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Knauß kontert Wenn Wahlen keinen Spaziergang wert sind

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Vermeidung von Inhalten als Taktik

Also bleibt Schulz nur übrig, so zu tun, als attackiere er. Er kann, was er als echter Sozialdemokrat am liebsten tut, „soziale Gerechtigkeit“ einfordern. Schulz spricht in seinen Wahlreden oft von „den Konservativen“ – ein verzweifelter Versuch der Abgrenzung angesichts einer Union, die jeglichen Konservatismus unter Merkel völlig vergessen hat. Er wird es nicht schaffen, Merkel als Vertreterin sozialer Ungerechtigkeit bloßzustellen. Die Kanzlerin hat schließlich seit 2005 fast alles getan, um die Wünsche ihrer sozialdemokratischen Koalitionäre zu erfüllen.

Schulz und Merkel stehen sich politisch viel zu nahe, als dass es zu einem echten Duell, also einem Wettstreit grundlegend kontroverser Vorstellungen und Argumente kommen könnte. Schulz kann sein Vorhaben einer „Nationalen Bildungsallianz“ anpreisen. Die Kanzlerin wird ihn ins Leere laufen lassen. „Machen wir doch schon“, könnte sie sagen. Nur die Höhe der Bundesmittel für die Schulen ist vielleicht strittig. Und so ist es auf allen Politikfeldern: Die Unterschiede zwischen Merkel und Schulz sind allenfalls in technischen Details zu finden. Das wird die Zuschauer nicht vom Hocker reißen.

Angela Merkel und ihre Wahlstrategen im Konrad-Adenauer-Haus haben die Vermeidung inhaltlicher Kontroversen ganz offensichtlich zum eigentlichen Ziel erkoren. „Das große Ganze beginnt mit einem Ohr für die kleinen Dinge“ steht da unter Angela Merkels Bild zu lesen. Sollte sich eine Kanzlerin nicht lieber um die großen Probleme als um kleine Dinge kümmern? Die SPD kontert nicht weniger leer mit "Die Zukunft braucht neue Ideen. Und einen, der sie durchsetzt". Sie meint damit offenbar Schulz, der auf dem Bild zu sehen ist. Aber warum will sie nicht einfach die Ideen selbst präsentieren? Gibt es vielleicht gar keine?

Nichts aber ist charakteristischer für diesen von Inhalten und politischen Leidenschaften entkernten Nicht-Wahlkampf als das Plakat mit dem von seinen spielenden Kindern an den Baum gefesselten CDU-Opa und der Zeile: „Falls am Wahltag etwas dazwischen kommt – Für die CDU schon heute per Briefwahl stimmen.“  

Tatsächlich hat ein wachsender Teil der deutschen Bürger offenbar am 24. September etwas Besseres vor, als zum Wahllokal zu gehen. Fast ein Drittel der Wahlberechtigten (32 Prozent) will einer Umfrage von Yougov zufolge, per Brief seine beiden Stimmen abgeben. Wenn sich schon die Politiker so wenig Mühe geben mit diesen Wahlen, kann man von den wählenden Bürgern wirklich nicht erwarten, dass sie ihnen große Priorität in der Terminplanung einräumen.

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