellen im Körper übernehmen die Produktion des Antigens, wodurch ein Schutz gegen das Virus aufgebaut werden kann.

Vorteile:

  • Die Wirksamkeit 14 Tage nach der ersten Impfung liegt bei 80 Prozent, 14 Tage nach der Zweitimpfung bei 95 Prozent. Der Stoff schützt zu 91 Prozent gegen schwere Verläufe.
  • Die einfache Handhabung ist ein weiterer Vorteil. Bei einer normalen Kühlschranktemperatur hält sich der Impfstoff laut Hersteller für 30 Tage. Dies macht den Moderna Wirkstoff besonders attraktiv für Impfungen beim Hausarzt.
  • Der Stoff wird an alle Personen in der Altersgruppe über 18 Jahre verimpft.
  • Es sind keine schwerwiegende Nebenwirkungen bekannt.
  • Genau wie von dem Pharmakonzern Biontech ist der Impfstoff leichter herzustellen als ein Vektorimpfstoff und lässt sich deshalb auch schneller an eine Mutation anpassen.
  • Auch gegen die Alpha- und Delta-Virusvariante schützt der Impfstoff gut.

Nachteile:

  • Auch der Impfstoff von Moderna benötigt für den Transport eine konstante Kühlung. Zwar beträgt diese nur minus 20 Grad, ist aber ebenfalls eine Herausforderung für Logistikanbieter, die eine durchgängige Kühlkette sicherstellen müssen.
  • In den ersten Tagen nach der Impfung können Schmerzen, Rötungen oder Schwellungen an der Einstichstelle oder Schwellungen der Lymphknoten auftreten. Häufig klagten Geimpfte zudem über Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Muskel- oder Gelenkschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen. Bei 0,01 Prozent der geimpften Personen trat eine Lähmung des Gesichtsnervs auf. 0,4 Prozent zeigten allergische Reaktionen. Es ist aber noch unklar, ob diese im Zusammenhang mit der Impfung stehen.
  • Eine Dosis kostet 14,70 Euro. Damit ist Moderna am teuersten.
  • Auch hier ist eine zweite Spritze nach maximal sechs Wochen erforderlich.
  • Wie bei Biontech wirkt der Impfstoff nicht so gut gegen die Beta- und Gamma-Variante.

Die neuen Corona-Impfstoffe

  • Corona-Impfstoff von Novavax: NVX-CoV2373

    Doch auch andere Corona-Impfstoffe stehen in den Startlöchern. So wie der von Novavax: Das US-Biotechunternehmen Novavax plant nach weiteren positiven Studienergebnissen mit seinem Corona-Impfstoff nun einen Zulassungsantrag zu stellen, unter anderem in der EU. Seit Februar läuft ein beschleunigtes Prüfverfahren. Bis zum Zulassungsantrag will Novavax 100 Millionen Dosen pro Monat herstellen. Der Impfstoffhersteller hatte bereits zu Jahresbeginn erste Daten aus seiner Studie in Großbritannien vorgelegt, musste aber mehrmals seine Produktionsziele verschieben und kämpfte mit Engpässen bei Materialien und Zubehör zur Herstellung.

    Art:
    Das macht den Impfstoff aus: Der Impfstoff-Kandidat ist im Gegensatz zu den bisher zugelassenen Impfstoffen weder ein Vektor- noch ein mRNA-Impfstoff – er ist ein proteinbasierter Impfstoff. Das Vakzin enthält winzige Partikel, die aus einer im Labor hergestellten Version des Spike-Proteins von Sars-CoV-2 bestehen. Das Immunsystem zeigt dann eine Reaktion gegen den Impfstoff und ist somit vorbereitet, falls es tatsächlich mit dem Virus konfrontiert wird. Das ist das gleiche Prinzip wie bei dem Grippe-Impfstoff. Novavax muss zwei Mal gespritzt werden.

    Vorteile:

  • Der Corona-Impfstoff des US-Herstellers Novavax bietet nach Unternehmensangaben einen hohen Schutz. In einer Phase-3-Studie mit rund 30.000 Teilnehmern in den USA und Mexiko zeigte das Vakzin eine Wirksamkeit von knapp 90 Prozent gegen die vorherrschenden Virusvarianten. Und: Der Impfstoff zeigte eine Wirksamkeit von 100 Prozent bei der Vorbeugung mittelschwerer und schwerer Corona-Fälle.
  • Generell ist die Impfung in der Studie gut vertragen worden. Teilnehmer berichteten über übliche Nebenwirkungen, die auch bei den bereits zugelassenen Impfstoffen auftreten, wie zeitweilige Schmerzen an der Einstichstelle sowie Müdigkeit, Kopf- und Muskelschmerzen.
  • Der Impfstoff spielt eine wichtige Rolle für Impfkampagnen in Entwicklungsländern. Denn: Er ist leicht zu transportieren und lagern. Das Vakzin lässt sich bei 2 Grad Celsius bis 8 Grad Celsius stabil lagern und wird in Form einer gebrauchsfertigen Flüssigformulierung ausgeliefert.
  • Das Vakzin soll sehr gut vor der Alpha-Variante schützen.

    Nachteile:

  • Der Impfstoff wirkt nicht so gut gegen die südafrikanische Variante.

