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Bundespräsident Christian Wulff - der geschmeidige Versöhner

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Als der Karosseriebauer Karmann in Osnabrück auf die Pleite zurast, fährt er sofort zu den Arbeitern. Inzwischen sind die Probleme zwar noch nicht gelöst, aber immerhin ist VW dort eingestiegen. „Wir bedauern sehr, dass sich Wulff aus der gestaltenden Politik verabschieden will“, trauert Gerhard Schrader, der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende.

Der Bundeskanzlerin dürfte das nicht so unlieb sein. Denn das Verhältnis der beiden war in den vergangenen Jahren merklich abgekühlt. Schon früh hatte er sich mit der CDU-Novizin aus dem Osten angefreundet und sie auf dem Weg durch die Partei unterstützt. Am Krankenbett besuchte er die junge Ministerin im Kabinett Kohl und empfahl ihr seine JU-Bekannte Beate Baumann als Mitarbeiterin – die fröhliche Anglistin dient Merkel seit mittlerweile 15 Jahren als Büroleiterin und engste Vertraute. Wulff sah in ihr freilich bald die größte Gefahr für sein Verhältnis zur Vorsitzenden.

Denn das ist emotionaler als bei den meisten seiner Kollegen – ein stetes Auf und Ab. „Merkel kann ihm gar nicht so viel Aufmerksamkeit und Zuwendung geben, wie er erwartet“, resümiert ein langjähriger Wegbegleiter. Von der Chefin fühlte er sich nicht ausreichend eingebunden, revanchierte sich auch vor größeren Journalistenrunden mit abfälligen Bemerkungen über die Kanzlerin, der das flugs hinterbracht wurde. Wulff galt ihr bald als notorisch undichte Stelle in den Präsidiumssitzungen, nicht nur Merkel entwickelte ein ausgeprägtes Misstrauen.

Vor genau zwei Jahren versuchte Wulff spektakulär, sich aus der Schusslinie zu nehmen. Als Kanzler – und damit als Konkurrent Merkels – komme er nicht infrage. „Mir fehlt der unbedingte Wille zur Macht und die Bereitschaft, dem alles unterzuordnen.“ Er sei kein „Alpha-Tier“.

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