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Bundesbank Jens Weidmanns Aufstieg in den Abstieg

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Schwieriger als sein Auftreten nach außen dürfte die Durchsetzungskraft nach innen sein, im Rat der EZB. Selbst wenn er sich vom wirtschaftspolitischen Pragmatiker zum geldpolitischen Falken mausert, selbst wenn er sich aufplustern sollte wie Axel Weber: Die strengen Währungshüter, die das Institut ausschließlich der Geldwertstabilität verpflichtet sehen und nicht der Konjunktursteuerung oder der kontinentalen Umverteilung, bleiben in der EZB-Spitze eine Minderheit.

Der liberale Koalitionspartner hätte Weidmann lieber erst nach einer Schamfrist zur Bundesbank und gar an die Spitze wechseln lassen. So präsentierte der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle immer neue Alternativen, um den Preis für seine Zustimmung hochzutreiben. Weil Merkel auf Weidmanns sofortigem Karrieresprung beharrte, durfte der Freidemokrat schließlich die Vizepräsidenten-Nachfolge vorschlagen. Der FDP-Finanzexperte Volker Wissing empfahl Sabine Lautenschläger-Peiter, Direktorin Bankenaufsicht bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

Sabine Lautenschläger-Peiter als Vizepräsidenten-Nachfolge

Die Liberalen wollten die Ersten sein, die eine Frau in den Bundesbank-Vorstand bringen. „Mit Frau Lautenschläger wird die Finanzaufsicht bei der Bundesbank gestärkt“, lobt Westerwelle. Ein kleiner Trost dafür, dass sich die FDP bisher mit ihrem Plan nicht durchsetzen konnte, die Bankenaufsicht bei der Bundesbank zusammenzuführen. „Von der Frau kann man Härte erwarten“, frohlocken die Liberalen, auch in Sachen WestLB sei sie energisch. Allerdings: Unter der Führung der 46-jährigen Juristin, die von 2005 bis 2008 in der BaFin die Abteilung „Aufsicht über Großbanken und ausgewählte Kreditbanken“ leitete und danach zur Exekutivdirektorin aufstieg, bemerkten die Experten die toxischen Kreditbündel der Bankenkrise erst, als alles zu spät war. Rechtzeitiges, energisches Durchgreifen? Fehlanzeige.

Die immerwährenden Reparaturen an all den Defiziten erlebt Weidmann nun aus neuer Warte. Beim in Euro-Land heiß umstrittenen „Pakt für Wettbewerbsfähigkeit“, mit dem Merkel die Partner verärgerte, plädierte Weidmann immerhin in den regierungsinternen Abstimmungen für ein Mehr an Ordnungspolitik.

Den schlimmsten Fall hat Merkel ihrem Unterstützer erspart: die nächsten Wochen bis zum Gipfel am 11. März noch als Euro-Fighter selbst die Rettungsfonds und Vertragsänderungen zu verhandeln – und ständig dem Verdacht ausgesetzt zu sein, auf zwei Schultern zu tragen. Es wäre der Gewissenskonflikt, den wechselwillige Mittelstürmer kennen: Wenn sie am letzten Spieltag ihren künftigen Verein in die Zweitklassigkeit schießen müssen.

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