    Corona-Impfstoff von Biocad: Sputnik V

    Das Vakzin Sputnik V wurde in Russland bereits im August 2020 zugelassen, noch bevor wichtige Studien, etwa zu Wirksamkeit und Nebenwirkungen, abgeschlossen waren. Diese vorzeitige Freigabe kritisierten viele Forscher. Die EU-Arzneimittelbehörde EMA prüft derzeit den russischen Impfstoff, hat bisher aber noch keine Zulassung für das Vakzin erteilt. Anfang April wurden Experten von der EMA nach Russland entsendet, die derzeit die Ergebnisse klinischer Studien und die Produktionsbedingungen vor Ort inspizieren.

    Aber es gibt auch Länder, die Sputnik V trotz fehlender Zulassung durch die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA einsetzen: Als zweites EU-Land nach Ungarn hat die Slowakei mit der Verabreichung des russischen Corona-Impfstoffs Sputnik V begonnen. Der Impfstoff soll zunächst nur für Menschen im Alter zwischen 18 und 60 Jahren verwendet werden. Das Angebot ist freiwillig.

    Art:

    Genau wie Astrazeneca sowie Johnson & Johnson ist der Impfstoff ein Vektorimpfstoff. Es arbeitet mit zwei verschiedenen Viren. Die harmlosen Erkältungsviren wurden gentechnisch so verändert, dass sie nun die Erbinformation für das Spikeprotein von Sars-CoV-2 tragen, sozusagen den Schlüssel, mit dem Corona in menschliche Zellen eindringt. So soll Sputnik V die Bildung von Antikörpern anregen, die die Spikeproteine eintreffender Coronaviren verkleben und so dem Erreger der Covid-19 den Zugang zum menschlichen Körper versperren.

    Vorteile:

  • Sputnik V weist laut einer Studie der britischen Fachzeitschrift „The Lancet“ eine sehr hohe Wirksamkeit auf. In der veröffentlichten Untersuchung schützte das Vakzin in der dritten und letzten Phase der klinischen Studien 91,6 Prozent der Probanden vor einer symptomatischen Corona Erkrankung.
  • Der russische Impfstoff ist günstiger und besser zu transportieren als die von Biontech und Moderna. Sputnik V kann bei zwei bis acht Grad gelagert und transportiert werden; das erleichtert die Verteilung enorm. So wäre Sputnik V wohl auch bei Hausärzten gut einzusetzen.
  • Es sind keine schweren Nebenwirkungen bekannt. In der Lancet-Studien heißt es, dass die meisten Probanden von grippeähnlichen Symptomen sprachen. Außerdem berichteten viele von Schmerzen am Arm und einer vorübergehenden Schwäche und Erschöpfung. Der Impfstoff ist laut der Studie in allen Altersgruppen gut verträglich.
  • Gegen die Alpha-Variante schützt der Impfstoff gut.

    Nachteile:

  • Bisher fehlt es noch an Transparenz. So ist unklar, wie viele Probanden wirklich an der Studie teilgenommen haben. Daten verschiedener Probanden zeigen wiederholt gleiche Werte, entgegen statistischer Wahrscheinlichkeiten. Daten anderer Probanden werden aus der Studie ausgeklammert, den Forschern zufolge ohne ausreichende Begründung. Und für mehr Unruhe sorgen nun auch slowakische Wissenschaftler, die bei der Auslieferung einer Impfstoff-Charge an ihr Land festgestellt haben, dass der ausgelieferte Impfstoff offenbar nicht demjenigen entspricht, der in The Lancet beschrieben wurde.
  • Gegen die Beta-Mutante B.1.351 hingegen schützte das Serum hingegen in 8 von 12 Proben (67 Prozent) die Testzellen nicht wirksam vor einer Infektion. Auch die E484K-Mutante des Spike-Proteins, die in verschiedenen Viruslinien auftritt, konnte demnach nicht effektiv neutralisiert werden.

    Der Corona-Impfstoff von Sinopharm: Vero

    Am 31. Dezember 2020 hat der staatliche chinesische Biotechkonzern Sinopharm die Zulassung für seinen Impfstoff mit dem Namen „Vero“ erhalten. Sinopharm hat ihn gemeinsam mit dem Wuhan Institut für Virologie sowie dem Institut für Biologische Produkte entwickelt. Nach Angaben der WHO erfüllt der Impfstoff mit ihren Covid-19-Vakzinen die Anforderungen der Weltgesundheitsorganisation. Sie hat am 7. Mai eine Notfallzulassung erteilt. Mit Sinopharm erhält die erste chinesische Pharmafirma eine Zulassung der WHO für einen Corona-Impfstoff.

    Art:

    Bei Vero setzt Sinopharm auf ein altbewährtes Impfprinzip: Sars-Coronaviren-2 werden in Zellkulturen vermehrt, danach gereinigt und dann chemisch kastriert, so dass sie nicht mehr vermehrungsfähig sind. Dann werden sie in zwei Dosen zusammen mit einem Impfstoffverstärker gespritzt.

    Vorteile:

  • Im Vergleich zu den mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer oder Moderna setzt die Immunreaktion hier schneller ein.

    Nachteile:

  • Es besteht die Gefahr, dass nur wenige Antikörper gegen sensible Stelle des Virus gebildet werden. Daher ist die Wirksamkeit bei solchen Impfstoffen oft auch niedriger. Der Impfstoff soll nach Unternehmensangaben eine Wirksamkeit von 79 Prozent aufweisen. Das gab das Unternehmen kurz vor der Zulassung in einer Zwischenauswertung der Phase-III-Studien bekannt. Die Daten wurden bisher aber nicht veröffentlicht.
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