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Blockupy-Bewegung Tausende demonstrieren in Frankfurt gegen Sparpolitik

Tausende Anhänger der Blockupy-Bewegung haben auch am Samstag in Frankfurt gegen Auswüchse des Kapitalismus demonstriert. Rund 7000 Menschen zogen zum Sitz der Europäischen Zentralbank (EZB) in der Innenstadt.

Occupy-Proteste rund um den Globus
Halloween ist auch bei den Demonstranten auf der Wall Street angekommen. Schon am 30. Oktober 2011, einen Tag vorm amerikanischen Gruselfest, protestieren die Gegner des Weltwirtschaftssystems in Halloween-Kluft im Zucotti-Park. Seit dem 17. September kampieren Mitglieder der Bewegung "Occupy Wall Street" ("Besetzt die Wall Street") in der Grünanlage im New Yorker Bankenviertel. Trotz für den New Yorker Oktober ungewöhnlich starker Kälte, harren die Besetzer in ihren Zelten mit gespendeten Decken und Kleidern aus. Quelle: dapd
FrankfurtAm 12. Oktober 2011 gab es bereits "Occupy"-Gemeinschaften in 1.399 Städten, auch außerhalb der Vereinigten Staaten. All diese Gruppen veranstalteten am 15. Oktober einen internationalen Protest-Tag, an dem etwa auch Aktivisten in Frankfurt auf die Straße gingen. Ein "Occupy"-Markenzeichen ist die Guy-Fawkes-Maske. Sie erinnert an Guy Fawkes, einem britischen Offizier, der 1605 versucht hat, das englische Parlament in die Luft zu jagen. Der Putschversuch flog jedoch auf und seit dem gilt der Attentäter in Großbritannien als Inbegriff des Widerstandes gegen die Staatsgewalt. Die Guy-Fawkes-Maske stammt aus dem Comic "V wie Vendetta", der 2006 verfilmt wurde. Die dortige Hauptfigur "V" tritt in die Fußstapfen von Guy Fawkes und trägt die Maske, die von der "Occupy"-Bewegung aufgegriffen wurde. In Comic und Film, die in einem futuristischem, autoritär beherrschtem England spielen, schafft "V" es Guy Fawkes’‚ Plan umzusetzen. Im Vergleich dazu, zeigt sich die "Occupy"-Bewegung deutlich harmloser. Quelle: dpa
BerlinDie Bewegung hat keine gemeinsamen konkreten Forderungen, sondern kritisiert das Wirtschaftssystem an sich, wie dieses Plakat einer "Occupy"-Demonstration in Berlin am 29. Oktober zeigt. Quelle: dapd
LondonHier steht ein Protestler in der Londoner St. Paul’s Cathedral. Seit dem 15. Oktober bestzen "Occupy"-Aktivsuiten den Platz vor der Kirche. Die Kathedrale und die Verwaltungsbehörde der City of London hatten Rechtsmittel gegen die Besetzung angekündigt. Der Hohe Gerichtshof soll nun über eine Zwangsräumung entscheiden. Der Bischof von London, Richard Chartres, sagte am 30. Oktober bei einem Treffen mit Demonstranten, er habe mit der Polizei gesprochen, eine gewaltsame Räumung des Camps sei unnötig. Quelle: dpa
OaklandProminente unterstützen die Demonstrationen. Am 28. Oktober beschwörte etwa der kritische Dokumentarfilmer Michael Moore, Hunderte von "Occupy"-Aktivisten durchzuhalten. Vier Tage zuvor hatte ein Demonstrant in der der kalifornischen Stadt ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten, als die Polizei einen öffentlichen Platz geräumt hatte. Quelle: dapd
AthenViele Griechen, die schon lange gegen die Sparmaßnahmen ihres Landes protestieren, empfinden die "Occupy Wall Street"-Bewegung als Solidaritätsbekenntnis. Diese Demonstrantin fordert am 17. September, dem Tag als in New York alles begann, vor dem griechischen Parlament: "Erst übernehmen wir die Banken, dann übernehmen wir Berlin." Quelle: rtr
Toronto"Occupy Toronto"-Demonstranten veranstalteten am 27. Oktober in der ostkanadischen Metropole einen Sitzstreik in einer Filiale der Toronto-Dominion Bank. Quelle: rtr

