Blockupy Frankfurts Banker gehen vor Protestlern in Deckung

Wieder startet die Blockupy-Organisation ihre Anti-Banken-Proteste in der Mainmetropole. Die Flucht- und Schutzstrategien der Finanzbranche fallen trotzig bis skurril aus.

So wehrt sich Frankfurt gegen die Banken-Hasser
Die Bankenmetropole Frankfurt hat einen ersten Vorgeschmack auf die Protesttage von Kapitalismuskritikern bekommen: Die Occupy-Bewegung macht mobil, die Polizei räumt ihr Lager trotzdem. Quelle: dapd
Mit einem Großaufgebot hat die Frankfurter Polizei zum Auftakt von Aktionstagen gegen Banken und Kapitalismus ein Protest-Camp im Finanzviertel geräumt. Rund 150 Aktivisten wurden am Mittwochvormittag von der Polizei aus ihrem Camp vor der Europäischen Zentralbank (EZB) getragen. Quelle: dapd
Es kam zu vereinzelten Rangeleien und Festnahmen, als die Protestler die Ordnungshüter mit Farbe bespritzten. Die Vertreter der Occupy-Bewegung hatten seit etwa sieben Monaten in dem Zeltlager demonstriert. Quelle: dapd
Der Hessische Verwaltungsgerichtshof (VGH) hatte am Morgen die Räumung des Zeltlagers im Vorfeld der bis zum Wochenende geplanten Proteste aus Sicherheitsgründen für rechtens erklärt. Quelle: dapd
Die Veranstalter erwarteten über das lange Himmelfahrtswochenende bis zu 30 000 Demonstranten in der Main-Metropole, am Samstag ist eine große Demonstration geplant. Die Polizei rechnet auch mit rund 2000 gewaltbereiten Aktivisten. Quelle: Reuters
Zum „Blockupy“-Bündnis gehören Organisationen aus dem linken politischen Spektrum, darunter die Linkspartei und das globalisierungskritische Netzwerk Attac. Occupy ist eine weltweite Bewegung, die zentrale Plätze besetzt und damit Kritik am Kapitalismus übt. Quelle: dapd
Viele besorgte Bürger hätten sich direkt an sie gewandt. Roth appellierte, Frankfurt müsse eine weltoffene und liberale Stadt bleiben, in der Gewalt nichts zu suchen habe. Quelle: dapd
Eine gute Show gehört eben mit zum Demonstranten-Geschäft Quelle: Reuters
Ein Teil der Campbewohner hatte sich der Räumung widersetzt und die anrückende Polizei mit Farbe attackiert. Quelle: dpa

Waschechte Frankfurter aber auch die zahlreichen Einpendler verniedlichen ihren Wohn- und Arbeitsort gern als „Dorf mit Skyline“ oder „Finanzkaff“. Doch in diesen Tagen bereitet sich die angeblich so beschauliche Minimetropole der Banker und Börsianer auf einen Ausnahmezustand vor. Denn seit Mittwoch marschieren Antikapitalisten und Bankengegner aus ganz Deutschland in Sichtweite der Wolkenkratzer auf. Als Basislager dient das Gelände zwischen Messe und Bahnhofsviertel. Bei den sonst so nervenstarken Bankern kommt da ein mulmiges Gefühl auf.

Darauf angesprochen, reagieren die Finanzprofis reflexartig mit dem für die Branche typischen Galgenhumor – denn wer mit Millionen jongliert, darf auch vor ein paar Demonstranten keine Angst haben. „Wir legen den Casual Friday diese Woche streng aus“, gibt der Abteilungsleiter für Public Finance einer großen Bank augenzwinkernd zu Protokoll. Soll heißen: Wer im Büro erscheint, darf ausnahmsweise lässige und bequeme Kleidung tragen, um sich auf dem Weg zur Arbeit nicht mit berufstypischer Banker-Kluft zur Zielscheibe der Proteste zu machen.

Occupy-Camp wird geräumt

Das Frankfurter Bankenviertel ist das Herz des deutschen Finanzsektors und daher aus Sicht der Protestierenden der ideale Ort für Demonstrationen. Blockupy hat neben der EZB auch die Deutsche Bank sowie die Konsumtempel auf der Shoppingmeile Zeil als Symbole für Proteste und Blockaden auserkoren. In die Terminals des Frankfurter Flughafens wollen die Aktivisten ebenfalls einsickern, um gegen die Abschiebung von Asylsuchenden und Flüchtlingen zu protestieren.

Am Freitag wollen tausende Demonstranten die Europäische Zentralbank am Willy-Brandt-Platz blockieren und für Samstag ist eine Großdemonstration mit Protestzügen durch Frankfurt geplant. Ziel des Blockupy-Bündnisses ist es, „den üblichen Geschäftsablauf der EZB sowie anderer Akteure des Krisenregimes öffentlich sichtbar zu stören“. Banken und Banker wappnen sich derweil mit unterschiedlichen Strategien, um den Bankenarbeitstag am Freitag möglichst reibungslos zu überstehen.

  • 1
  • 2
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%