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Bundesparteitag Piraten in der Führungsfalle

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Der lachende Dritte

Der langjährige Parteichef Jens Seipenbusch kritisiert Nerz:

Die einfachste Lösung wäre aus Sicht vieler führender Piraten ein Vorsitzender, der zugleich in einem Parlament sitzt. Offiziell gibt es bei den Piraten auch keine vorgeschriebene Trennung von Amt und Mandat, wie sie die Grünen lange pflegten.

Oder löst das Problem wie Julia Schramm. Sie hat ein Buch geschrieben, dass im Sommer erscheint und dafür laut „FAZ“ 100.000 Euro kassiert. Selbst sagt Schramm, „dieses Buch ermöglicht mir, im nächsten Jahr 100 Prozent für die Piraten zu investieren und eventuell sogar eine bezahlte Kraft aus eigener Tasche zu bezahlen“

Klingt gut, komisch ist es nur, wenn man andererseits lautstark gegen das Urheberrecht polemisiert. Doch auf inhaltliche Widersprüche stößt man bei Schramm immer wieder.

Grundsatzdebatte um den Datenschutz

Am bekanntesten ist dabei ihre Auseinandersetzung mit dem Datenschutz. Einer größeren Öffentlichkeit wurde Schramm erstmals als prominenter Kopf der „datenschutzkritischen Spackeria“ bekannt. Die Gruppe argumentierte, wir leben in einer Post-Privacy-Ära, in der wirklicher Datenschutz nicht mehr möglich wäre. Daher sollte man die Flucht nach vorn antreten.

Oh ja, die Piraten! Oh je, FDP!

Inzwischen hat sich Schramm von Sprüchen, wie „keine Macht den Datenschützern“ distanziert, wobei sie ausgerechnet der Altliberale Gerhart Baum vom Wert des Datenschutzes überzeugt hat.

Mit ihrer polarisierenden Art hat sich Schramm nicht nur Freunde gemacht. „Sie ist so meinungsstark, dass sie zu jedem Thema gleich mehrere Meinungen hat“, schreibt beispielsweise der Autor Malte Welding.

Auch wenn der Parteikenner Seipenbusch sie zu den drei aussichtsreichen Kandidaten zählt, ist es fraglich, ob Schramm wirklich die Mehrheit des Parteitags überzeugen kann.

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Zwischen der „Krawalltante“ und dem ruhigen Nerz könnte es daher auf den dritten Anwärter hinauslaufen: Bernd Schlömer.

Der 40-Jährige vertritt die Berliner, ist als Parteivize bestens vernetzt und auch eine Umfrage des Parteimagazins „Flaschenpost“ gab Schlömer die besten Chancen bei der Wahl zum Vorsitzenden.

Und der Diplom-Soziologe und Diplom-Kriminologe hat seinen Konkurrenten noch etwas voraus: Er kennt sogar schon ein Ministerium von Innen – im Hauptberuf ist Schlömer Regierungsdirektor im Führungsstab des Verteidigungsministeriums.

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