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Letzte Umfragen vor der Wahl CDU und SPD verlieren, AfD drittstärkste Kraft

Unmittelbar vor der Wahl scheint die Siegerin festzustehen. Trotz absehbarer Verluste für die Union ist mit einer weiteren Amtszeit von Kanzlerin Merkel fest zu rechnen. Mit Spannung wird das Ergebnis der AfD erwartet.

Angela Merkel Quelle: REUTERS

Mit großem Vorsprung in den Umfragen gehen Angela Merkel und die Union in die Bundestagswahl am Sonntag. Allerdings müssen CDU und CSU mit deutlichen Verlusten gegenüber dem Ergebnis von 2013 rechnen. Letzte Umfragen sehen die Union zwischen 34 und 36 Prozent. Angesichts des dennoch sicher erscheinenden Wahlsiegs der Kanzlerin wird vor allem das Abschneiden der AfD mit Spannung erwartet. Die Partei könnte ein zweistelliges Ergebnis erzielen und als drittstärkste Kraft in das Parlament einziehen.

Völlig offen ist, mit welcher Koalition Merkel eine vierte Amtszeit als Kanzlerin antreten könnte. Neben einer Fortsetzung der großen Koalition mit der SPD könnte auch ein Jamaika-Bündnis aus Union, FDP und Grünen rechnerisch möglich sein. Ob es für eine Koalition nur aus CDU/CSU und FDP reicht, bleibt bis zuletzt ungewiss. Am Freitag boten die Parteien noch einmal ihr komplettes Spitzenpersonal zum Endspurt des Wahlkampfs auf.

Nach aktuellen, am Freitag veröffentlichten Umfragen steht die SPD mit ihrem Kanzlerkandidaten Martin Schulz bei 21 bis 22 Prozent. Die AfD käme auf 11 bis 13 Prozent, die Linke auf 9,5 bis 11, die FDP auf 9 bis 9,5 und die Grünen auf 7 bis 8 Prozent. Die Demoskopen betonen, die Zahlen gäben lediglich ein Stimmungsbild wieder und stellten keine Prognose für den Wahlausgang dar.

Bei der Bundestagswahl 2013 hatte die Union 41,5 Prozent bekommen, die SPD 25,7 Prozent, die Linke kam auf 8,6, die Grünen erreichten 8,4 Prozent. FDP (4,8) und AfD (4,7) scheiterten an der Fünf-Prozent-Hürde. Der großen Koalition von Union und SPD könnten damit Verluste von rund 10 Prozent gegenüber 2013 drohen.

Rund 61,5 Millionen Deutsche sind am Sonntag zur Wahl aufgerufen. Fast ein Drittel wollte Umfragen zufolge per Briefwahl abstimmen, so viele Wähler wie nie zuvor. 42 Parteien beteiligen sich an der Wahl. Die Wahllokale haben von 8.00 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet. Unmittelbar nach Schließung werden ARD und ZDF erste Prognosen zum Ergebnis veröffentlichen. Hochrechnungen folgen kurz darauf.

Bei einem Auftritt Merkels im hessischen Heppenheim versuchten knapp 100 Störer, die Kanzlerin am Reden zu hindern. Sie hielten auch Plakate der AfD hoch und riefen „Hau ab“ und „Lüge, Lüge“. Merkel ließ sich von ihnen nicht irritieren. An der Kundgebung nahmen laut Polizei insgesamt rund 3000 Menschen teil.

