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Bundesarbeitsministerin "Duale Ausbildung europaweit aufbauen"

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Suche nach Fachkräften ist ein Problem

So viel kostet eine Stunde Arbeit in Europa
Supporters of the ultranationalist Bulgarian party Ataka (attack) wave national flags during a anti-government rally in central Sofia, Bulgaria Quelle: dpa/dpaweb
A woman peers through a Romanian flag during a protest against President Traian Basescu in Bucharest, Romania, Quelle: dapd
Die Flagge der Europäischen Union weht neben den Nationalfahnen der EU-Mitglieder Spanien Niederlande, Irland und Griechenland sowie Rumaenien (hinten v. l.), Portugal, Tschechien und Schweden Quelle: dapd
Die deutsche Flagge weht am 09.08.2012 an einem Schiff der Reederei Hiddensee vor der Silhouette der historischen Altstadt von Stralsund Quelle: dpa
Eiffelturm Quelle: gms
Der Dannebrog, die dänische Flagge, weht am 27.06.2012 an einem Ferienhaus in Henne Strand Quelle: dpa
Boddenhafen von Barth Quelle: ZB

Gegen die BA erhebt der Bundesrechnungshof (BRH) schwere Vorwürfe: Die besonders hilfsbedürftigen Fälle würden systematisch vernachlässigt.

Die Erfolge der BA werden nicht bestritten, auch nicht vom BRH. Wir haben den höchsten Beschäftigungsstand der Geschichte und unter drei Millionen Arbeitslose. Die Langzeitarbeitslosigkeit sank seit 2007 um 40 Prozent. Die Prüfer kritisieren das interne Steuerungssystem wegen damit in Teilbereichen verbundener Fehlanreize. Die Führung der BA hat bereits Reformen beschlossen, die der BRH positiv bewertet. Die Umsetzung ist jetzt Sache des BA-Vorstands und der Selbstverwaltung mit Arbeitgebern und Gewerkschaften.

Trotzdem: Lässt sich für den harten Kern schwer vermittelbarer Langzeitarbeitsloser künftig nicht mehr tun?

Das Hauptproblem des deutschen Arbeitsmarktes ist die Suche nach Fachkräften. Massenarbeitslosigkeit war gestern. Weil die Arbeitslosigkeit so stark gesunken ist, haben auch Menschen neue Chancen, die lange ohne Job waren. Deren Hauptmerkmal ist die fehlende Berufsausbildung. Wir haben heute rund 300 000 arbeitslose Menschen zwischen 25 und 35 Jahren, die ihre Lehre geschmissen oder gar keine begonnen haben. Die haben aber noch 30 bis 40 Jahre Berufsleben vor sich. Ihnen müssen wir jetzt eine zweite oder auch dritte Chance geben, um einen Abschluss nachzuholen. Wir haben uns mit der BA das Ziel gesetzt, in einem ersten Schritt bis 2015 auf diese Art 100 000 von ihnen zu qualifizieren. Sie müssen überzeugt werden, noch mal die Schulbank zu drücken und drei Jahre durchzuhalten.

Die BA testet dazu ein Prämienmodell. Unterstützen Sie das?

Wer zwei oder drei Jahre bei knappstem Lebensunterhalt eine Ausbildung bis zum Ende durchhält und nicht der Verlockung erliegt, doch als Hilfsarbeiter auf dem Bau ein paar Euro mehr zu verdienen, der sollte auch unterstützt werden. Welche Arten der Unterstützung sinnvoll sind, das probieren wir aus.

Die atypische Beschäftigung ist massiv gewachsen. Man weiß: Das ist ein Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt, aber kein Sprungbrett. Was lässt sich verbessern?

Deutschland



Die atypische Beschäftigung ist in den letzten zehn Jahren von 20 auf 25 Prozent gewachsen, aber nicht zulasten des Normalarbeitsverhältnisses. Im Gegenteil, die Zahl der Menschen, die ein Normalarbeitsverhältnis haben – Vollzeit und sozialversicherungspflichtig – ist gestiegen. Und Vorsicht! Atypisch ist zum Beispiel Zeitarbeit. Da haben wir Leitplanken durch einen Mindestlohn und Branchenzuschläge eingezogen. Als atypisch gilt kurioserweise aber auch Teilzeit, und dafür haben wir Frauen lange gekämpft.

Es gibt gar keine Teilzeit-Falle?

Doch, durchaus. Deutsche Teilzeit heißt viel zu oft: vormittags, weiblich, Karriere tot. Das liegt auch an unserem Teilzeit-Schulsystem. Die holländische Teilzeit ist männlich oder weiblich, liegt zwischen 30 und 90 Prozent der regulären Arbeitszeit, die Karriere bleibt möglich. Deshalb wollen wir das Recht auf Rückkehr zur Vollzeit so gestalten, dass Arbeitgeber und Beschäftigte bereits beim Übergang in die Teilzeit die Rückkehr zur früheren Arbeitszeit regeln.

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