Böse Überraschungen Bundesumweltministerin Hendricks besucht die Asse

Das marode Atommülllager in Niedersachsen zeigt sich als abschreckendes Beispiel für die anstehende Suche nach einem Endlager für stark strahlenden Müll.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks besucht Atommüll-Lager Asse Quelle: dpa

In 700 Metern Tiefe fasst Matthias Ranft die Lage zusammen. Der Chef des Bohrungsbetriebs im maroden Atommülllager Asse nahe Braunschweig beschreibt, was seinen Leuten bei den bisherigen Versuchen begegnete, die Müllfässer aus den Kammern des ehemaligen Salzstocks zu finden und zu begutachten: "Das waren lauter böse Überraschungen." Der Berg hat die Kammern verschoben und verzogen, in die bis weit in die 1970er Jahre hinein verstrahlter Atommüll gebracht wurde. Wasser sickert durch Risse. Und keiner weiß genau, was überhaupt versenkt wurde. Das hört sich Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) an, die heute am Dienstag erstmals die Asse besucht. Dort im östlichen Niedersachsen liegen Fässer mit rund 47.000 Kubikmetern schwach- und mittelradioaktivem Müll. Vielleicht 126.000 Fässer.

Die Fachleute vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) wie Ranft wissen nicht genau, wo und wieviel der Abfälle unter Tage lagern. Es hat sich herausgestellt, dass vieles falsch ausgewiesen wurde, was Forschungseinrichtungen und Firmen in der Tiefe versenkten. Was strahlt also wie stark, welche Fässer sind noch ganz, welche zerquetscht oder durchgerostet? Schließlich sickern täglich rund 12.000 Liter Wasser aus dem Gestein.

Die lange Suche nach einem Atommüllendlager

Bei der Probebohrungen seit dem Sommer 2012 stellten Ranfts Leute zudem fest, dass überall Risse im Salzgestein sind, dass die Decke im untersuchten Bereich bröselt und nicht mehr hält. "In der Umgangssprache würde ich sagen, wir wissen noch nicht, wie wir den Raum betreten sollen, dessen Decke nicht hält", beschreibt der Bergbau-Experte. "Pfeiler sind in dieser Tiefe nicht stark genug."

Politiker aller Parteien haben inzwischen gemeinsam ein Gesetz gezimmert, nach dem nun versucht werden soll, die Abfälle zurückzuholen und eine Verseuchung der Umgebung zu verhindern. Was früher offenbar sehr lax gehandhabt wurde, treibt das Bundesamt für Strahlenschutz nun zu umso größerer Sorgfalt. Doch Sicherheit kostet - Geld und vor allem Zeit. Niemand weiß, wie lange die betroffenen Teile des Salzstocks noch zugänglich sind und wann vielleicht die Nachbarschaft durch verstrahltes Wasser leiden könnte.

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