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Bundespräsident Christian Wulff - der geschmeidige Versöhner

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Stabiles Netz

So knüpfte Wulff in den sieben Jahren als Ministerpräsident ein stabiles Netz zwischen Staatskanzlei und den großen Arbeitgebern des Landes. VW-Chef Winterkorn gehörte dazu, Ekkehard Schulz von ThyssenKrupp und der ehemalige Continental-Manager Karl-Thomas Neumann; aber auch Mittelständler wie Keksfabrikant Hermann Bahlsen, Werftbesitzer Bernard Meyer oder Großdrogist Dirk Roßmann.

Jürgen Großmann, Chef des Energieriesen RWE und Eigentümer des Osnabrücker Stahlunternehmens Georgsmarienhütte, darf sich zu den engen Freunden Wulffs zählen. Nicht nur, dass Wulff häufig als Gast im La Vie einkehrt, dem Restaurant des Stahlbarons. Auch Großmann fährt häufig nach Hannover. Im Oktober 2007 stellte er in den Räumen der Nord/LB ein Buch des CDU-Politikers vor, obwohl er an diesem Tag in Essen als Chef des Energieriesen RWE antreten musste.

Ein schillernder Unternehmer, der ebenfalls als Freund Wulffs gilt, ist der Gründer des Finanzvertriebs AWD, Carsten Maschmeyer. Wie Großmann war er zur Hochzeit des Ministerpräsidenten im März 2008 eingeladen. Maschmeyer hat Wulff einiges zu verdanken – auch seine neue Lebensgefährtin, die Schauspielerin Veronica Ferres: Wulff hatte beide vor zwei Jahren auf der Berlinale miteinander bekannt gemacht.

Großmann, Maschmeyer, der Anwalt Götz von Fromberg – Wulff folgte nicht nur Gerhard Schröder im Ministerpräsidentenamt nach, sondern eroberte auch dessen Freundeskreis. Der SPD-Macher aus Hannover war dem jungen CDU-Politiker aus Osnabrück seit jeher Schicksal und Herausforderung. Der rauflustige Sozialdemokrat demütigte den artig wirkenden Rivalen mit besonderer Hingabe.

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    Doch durch Wulffs wirtschaftspolitische Aktionen zieht sich dieselbe Spur wie bei Schröder: Es ist schön, wenn sich alles marktwirtschaftlich regeln lässt. Wenn nicht – auch gut. Wenn er Gefahren für niedersächsische Arbeitsplätze sah, scheut er nicht davor zurück, sich einzumischen – manchmal lautstark, manchmal leise intrigierend. „Ihm hat imponiert, wie Schröder das aufgezogen hat“, erinnert sich ein Weggefährte. „Dem wollte er nacheifern.“ Und dasselbe Macher-Markenzeichen ergattern.

    Den Versuch des fränkischen Autozulieferers Schaeffler, den hannoverschen Konzern Continental zu übernehmen, versucht er zu stoppen. „Wir erwarten natürlich, dass der Conti-Vorstand Conti-Interessen vertritt und nicht in erster Linie die eines noch so großen Aktionärs“, drängte Wulff und drohte: „Da wird sich jetzt auch die ganze Kraft der Regierung auf Conti und Schaeffler konzentrieren, nachdem wir VW und Porsche jetzt auf einen guten Weg gebracht haben.“ Noch immer ist offen, wo der fusionierte Konzern seinen Sitz haben wird.

    Im Fall des Oldenburger Filmentwicklers Cewe Color legte sich Wulff mit dem US-Finanzinvestor Guy Wyser-Pratte an. Der hatte Anteile an Cewe Color erworben und drängte auf der Hauptversammlung 2007 darauf, eine Sonderdividende zu beschließen. Ein solches Ausbluten wollte Wulff jedoch nicht dulden. Also sprach er vor der Hauptversammlung in die TV-Kameras: „Eine kreditfinanzierte Ausschüttung schadet dem Unternehmen und gefährdet Arbeitsplätze.“ Zugleich zog er hinter den Kulissen die Strippen über die teilstaatliche Nord/LB, die 7,8 Prozent an Cewe Color hält. Wyser-Pratte scheiterte. „Ein Kommunist“ sei der Ministerpräsident, schimpfte er. Die Beschimpfung sei ihm lieber, sagte Wulff später, als Arbeitsplätze zu verlieren.

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