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SPD Mit Wirtschaftspolitik läuft Schulz ins Leere

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Ein erfolgreicher Angriff auf Merkel ist fast unmöglich

Am Anfang profitierte Schulz vom Überraschungseffekt. Davon, dass er sich als politischer Außenseiter verkaufen konnte, als Aufsteiger, der frisch aufspielen konnte im festgefahrenen Berliner Politikbetrieb. Seine Partei inszenierte Schulz als Popstar, nahm Vorlagen aus dem Internet geschickt auf. Doch irgendwann merkten die Deutschen, dass Schulz kein Popstar ist, kein Schröder und auch kein Macron. Das Gefühl, dass mit Schulz ein neuer Spieler eingetreten sei ins politische Kräftemessen der Republik, war plötzlich weg.

„Jetzt befindet sich Martin Schulz in einer Zwickmühle“, sagt Kommunikationsexperte Maurer im Gespräch mit der WirtschaftsWoche. Schulz liege hinten, müsse also etwas tun. „Ihm bleibt nur der Angriff“, sagt Maurer. Allerdings zählt Maurer drei Dinge auf, die einen erfolgreichen Angriff erschweren.

Erster Punkt: Die aktuelle Themenlage. Die Leute interessiere derzeit vor allem die innere Sicherheit. Schulz dagegen habe lange auf soziale Gerechtigkeit gesetzt. „Den meisten Leuten geht es aber ganz gut“, sagt Maurer. Deswegen ziehe das Thema nicht. Überhaupt sei es fast unmöglich für Schulz aus dem Nichts seine Themen in den Vordergrund zu drängen. „Schulz kann nicht einfach sagen: ‚So jetzt reden wir über Wirtschaftspolitik‘, während der Rest der Republik über die G20-Randale und Sicherheit debattiert.“

Zweiter Punkt: Wer angreift, macht sich unbeliebt. „Mit Attacken kann man seine Stammwähler mobilisieren“, sagt Maurer. Gleichzeitig verschrecke man unentschlossene Wähler. „Die Leute mögen politische Schlammschlachten einfach nicht.“

Dritter Punkt: Das Paradoxon der konkreten Vorschläge. Schulz sei lange vorgehalten bloß auf Emotionen zu setzen und inhaltlich wage zu bleiben. Darauf habe Schulz mit allerlei konkreten Plänen und Konzepten reagiert. „Das Problem ist aber, dass die Wähler zwar konkrete Pläne fordern, sie aber nicht goutieren“, erklärt Maurer. Je konkreter ein Vorschlag sei, desto größer werde die Gefahr, bei bestimmten Wählern anzuecken. „Deswegen ist es leider eine gute Strategie, so unkonkret wie möglich zu bleiben.“

Genau das macht Merkel. Sie befinde sich allerdings in einer ganz anderen Ausgangslage. „Die Kanzlerin hat jede Menge außenpolitische Termine und kann sich somit als souveräne Staatsdienerin darstellen“, sagt Maurer. Innenpolitisch müsse sie sich deswegen kaum positionieren. „Sie kann also auch keine Leute verschrecken.“

Maurers Prognose für Schulz fällt deswegen pessimistisch aus. „Ich wüsste gar nicht, was man ihm in der derzeitigen Situation raten soll“, sagt der Kommunikationsprofi. Zu verzwickt die Lage für Schulz, zu komfortabel die Position der Kanzlerin. „Merkel kann sich eigentlich zurücklehnen und abwarten“, sagt Maurer. „Schulz hat nur noch eine Chance, wenn sich Merkel einen dicken Patzer erlaubt.“

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