WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Bundesbank Der Fall Sarrazin hilft Merkel aus einem Dilemma

Seite 2/2

Bundesbankpräsident Axel Quelle: dpa

Chefs haften für ihre Mitarbeiter und können diese gewöhnlich auch auswählen. Doch für die Führungsetage der Deutschen Bundesbank gilt das nicht. Die Vorstandsmitglieder werden von der Politik bestimmt, wobei dem Präsidenten der Bundesbank noch nicht einmal ein Veto zugestanden wird. Im Fall Sarrazin hätte Weber also gar keine rechtliche Handhabe gehabt, den allenfalls finanzpolitisch versierten Quertreiber in die Schranken zu verweisen – geschweige denn von vornherein zu verhindern.

Nach dem Bundesbank-Gesetz entscheiden Bundesregierung und Bundesrat, wen sie nach Frankfurt entsenden. Sarrazin kam Mitte 2009 zur Bundesbank, weil Berlin und Brandenburg zu der Zeit das Vorschlagsrecht hatten und dem damaligen Berliner Finanzsenator zu einem angemessenen Vorruhestandsposten verhelfen wollten.

Auch wer einen möglichen Nachfolger von Sarrazin bestimmen darf, gegen den jetzt das Abberufungsverfahren läuft, steht schon fest. Nach einem Tableau der Finanzministerkonferenz aus dem Jahr 2003 haben in diesem Jahr die Bundesländer Rheinland-Pfalz und Saarland das Vorschlagsrecht, 2015 sind dann Sachsen und Thüringen dran.

Geeigneter Kandidat

Die Kritik, bei diesem Verfahren würden nicht immer die geeignetsten Kandidaten ausgewählt, tropft an der Politik stets ab. Zuletzt wurde moniert, dass die Bundesregierung den altgedienten FDP-Bundestagsabgeordneten Carl-Ludwig Thiele nach Frankfurt schickte, obwohl mit dem erfahrenen Banker Gerd Häusler ein wesentlich geeigneter Kandidat zur Verfügung stand.

Die Personalgroteske trifft Bundesbank und Bundesrepublik zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Denn spätestens seit der Griechenlandkrise tobt in der Euro-Zone ein erbitterter Kampf zwischen Tauben und Falken. Der Fall Sarrazin geht zulasten der deutschen Position. Das wird auch Bundeskanzlerin Merkel zu spüren bekommen, wenn es um die Fortentwicklung der Währungsunion geht.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%