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Brüderle zu Atomkraftwerken "Wir brauchen eine klar zweistellige Laufzeiten-Verlängerung"

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Warum kann sich eigentlich nicht die Kanzlerin mit Ihnen, Herrn Röttgen und Herrn Schäuble an einen Tisch setzen und eine Lösung finden?

Wir sind in permanentem Dialog. Wir sind uns bewusst: Die Koalition muss jetzt handeln, nachdem nun auch die Ergebnisse der Szenarienberechnungen vorliegen.

Gibt es Punkte, die für Sie nicht verhandelbar sind?

Die zu benennen wäre der erste Verhandlungsfehler.

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    Hat Sie der Energie-Appell der Wirtschaft erschreckt? So viel Widerstand hat nicht einmal das Duo Schröder/Trittin ausgelöst.

    Ich bin kein schreckhafter Mensch. Wir müssen die Argumente aber ernst nehmen. Es geht auch um den Produktionsstandort Deutschland.

    Wenn sich die Industrie bei Schwarz-Gelb gut aufgehoben fühlte, müsste sie nicht um Hilfe rufen. Das Vertrauen ist weg.

    Das sehe ich nicht so. Die Wirtschaft sieht, dass sich die Kernkraftgegner formieren, und will dagegenhalten. Das ist legitim. Wir haben schon eine gewisse Erosion des Industriestandortes in den letzten Jahrzehnten erlebt.

    A bisserl Industrie hätten wir schon gern.

    Eben. Früher gab es die Illusion, dass wir uns nur auf Entwicklung, auf die Blaupausen beschränken – und alles, was quietscht, kracht und stinkt, lassen wir woanders hin abwandern. Das funktioniert nicht. Vor einiger Zeit hat uns der „Economist“ noch als Dinosaurier verspottet; als kranken Mann Europas. Heute gelten wir als gesund und andere als krank. Fast die Hälfte von dem, was wir weltweit verkaufen, geht als Sub- und Teilaufträge an die europäischen Partner. Ganz Europa profitiert so vom deutschen Aufschwung. Und jetzt springen die Investitionen hierzulande an. Der private Konsum steigt, die Nettolöhne gehen hoch. Es ist der klassische Mechanismus. Exportgetrieben, das ist unsere klassische Wirtschaftsstruktur. Wir wären nicht gut beraten, davon abzurücken.

    Gefährdet wird dieser Wohlstand durch den Fachkräftemangel. Brauchen wir ein neues Einwanderungskonzept?

    Natürlich müssen wir alle Potenziale im Land ausschöpfen, von der Beschäftigung Älterer bis zur besseren Qualifizierung und Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Die Bildungschancen der Kinder dürfen nicht vom Geldbeutel und der Herkunft der Eltern abhängen. Es ist richtig, Kinder aus sozial schwachen Familien fit zu machen zum Beispiel auch für eine Karriere als Ingenieur. Aber bis das in großer Zahl gelingt, dauert es noch eine Weile. So lange können wir nicht warten, um die Facharbeiterlücke zu schließen. Wir müssen deshalb gleichzeitig Zuwanderung in Qualität organisieren. Wir werden ohne Fachkräfte aus dem Ausland unseren Wohlstand nicht halten können.

    Das hat schon mit der Greencard von Kanzler Gerhard Schröder nicht geklappt.

    Das war ja ein bescheidener Ansatz. Meine Initiative ist nicht gegen deutsche Arbeitskräfte gerichtet, im Gegenteil. Eine Fachkraft, die wir aus dem Ausland gewinnen, kann manchmal mehrere Arbeitsplätze für Deutsche ermöglichen. Ausländische Fachkräfte sind also keine Konkurrenz für den deutschen Arbeitsmarkt, sondern komplementär. Deshalb wäre ein Punktesystem am besten, das sich klar an unseren nationalen Interessen ausrichtet.

    Wie soll das funktionieren?

    Kanada könnte ein gutes Vorbild sein. Dort sieht man sich genau an, in welchen Bereichen Bedarf an qualifizierten Zuwanderern besteht. Menschen mit diesen beruflichen Qualifikationen erhalten dann ein Maximum an Punkten, die eine unkomplizierte Zuwanderung möglich machen. In dieser Woche starte ich einen Fachkräftedialog mit den Verbänden, um alle diese Fragen zu diskutieren.

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