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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble "Der ganze Bundeshaushalt ist nicht sozial ausgewogen"

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 Glauben Sie wirklich, dass die Konservativ-Liberalen eher als zuvor die linke Labour-Regierung den eigenen Finanzsektor regulieren werden?

Auch mein neuer Amtskollege George Osborne weiß, dass eine zu starke Konzentration auf Finanzdienstleistungen nicht im britischen Interesse eines nachhaltigen Wirtschaftswachstums sein kann. Und mir ist bei der Finanzmarkttransaktionssteuer ein EU-weites Vorgehen mit Großbritannien natürlich lieber als eine Aktion nur der Euro-Zone. Aber wie auch immer: Nach Toronto geht’s los!

In den letzten Tagen häuften sich die Meldungen, dass in Südeuropa ein Einfrieren des Bankensektors droht. Was ist dran an solchen Gerüchten, die auf die Börsen drücken?

Es werden viele Gerüchte gestreut. Da gab es Meldungen über Zahlungsprobleme in Spanien, die aus Frankfurt kamen und europaweit großes Unbehagen ausgelöst haben. Tatsache ist aber: Spanien unternimmt große Sparanstrengungen. Und wir haben ein Garantieprogramm über 750 Milliarden Euro zur Stützung der gemeinsamen Währung.

Die Banken trauen sich ja wie schon zur Zeit der Lehman-Pleite nicht mehr über den Weg und leihen sich gegenseitig kaum noch Geld. Nun soll auch noch der neue, bislang unveröffentlichte Stresstest über die Krisenfestigkeit der Banken publik gemacht werden...

...was ich sehr begrüße. Wir brauchen maximale Transparenz als stabilisierenden Faktor an den Finanzmärkten.

Mit dem Risiko, dass einige schwachbrüstige Finanzinstitute dann in die Insolvenz rutschen?

Diese schmerzhafte Erfahrung haben wir in Deutschland vor zwei Jahren gemacht. Dafür haben wir in Deutschland auch den Bankenrettungsschirm aufgespannt. Seither haben wir aber auch wieder Sicherheit am deutschen Finanzmarkt. Die Märkte brauchen Vertrauen, und das erreichen wir nur, indem wir die Karten offen auf den Tisch legen.

Wollen Sie damit die nächste Rettungsaktion für Banken provozieren?

Dafür haben wir doch die Garantien von bis zu 750 Milliarden Euro gegeben. Allein im Griechenland-Paket haben wir zehn Milliarden Euro zur Stützung von griechischen Banken vorgesehen. Wir haben also die Instrumente, eine Kernschmelze an den Finanzmärkten zu verhindern. Nun müssen wir endlich die Unsicherheit aus den Märkten nehmen, damit sich die Wirtschaft wieder ungestört entwickeln kann.

Auch um den Preis, dass die Bürgschaften gezogen werden und es Ihren Bundeshaushalt zerschießt?

Ich gehe nicht davon aus, dass wir am Ende dafür zahlen müssen.

Sie schließen aus, dass wir in Deutschland wegen Griechenland oder Spanien bald noch eine Sparrunde einlegen müssen?

Wir tun alles dafür, dass diese Situation nicht eintritt.

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