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Brüderle zu Atomkraftwerken "Wir brauchen eine klar zweistellige Laufzeiten-Verlängerung"

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Rainer Brüderle Quelle: Andreas Chudowski für WirtschaftsWoche

Stromversorger und Netzbetreiber klagen, sie hätten dann kein Geld für Investitionen.

Sie werden nicht verarmen, da bleibt noch was für Investitionen. Im Übrigen sind Windfall profits Zusatzgewinne.

Haben wir die Hoffnung auf Erneuerbare eingetauscht in einen Glauben? Verrennt sich die Öffentlichkeit in den Glauben, der Wandel geschehe in kürzester Zeit?

Das Thema der erneuerbaren Energien ist sehr positiv besetzt. Wir brauchen als Ziel eine Vision, ein Leitbild. Selbst der Ökonom weiß: Der Mensch ist nicht nur rational.

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    Normal wäre es, erst den Ersatz sicherzustellen und dann aus einer Technik auszusteigen. Hier läuft es umgekehrt.

    Deshalb kämpfe ich für eine vernünftige Laufzeitverlängerung. Auch die CCS-Technik kann uns helfen: Wenn wir das komprimierte CO2 unter der Erde einlagern, können wir Kohlekraftwerke weiter betreiben. Es ist die ordnungspolitische Aufgabe des Wirtschaftsministers, pragmatische Überlegungen einzubringen, nicht ideologische.

    Wie fanden Sie dann den Vorstoß Ihres Kabinettskollegen Norbert Röttgen, auch gleich noch aus Kohlekraftwerken auszusteigen?

    Wir müssen beides weiter nutzen, Kernenergie und Kohle. Am Schluss ist Ökonomie immer Rechnen. Da helfen keine Träume, keine Illusionen. Bei der CCS-Technik sind wir führend in der Welt, aber wir müssen die Technologie auch einsetzen, um sie verkaufen zu können. Deshalb bin ich mit dem Umweltminister einig, dass wir zwei Demonstrationsvorhaben in Deutschland brauchen.

    Demonstrationsvorhaben – das passt. Die Proteste gegen CCS nehmen schnell zu.

    Ich setze darauf, dass die Menschen in unserem Land die Chancen dieser modernen Technologie erkennen. Auch anderen wichtigen Entscheidungen in Deutschland waren ja zunächst erhebliche Widerstände vorausgegangen. Denken Sie nur an die Ostpolitik oder die Einführung des Euro.

    Damals kämpfte der jeweilige Bundeskanzler an vorderster Front, manchmal sogar gegen die eigene Partei. Es gab eine klare Argumentation und dahinter eine Vision. Diese Regierung diskutiert kleinlich über Gesetzestechnik.

    Wir müssen deutlich machen, was hinter den Entscheidungen steht. Nicht jeder erkennt zum Beispiel die Verletzlichkeit unserer Rohstoffversorgung. Heute geht es darum: Wir wollen Wohlstand sichern und Arbeitsplätze erhalten, wir wollen wieder zu Vollbeschäftigung kommen – auch wenn sich die Kraftzentren der weltwirtschaftlichen Entwicklung nach Asien und Amerika verlagern. Europa hat keinen Garantieschein, dass es vorne dabei ist. Da kommen wir an die Systemfrage. Unsere Entscheidungen und Entscheidungswege sind manchmal so komplex, dass der Bürger sie nicht versteht. Dann verliert er das Gefühl der demokratischen Teilhabe.

    Kurz zusammengefasst: Es fehlt Führung!

    Wir alle in der Politik tragen Verantwortung. Das kann man nicht allein bei der Regierung oder gar bei einer Person abladen.

    Wissen Sie denn, was die Kanzlerin in der Energiepolitik möchte?

    Der Koalitionsvertrag weist die Richtung. An dessen Umsetzung arbeiten wir gerade.

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