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Bruttoinlandsprodukt Konsum und Export sorgen für Wachstum

Die Exporte und der private Konsum haben die deutsche Wirtschaft im Sommer angetrieben. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im dritten Quartal um 0,6 Prozent zu, erklärte das Statistische Bundesamt.

Deutsche Fans bei der WM 2006, dpa

Die Unternehmen waren mit Investitionen zurückhaltender als in den ersten beiden Quartalen des Jahres. Trotzdem zeigten sich Analysten zuversichtlich, dass die Wirtschaft stark genug ist, um die Mehrwertsteuererhöhung zum Jahreswechsel zu verkraften. Nachdem der Außenhandel im Frühjahr keinen Impuls geliefert hatte, steuerte er im dritten Quartal wieder 0,4 Prozentpunkte zum BIP-Wachstum bei. Die Exporte stiegen zum Vorquartal um 4,2 Prozent. „Dort spiegelt sich die gute Weltkonjunktur, von der die Exporteure profitieren“, sagte Ulrike Kastens vom Bankhaus Sal. Oppenheim. Die Importe legten um 3,6 Prozent zu. Insgesamt sei das Wachstum ausgeglichener gewesen, sagte Kastens. „Deutschland hängt nicht mehr ausschließlich am Tropf der Exporte, und es wird weiter kräftig investiert“, ergänzte Andreas Rees von Unicredit. Der Außenhandel hatte das Wirtschaftswachstum in den vergangenen Jahren teils alleine getragen. Von der gesamten inländischen Verwendung kam im Sommer ein Wachstumsbeitrag zum BIP von 0,2 Prozentpunkten. Fußball-WM und Mehrwertsteuererhöhung kurbeln Konsum an Vor allem die größere Kauflaune der Verbraucher gab der Wirtschaft Schwung: Die privaten Konsumausgaben stiegen um 0,7 Prozent, das entspricht einem Wachstumsbeitrag von 0,4 Punkten. „Das ist sicher zum Teil schon auf Vorzieheffekte angesichts der bevorstehenden Mehrwertsteuererhöhung zurückzuführen“, sagte Matthias Rubisch von der Commerzbank. Nach Ansicht Kastens' spielte außerdem die Fußball-WM eine Rolle. Die Bundesbank hatte den Wachstumseffekt der WM für das zweite Quartal in einer Studie mit einem knappen viertel Prozentpunkt beziffert. Der private Verbrauch stieg, obwohl die Arbeitnehmer von der starken Konjunktur bislang kaum profitieren: Das Volkseinkommen erhöhte sich zwar um 1,4 Prozent zum Vorquartal, dabei stagnierten die Löhne und Gehälter jedoch, während die Unternehmens- und Vermögenseinkommen um 4,3 Prozent zulegten. Deutlich schwächere Wachstumsimpulse als im Vorquartal kamen von den Investitionen in Ausrüstungen und Bauten, die um 0,7 beziehungsweise 0,8 Prozent stiegen. Kastens relativierte jedoch: „Die Zahlen für dieses Quartal sind zwar etwas schwächer, aber das erste und zweite Quartal wurden kräftig nach oben revidiert.“ Die Unternehmen hätten zum siebten Mal in Folge mehr investiert, sagte Rees: „Das spricht für eine sehr robuste und nachhaltige Entwicklung.“ Das Baugewerbe stellte real 4,2 Prozent mehr her als im Vorjahr, was die Statistiker zu dem Schluss brachte: „Im Baugewerbe scheint der jahrelange Abwärtstrend gestoppt.“ Der Staat konsumierte 0,9 Prozent mehr als im Frühjahr und trug damit 0,2 Prozentpunkte zum BIP-Plus bei. Da die Unternehmen ihre Lager leerten, bremste die Vorratsveränderung den inländischen Wachstumsbeitrag um 0,5 Prozentpunkte. Die Statistiker hatten am 14. November eine erste Schätzung zum Wirtschaftswachstum veröffentlicht, jedoch noch keine Details genannt. Zudem hatten sie das Wachstum im ersten Quartal auf 0,8 von 0,7 Prozent und für das Frühjahr auf 1,1 von 0,9 Prozent nach oben korrigiert. Für das Gesamtjahr zeichnet sich damit ein Wachstum von rund 2,5 Prozent ab - das wäre die stärkste Dynamik seit dem Boomjahr 2000. „Das gibt Hoffnung, dass die Belastung der Mehrwertsteuererhöhung Anfang 2007 nur ein kurzes Intermezzo sein wird“, sagte Rees. Während die Commerzbank, die davon ausgeht, dass der sich Konsum noch nicht ausreichend erholt hat, lediglich ein Prozent Wachstum für 2007 erwartet, hat Sal. Oppenheim die Prognose für das kommende Jahr auf 1,8 Prozent erhöht.

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