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Brüderle zu Atomkraftwerken "Wir brauchen eine klar zweistellige Laufzeiten-Verlängerung"

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Brauchen wir eine Lockprämie?

Es darf keine staatliche Werbeprämie geben. Aber warum sollen die Unternehmen das nicht im Wettbewerb um die besten Mitarbeiter tun? Begehrten Arbeitnehmern wird doch auch der Umzug von Nord- nach Süddeutschland bezahlt.

Arbeitsministerin und Innenminister haben mehr Zuwanderung bereits abgelehnt.

Ich stehe bei dem Thema des Fachkräftemangels mit meinen Kollegen im Dialog. Ich glaube immer an die Kraft des guten Arguments.

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    Aber noch ist auch die Zuwanderung von Fachkräften gesetzlich begrenzt. Einkommensgrenze runter und Vorrangprüfung für Deutsche weg?

    Das wären zum Beispiel zwei Maßnahmen, die aus meiner Sicht sehr schnell positive Wirkung entfalten könnten. Letztes Jahr haben weniger als 150 hoch qualifizierte Migranten eine unbegrenzte Niederlassungserlaubnis in Deutschland erhalten. Wir verschenken da ein gewaltiges Potenzial.

    Möchten Sie ein Einwanderungskonzept nur für Ingenieure und Computerexperten oder auch fürs Handwerk.

    Das Handwerk hat in manchen Branchen wachsenden Fachkräftebedarf, zum Beispiel Bäcker und Metzger. Auch das Handwerk braucht mehr Nachwuchs.

    Dann müsste die Einkommensgrenze noch weiter sinken – oder Sie müssten Zuwanderung direkt in Ausbildung erlauben.

    Niedrigere Einkommensgrenzen wären in der Tat ein wichtiger Schritt. Bislang wird von Zuwanderern ja ein viel zu hohes Mindesteinkommen von 66.000 Euro gefordert. Das erreichen selbst Akademiker in den ersten Berufsjahren kaum. Zuwanderung in Ausbildungsverträge sehe ich eher als Auffanglösung, etwa in grenznahen Räumen. Dazu gibt es bereits klare Vorgaben im geltenden Recht. Bei der Anerkennung ausländischer Abschlüsse müssen wir uns gegenseitig sachkundiger machen und flexibler werden.

    Braucht es auch eine Initiative zugunsten Älterer, um die länger im Betrieb zu halten und die SPD bei der Rente mit 67 wieder einzufangen?

    Die taktischen Finessen der SPD führen nicht weiter. Ich bin zutiefst überzeugt: Deutschland wird die Älteren dringend brauchen. Die Lebenserwartung steigt in den nächsten zwei Jahrzehnten noch einmal um zwei bis drei Jahre. Viele Ältere sind heute fit und aktiv und wollen nicht auf das Abstellgleis geschoben werden. Von ihren Erfahrungen können wir alle profitieren. Mein eigener Vater hat als Einzelhändler bis zum Alter von 86 Jahren gearbeitet. Er wäre nie so alt geworden, wenn er nicht aktiv geblieben wäre.

    Also bräuchten wir eher die Rente mit 70?

    Ich mache da keine Zahlenspiele. Ich bin für eine Flexibilisierung. Wer entsprechende Abschläge in Kauf nimmt, sollte auch mit 60 Jahren schon in Rente gehen können. Wer kann und will, sollte aber auch lange arbeiten dürfen.

    Brüderle will also noch drei Legislaturperioden Minister bleiben?

    Man soll der Güte Gottes keine Grenzen setzen. Im FDP-Landesverband habe ich gesagt: Nachdem ich 27 Jahre Landesvorsitzender bin, geht das nicht ewig so weiter. Jetzt ist Halbzeit. Aber Spaß beiseite: Ich fühle mich fit.

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