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Die WiWo-Wahl-Wette: Es wird spannend

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Die FDP fischt mit ihrer Kampagne sehr zielgenau

Die emphatische Bejahung des Entfesselten, Künftigen und Möglichen ist nicht nur theoretisch niederschmetternd, weil gelingender Fortschritt in demokratischen Gesellschaften immer aus dem In- und Gegeneinander von neuen technischen Möglichkeiten und ihrer kulturellen Befragung resultiert. Sondern auch politisch frustrierend: als sei die Bedenkenlosigkeit der FDP (Selbstverpflichtungen der Wirtschaft, Deregulierung des Bankensektors, Wahrung des Bankgeheimnisses) stets Garant und nie Hemmschuh des Fortschritts gewesen.

Gleichwohl: Die FDP fischt mit ihrer Kampagne sehr zielgenau. Bei Menschen, die in der Union eine zweite SPD erblicken. Bei Gründern und Hipstern in den Städten. Und bei den Erstwählern der Facebook-Generation. Prognose: elf Prozent.

Schließlich die Grünen. Für sie müsste eigentlich alles perfekt laufen. Spektakuläre Wetterphänomene, Fipronil-Skandal und Diesel-Desaster - das Nachrichten-Drehbuch der vergangenen Wochen meint es wahrlich gut mit einer Partei, die sich dem Kampf gegen den Klimawandel, die Massentierhaltung und Autogesellschaft auf die Fahnen geschrieben hat.

Trotzdem tun sich die Grünen schwer - weil ihnen der irrationale Überschuss fehlt, der sie immer ausgezeichnet hat. Weil ihnen einer wie Jürgen Trittin fehlt, der auch mal zynisch und böse sein konnte, eine wie Claudia Roth, die auch mal nervte mit ihrem beseelten Engagement. Stattdessen sind die Grünen, neben der Union, die zweite Partei der Mitte: nie war der „Marsch durch die Institutionen“ so endgültig besiegelt wie in diesem Jahr.

Das Kuriose daran: Was die Winfried-Kretschmann-Grünen bei den Jungen und Linken verlieren, gewinnen sie auf Kosten der Union hinzu - unter Wählern, die sich der Mitte verpflichtet fühlen, die sich dabei aber wenigstens ein klein wenig in eine Richtung bewegen wollen, von der sie annehmen, es sei die richtige. Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir stehen Angela Merkel unter allen Spitzenkandidaten besonders nahe - und punkten gegenüber ihr auf der Zielgeraden mit dem kleinen moralischen Surplus, das sie auszeichnet: mit der Kraft der Guten, die die Welt ein klein wenig besser einrichten wollen als sie ist - wie schön. Prognose: zehn Prozent.

So. Und jetzt sind Sie dran, liebe Leser. Ran an die Fernseher am Sonntag. Und ran an die Urnen in drei Wochen. Auch wenn meine prognostiziertes Ergebnis ganz sicher eintreffen wird.

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