Was prominente Deutsche sich wünschen
Es war keine leichte Frage: Welche Idee würde ich in Deutschland umsetzen, wenn ich die Wahl hätte? Damit zog der Fotograf Stefan-Thomas Kröger durch Deutschland, um 40 Prominente aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft nach ihren Vorschlägen für ein zukunftsfähiges Deutschland zu fragen. Dann bat er sie, an einem Tisch, wie er hier im Festsaal von Schloss Heiligenberg in Schwaben steht (Foto), Platz zu nehmen für ein Porträt. Herausgekommen sind die Bilder und Wünsche, die Sie auf den folgenden Seiten sehen und nachlesen können. Das komplette Heft mit Stimmen und Fotos aller Promis können Sie hier herunterladen. Quelle: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche
„Ich würde vor allem in die Bildung junger Menschen investieren. Durchlässige und damit stabile Gesellschaften zeichnen sich dadurch aus, dass sie jedem – unabhängig von Herkunft und sozialem Hintergrund – die Chance auf Bildung geben.“ Ann-Kristin Achleitner, Professorin an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der TU München Quelle: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche
„Ich würde unsere kleineren und mittelständischen Unternehmen mit der besten digitalen Infrastruktur ausstatten und ihnen alle nötigen Investitionen ermöglichen, die nötig sind.“ Dorothee Bär, Staatssekretärin, Verkehrsministerium Quelle: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche
„Ich würde die junge Generation wieder für Europa begeistern und ein obligatorisches Schuljahr in einem anderen EU-Land einführen.“ Oliver Bäte, Vorstandschef, Allianz Quelle: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche
„Wenn ich die Wahl hätte, dann würde ich mir mehr Handlungswillen in einigen europäischen Mitgliedstaaten zur Lösung eigener Finanz- und Wirtschaftsprobleme wünschen. Noch so ausgeklügelte Wunschkataloge für ein optimiertes Europa bieten dafür keinen Ersatz. Ob es um mehr Wettbewerbsfähigkeit, mehr Beschäftigung, weniger Schulden oder mehr Stabilität der Banken geht – ohne entschlossenes Handeln vor Ort kommen wir nicht zum gemeinsamen Ziel. Es liegt in der Verantwortung der Mitgliedstaaten, ihre Reformversprechen umzusetzen. Jeder muss seine Aufgaben erledigen – für sich selbst und für Europa.“ Dr. Wolfgang Schäuble, MdB, Bundesminister der Finanzen Quelle: Dominik Butzmann für WirtschaftsWoche
„Ich würde den Solidaritätszuschlag in bisheriger Form abschaffen und das Geld für den Ausbau eines bundesweiten 5G-Mobilfunknetzes nutzen. Sobald das erreicht ist, gehört der Soli weg.“ Cornelius Baur, Deutschlandchef, McKinsey Quelle: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche
„Ich würde zur Unterstützung der lebendigen deutschen Filmkultur und -wirtschaft aufrufen: Das beginnt damit, dass von einem zentralen und attraktiven Film-Haus als Ort der Kreativität und Kommunikation nicht nur geredet wird. Und es hört noch lange nicht auf, wenn man auf europäischer Ebene nicht vergisst, dass es nur etwas zu vermarkten gibt, wenn die einfachsten Rechte der Urheber und Produzenten nicht ignoriert werden.“ Iris Berben, Schauspielerin und Präsidentin der Deutschen Filmakademie Quelle: Stefan Thomas Kröger für WirtschaftsWoche

Bei einem seiner letzten Wahlkampf-Auftritte wies Schulz den Vorwurf Merkels zurück, es sei kein Geld für Wahlversprechen der Sozialdemokraten da. In der Sendung „Kanzlercheck“ der ARD-Jugendradios sagte er: „Frau Merkel hat unrecht.“ Sie kenne offensichtlich die Zahlen ihres Finanzministers Wolfgang Schäuble (CDU) nicht. In Nürnberg attackierte Schulz die AfD. „Diese Organisation der Hetzer ist doch keine Alternative für Deutschland, sie ist eine Schande für die Bundesrepublik“, betonte er.

Merkel wollte am Abend gemeinsam mit der CSU in München ihren Wahlkampf offiziell beschließen. Die Grünen-Spitzenkandidaten Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt begannen einen „Wahl-Marathon“, der sie innerhalb von 42 Stunden noch einmal in alle 16 Bundesländer führen sollte. Bei einer Kundgebung in Berlin bekräftigte die Linke ihre Absicht, drittstärkste Partei zu werden. Es sei eine „üble Legende“, dass es keine Wechselstimmung in Deutschland gebe, sagte Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht.

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