Die Polizei brachte den Marsch gegen Mittag zum Stillstand. Nach ihren Angaben haben sich 200 bis 400 Demonstranten vermummt und sind möglicherweise gewaltbereit. Einem Reuters-Reporter zufolge setzte die Polizei Pfefferspray ein. Dabei gab es Verletzte, die sich in ärztliche Behandlung begeben haben. Blockupy zufolge setzte die Polizei auch Schlagstöcke ein. Vereinzelt sei von Demonstranten Pyrotechnik abgefeuert worden, sagte ein Polizei-Sprecher.
Mit Schildern wie "Make Love not Money" oder "Troika, IWF - raus aus Griechenland" protestierten die Blockupy-Aktivisten unter anderem gegen die Sparpolitik der europäischen Regierungen, gegen Lebensmittel-Spekulationen der Banken und gegen Mieterhöhungen. "Das ist eine gute Gelegenheit", sagte die arbeitslose Griechin Antonia Proka, die derzeit in den Niederlanden lebt. Jugendarbeitslosigkeit sei im Moment ein wichtiges Thema.

So wehrt sich Frankfurt gegen die Banken-Hasser
Die Bankenmetropole Frankfurt hat einen ersten Vorgeschmack auf die Protesttage von Kapitalismuskritikern bekommen: Die Occupy-Bewegung macht mobil, die Polizei räumt ihr Lager trotzdem. Quelle: dapd
Mit einem Großaufgebot hat die Frankfurter Polizei zum Auftakt von Aktionstagen gegen Banken und Kapitalismus ein Protest-Camp im Finanzviertel geräumt. Rund 150 Aktivisten wurden am Mittwochvormittag von der Polizei aus ihrem Camp vor der Europäischen Zentralbank (EZB) getragen. Quelle: dapd
Es kam zu vereinzelten Rangeleien und Festnahmen, als die Protestler die Ordnungshüter mit Farbe bespritzten. Die Vertreter der Occupy-Bewegung hatten seit etwa sieben Monaten in dem Zeltlager demonstriert. Quelle: dapd
Der Hessische Verwaltungsgerichtshof (VGH) hatte am Morgen die Räumung des Zeltlagers im Vorfeld der bis zum Wochenende geplanten Proteste aus Sicherheitsgründen für rechtens erklärt. Quelle: dapd
Die Veranstalter erwarteten über das lange Himmelfahrtswochenende bis zu 30 000 Demonstranten in der Main-Metropole, am Samstag ist eine große Demonstration geplant. Die Polizei rechnet auch mit rund 2000 gewaltbereiten Aktivisten. Quelle: Reuters
Zum „Blockupy“-Bündnis gehören Organisationen aus dem linken politischen Spektrum, darunter die Linkspartei und das globalisierungskritische Netzwerk Attac. Occupy ist eine weltweite Bewegung, die zentrale Plätze besetzt und damit Kritik am Kapitalismus übt. Quelle: dapd
Viele besorgte Bürger hätten sich direkt an sie gewandt. Roth appellierte, Frankfurt müsse eine weltoffene und liberale Stadt bleiben, in der Gewalt nichts zu suchen habe. Quelle: dapd

Bereits am Freitag hatten Tausende Blockupy-Anhänger Teile der Frankfurter Innenstadt lahmgelegt. Kapitalismuskritiker hatten bei strömendem Regen die Zugänge zur EZB blockiert. Hunderte Beamte mit Schutzschilden und Helmen hatten das Gebäude abgeriegelt. "Mit der Blockade machen wir den europaweiten Widerstand gegen die verheerende Verarmungspolitik sichtbar", hatte ein Blockupy-Sprecher gesagt.
Einige Aktivisten campieren schon seit Tagen am Stadtrand. Im vergangenen Jahr waren bei besserem Wetter bis zu 5000 Blockupy-Anhänger für ähnliche Blockadeaktionen nach Frankfurt gekommen, woraufhin die Polizei die Innenstadt komplett abgeriegelt hatte. In diesem Jahr wurden nur einzelne Gebäude abgesperrt.

Die mehrtägigen Proteste in Frankfurt richten sich den Organisatoren zufolge gegen das „Spardiktat der EU“, gegen Sozialabbau, Spekulationen mit Nahrungsmittel, Ausbeutung in Textilfabriken und die Abschiebepraxis am Flughafen. Die Organisatoren sahen den Aktionstag als Erfolg: „Wir haben beweisen: Wir können den Alltag dieses kapitalistischen Systems stören“, sagte eine Sprecherin am Nachmittag.

Aufgerufen zu den Blockupy-Tagen haben unter anderem das Bündnis Interventionistische Linke, Attac, gewerkschaftliche Jugendorganisationen, die Linkspartei, das kommunistische „Ums Ganze“-Bündnis sowie Aktivisten von „Occupy“, die im Herbst 2011 vor der EZB ihre Zelte aufgeschlagen hatten.

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