Bundesagentur für Arbeit Die Arbeit mit der Arbeitslosigkeit

Die Bundesagentur für Arbeit will 17.000 Stellen abbauen - das selbe hat sie auch schon vor gut zwei Jahren angekündigt. Schlanker geworden ist die BA seitdem aber nicht. Das hat vor allem zwei Gründe.

Bundesagentur für Arbeit Quelle: dpa

Vor gut zweieinhalb Jahren gab die Bundesagentur für Arbeit (BA) ein Versprechen: Man wolle rund 17.000 Stellen abbauen –  und das bis Ende 2015. Nun taucht dieses Versprechen wieder auf, und es klingt fast, als habe die Agentur in Nürnberg es einfach nur aus der Vergangenheit in die Gegenwart kopiert: „Die langfristig sinkende Arbeitslosigkeit erlaubt es, bis 2019 rund 17.000 Stellen bei den Arbeitsagenturen abzubauen“, sagte BA-Vorstand Heinrich Alt dem „Handelsblatt“.

Dieselbe Zahl, das gleiche Ziel, nur vier Jahre später als ursprünglich verkündet: Was heißt das?

Zunächst bedeutet es folgendes: Die BA, eine der größten Behörden des Landes mit einem zweistelligen Milliarden-Etat, hat den Boom auf dem Arbeitsmarkt unbeschadet überstanden. Oder etwas deutlicher: Trotz seit Jahren steigender Beschäftigung und sinkender Arbeitslosigkeit arbeiten in der Institution, die Arbeitslose vermitteln soll, mehr Menschen als noch vor rund zehn Jahren. Verfügte die BA 2005 noch über mehr als 82.000 (Vollzeit-)Planstellen, waren es 2014 sogar 95.600. Verwaltung paradox.

In welchen Regionen tolle Jobs winken
Die Jobsuchmaschine Adzuna hat die größten 75 Städte in Deutschland anhand der Wettbewerbsintensität ihres Arbeitsmarktes beurteilt: Wie viele Bewerber kommen auf eine freie Stelle? Welche Berufsgruppen haben die besten Chancen, einen neuen Job zu finden - und vor allem wo? "Wir haben im Verlauf des letzten Jahres einige interessante Entwicklungen gesehen. Insgesamt hat sich die Quote von Bewerbern pro Arbeitsplatz bundesweit verbessert", sagt Matthias Lissner, Adzunas Country Manager für Deutschland. Quelle: dpa
Die stärksten BerufsgruppenIT und Beratung sind die Top-Branchen mit den meisten Stellenangeboten und weisen aktuell über 80.000 Stellenangebote aus. Technikerstellen, Buchhaltung & Finanzwesen sowie Gastronomie kommen zusammen ebenfalls auf 78.000 freie Jobs. Quelle: dpa
MünchenIn der bayerischen Landeshauptstadt kommen derzeit 1,5 Bewerber auf eine freie Stelle. Damit rangiert München zwar immer noch unter den Top-Standorten in Deutschland, zum attraktivsten lokalen Arbeitsmarkt Deutschlands reicht es aber nicht mehr. München liegt in der Wertung auf Platz fünf - einen Rang hinter Stuttgart, wo auf eine freie Stelle 1,4 Bewerber kommen. Quelle: dpa
Darmstadt und IngolstadtAuf den Plätzen zwei und drei liegen mit je 1,3 Bewerbern pro freier Stelle Ingolstadt und Darmstadt. Der Arbeitsmarkt in Darmstadt ist zudem interessant, da hier Stellen für Berater aktuell über zehn Prozent der freien Stellen ausmachen, was überdurchschnittlich hoch ist. Quelle: dpa
RegensburgBewerber sollten außerdem einen Blick auf Regensburg werfen. Dort ist die Anzahl von Bewerbern pro freier Stelle mit 1,2 bundesweit am niedrigsten. Im gesamten Bundesland Bayern kommen auf eine freie Stelle vier Arbeitslose. Quelle: dpa
Baden-WürttembergUnter den Bundesländern ist Baden-Württemberg führend: Dort kommen 3,8 Unbeschäftigte auf einen freien Arbeitsplatz. Platz zwei im Länderranking belegt der Stadtstaat Hamburg, wo es pro freier Stelle 3,9 mögliche Bewerber gibt. Quelle: dpa
Rheinland-PfalzAbsteiger unter den Bundesländern sind - im Vergleich zum Vorjahr - Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz. Die Wettbewerbsfähigkeit beider Länder ist in den letzten sechs Monaten gesunken. In Rheinland-Pfalz kommen auf eine freie Stelle 12,2 Bewerber (Platz neun), in Schleswig-Holstein sind es 12,8 (Platz zehn). Die rote Laterne hält Brandenburg, wo 27,2 Arbeitslose einer offenen Stelle gegenüberstehen. Dieses Verhältnis wird nur von einer Stadt übertroffen. Quelle: dpa

Warum das so ist? Das 2012 gegebene Versprechen, schlanker zu werden, wurde in der Tat vor zwei Jahren kassiert, der geplante Personalabbau auf unbestimmte Zeit verschoben. Nun nimmt die BA also einen neuen Anlauf.

Allerdings ist die Lage nicht ausschließlich damit erklärbar, dass eine Behörde sich einfach geweigert hätte, Effizienzmaßstäbe anzuerkennen, die außerhalb des öffentlichen Dienstes gelten. Das Problem liegt tiefer und hat vor allem zwei Gründe.

Erstens: Trotz des Job-Booms gibt es in Deutschland weiterhin einen verfestigten Block der Langzeit-Arbeitslosen, der bislang nicht zu knacken war. Rund eine Million Menschen sucht seit mehr als zwölf Monaten nach einer Beschäftigung, viele bereits seit einigen Jahren. Um diese Menschen wieder in Arbeit zu bringen oder überhaupt an den Arbeitsalltag heranzuführen, ist ein außerordentlich hohes Maß an Betreuung notwendig. Die ist ohne Personal und ohne Geld nicht zu schaffen – das hat auch die Bundesregierung erkannt. Die BA hat also durchaus Recht, wenn sie sagt, dass weniger Arbeitslose insgesamt nicht zwingend und unmittelbar weniger Aufwand bedeuten.

In Arbeit
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Zweitens: Die Hartz-Reformen haben (so richtig sie waren und sind) mitsamt zahlreicher Gesetzesänderungen zu einem Verfahrens- und Bewilligungswust geführt, der einen immens hohen Bürokratieaufwand erzeugt. Fast jeder zweite Mitarbeiter in Jobcentern ist mit Anträgen und Berechnungen zur Grundsicherung beschäftigt, nicht aber mit der Jobsuche für seine Kunden. Dies hat nicht die BA verschuldet.

Hier wäre vielmehr  auch die Politik gefordert. Eine Reform mitsamt Vereinfachung der Hartz-Regeln ist innerhalb der großen Koalition bislang aber an internem Zwist gescheitert.

Schützenhilfe aus Berlin sollte die BA in Nürnberg also nicht erwarten, wenn sie diesmal wirklich kleiner, schneller und besser werden will.

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