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Brand von Notre-Dame Wer zahlt für den Schaden?

Das Pariser Wahrzeichen Notre-Dame ist in Teilen abgebrannt, ideeller und wirtschaftlicher Schaden sind immens Quelle: dpa

Das Pariser Wahrzeichen Notre-Dame ist in Teilen abgebrannt, ideeller und wirtschaftlicher Schaden sind immens. Nun werden Fragen laut. Wäre so etwas in Deutschland auch möglich? Wer muss zahlen?

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Am Tag nach dem verheerenden Feuer im Pariser Wahrzeichen Notre-Dame beginnt die Suche nach den Ursachen. Ein Anschlag wird inzwischen ausgeschlossen, stattdessen gehen die Behörden von einem Unfall bei Bauarbeiten aus. Das wirft Fragen auf: Kann ein einfaches Missgeschick eines Bauarbeiters zu einer solchen Katastrophe führen? Wäre das auch in Deutschland möglich? Und wer muss am Ende für den Schaden aufkommen?

Schon jetzt melden sich Spendenbereite aus der ganzen Welt, die den Wiederaufbau des Wahrzeichens ermöglichen wollen. An vorderster Front stehen zwei Großspender bereit: Die Familie des französischen Unternehmers und Milliardärs Bernard Arnault kündigte über dessen Luxusgüter-Konzern LVMH an, sich mit 200 Millionen Euro an der Rekonstruktion beteiligen zu wollen. Zuvor hatte die französische Milliardärsfamilie Pinault 100 Millionen Euro versprochen.

Frankreichs Präsident Emanuel Macron, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und etliche andere Politiker riefen die Bevölkerung dazu auf, den Wiederaufbau der Kathedrale zu unterstützen. „Es ist nicht nur ein großes Bauwerk, es ist ein großes europäisches Wahrzeichen, Wahrzeichen europäischer Kultur und ein wichtiges Dokument europäischer Geschichte“, erklärte Steinmeier.

Noch ist nicht absehbar, wie hoch der Schaden sein wird. Auch wer für ihn aufkommen muss oder ob die französische Kirche oder gar der französische Staat darauf sitzenbleiben, ist noch völlig offen. Der Rückversicherer Swiss Re geht davon aus, dass der französische Staat die Kosten wird tragen müssen. „Im Allgemeinen sind Kirchen in Frankreich Eigentum des Staates, und dieser versichert sich selbst“, erklärte der Konzern aus Zürich am Dienstag. „Dies sollte auch bei Notre-Dame der Fall sein.“ Der Wiederaufbau werde daher höchstwahrscheinlich in die Verantwortung des Staates fallen. Zudem seien Kunstwerke und Reliquien in der Regel nicht versichert, da sie oft unbezahlbar seien. Zu klären bleibe, ob ein potenzieller Verursacher des Brandes für Schäden haftbar gemacht werden könne.

Sollte der Brand wirklich bei Arbeiten am Dachstuhl verursacht worden sein, wäre damit denkbar, dass die Versicherung der Dachdeckerfirma für die Schäden aufkommen muss. Das war beim Feuer in der Düsseldorfer Kirche St. Peter der Fall, deren Dachstuhl im Jahr 2007 abbrannte, ebenfalls infolge von Bauarbeiten. „Auf dem Dach der Kirche St. Peter hatte man bei Dachsanierungsarbeiten mit einem Gasbrenner gearbeitet“, erinnert sich der Kölner Dombaumeister Peter Füssenich. „Durch eine Staubexplosion hatte sich in der Folge ein Brand unglaublich schnell im Dachstuhl ausgebreitet.“ Der Schaden an der Düsseldorfer Kirche hatte freilich ein völlig anderes Ausmaß als die Katastrophe von Paris: Er umfasste gerade einmal fünf Millionen Euro.

Wer den – unmöglichen – Versuch wagt, ein deutsches Äquivalent zu Notre-Dame zu suchen, landet da schon eher beim Kölner Dom. Ihn besuchen sechs Millionen Menschen pro Jahr, etwa halb so viele wie Notre-Dame, das als Europas größter Touristenmagnet Jahr für Jahr 13 Millionen Menschen anzieht. Dompropst Gerd Bachner: „Notre-Dame de Paris steht genauso symbolisch für Frankreich wie der Kölner Dom für Deutschland.“

Doch anders als Notre-Dame oder die Düsseldorfer Peterskirche ist der Kölner Dom offenbar kaum brandgefährdet. Davon geht zumindest Dombaumeister Füssenich aus. Der Grund: „Durch die Weitsicht der Baumeister aus dem 19. Jahrhundert hat man auf dem Dach des Domes eine Eisenkonstruktion realisiert.“ Die habe den Dom schon im Zweiten Weltkrieg vor noch verheerenderen Schäden geschützt.

Auch der Dachstuhl des Berliner Doms besteht aus einer Stahlkonstruktion. Zudem gibt es dort überall Steigleitungen für das Löschwasser, sodass Domarchitektin Sonja Tubbesing folgert: „Ein Brand wie in Notre Dame ist im Berliner Dom undenkbar.“ Ähnliche Leitungen gibt es auch im Dom von Speyer. Der verfügt zwar über ein Holzdach. Das stammt jedoch aus dem 20. Jahrhundert und ist damit vergleichsweise jung.  

Der Dachstuhl von Notre-Dame hingegen wurde größtenteils aus inzwischen völlig vertrockneten Holzstämmen aus dem 13. Jahrhundert erbaut. „Notre-Dame ist wie eine gigantische Streichholzschachtel, wie ein Mikado“, zitiert die französische Zeitung „Le Parisien“ Serge Delhaye, Brandexperte am Berufungsgericht von Paris. Zwischen Holzstaub und sich zersetzenden Baumstämmen können schon ein Funke oder ein Kurzschluss dazu führen, dass Glut entstehe. Die könne bis zu mehrere Tage lang unbemerkt bleiben, bis daraus ein offenes Feuer werde.

Mit Material von dpa und Reuters

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