WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Bundesregierung Wahlkampfthema Rezession: Wer rettet schöner?

Seite 2/4

Gewinner heißten FDP und SPD

Meinungsforscher glauben, dass Merkel dabei einem doppelten Irrtum unterliegt: „Die Deutschen werden nicht wieder staatsgläubig“, sagt Manfred Güllner, Chef der Demoskopen bei Forsa, „in Wirklichkeit sind die Menschen zweifach verunsichert und orientierungsloser denn je: Sie misstrauen dem Privatisierungspathos der vergangenen Jahre – und sie glauben nicht im Mindesten daran, dass der Staat ihre Arbeitsplätze oder Renten sichern kann.“ Jeder zweite Deutsche, so Güllner, habe sich längst darauf eingerichtet, seinen Lebensstandard 2009 einzuschränken. Und je länger die Krise dauere, desto größer werde die Unzufriedenheit der Menschen mit der Arbeit der Bundesregierung.

Die Gewinner der Wirtschaftskrise dürften deshalb FDP und SPD sein. Beide lösen in ihrer Anhängerschaft am wenigsten Verunsicherung aus, beide beweisen in der Krise Standfestigkeit: die einen, weil sie den Marktliberalismus vor dem Zeitgeist in Sicherheit bringen – und die anderen, weil sie das sozialpolitische Vokabular des Zeitgeistes nicht erst seit der Krise beherrschen. Mindestlohn, Reichensteuer, Begrenzung der Managergehälter, Finanzmarktkontrollgesetze, Konjunkturpaket, Kurzarbeit, Arbeitszeitkonten, Weiterbildung – das sind die Stichworte der Stunde, mit denen die SPD den „vorsorgenden Sozialstaat“ industriepolitisch ausbuchstabiert.

Entsprechend stark schneiden SPD und FDP in Umfragen ab: Auf die Frage, wer sich in der Krise am meisten um die Belange der Arbeitnehmer kümmert, schlägt die SPD mit 39 Prozent alle anderen Parteien geradezu spektakulär aus dem Feld (Union: 16, FDP: 6). Und auf die Frage, wer die besten Rezepte gegen die Krise hat, kommt die FDP als Oppositionspartei auf immerhin zehn Prozent (Union: 20, SPD: 13).

Liberale profitieren von der Verunsicherung

Ausgerechnet die Liberalen also werden in der Krise des Liberalismus mit Zuneigung überschüttet. Sie sitzen in wichtigen Landesparlamenten auf der Regierungsbank und pendeln bei der Sonntagsfrage stabil um 16, 17 Prozent – traumhafte Werte für die kleine Partei; so traumhaft, dass die Freien Demokraten selbst an ihrem Realitätsgehalt zweifeln: Geht das wohl gut bis zu Wahl? Ja, sagt Richard Hilmer, Chef des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap. Er rechnet mit einem deutlich zweistelligen Ergebnis für die FDP. Doch warum zieht es die Menschen in dieser Krise, mitausgelöst von Regulierungsversagen, zur Partei der Deregulierer? Warum wenden sie sich ausgerechnet jetzt einer Partei zu, die das sagt, was sie immer schon gesagt hat: Steuern runter, Freiheit rauf? „Das Paradoxon des liberalen Erfolgs“, sagt Hilmer, „bedarf unbedingt der Erklärung.“

Seine geht so: Die FDP profitiert von der Verunsicherung der wirtschaftsnahen Klientel in der Union. Rund 1,6 Millionen CDU- und CSU-Stammwähler, zeigen Hilmers Analysen, würden heute für Guido Westerwelle und seine Partei votieren. Zuspruch erhält die FDP für „konsequent liberale Positionen in der Krise, für das Bekenntnis zu Steuersenkungen und ihre Geschlossenheit“, glaubt Hilmer. Und: Die Union laufe Gefahr, diese Wähler dauerhaft zu verlieren.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%