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Bundestagswahl 2021 Das Gespenst des Linksbündnisses ist tot

Noch im Rennen: Unionskandidat Armin Laschet Quelle: dpa

Die Union liegt dicht bei der SPD – und es wird keine Mehrheit für Rot-Grün-Rot geben. Laschet kann Jamaika anpeilen, denn das Linksbündnis fällt als Drohkulisse für Scholz aus. Ein Kommentar.

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Und wieder einmal haben die Demoskopen mit ihren Vorhersagen klar danebengelegen. Die Union verliert zwar wie prognostiziert ein gewaltiges Stimmenpotenzial im Vergleich zur Bundestagwahl 2017 unter Führung von Angela Merkel. Aber der Abstand zur SPD und ihrem Kanzlerkandidaten Olaf Scholz ist gering.

Fest steht am Tag nach der Wahl auch: Die rot-grün-rote Angstvision der Wirtschaft wird keine eigene Mehrheit erringen. Auch die Grünen schneiden schwächer ab als gedacht – und damit wird es keine Chance für Olaf Scholz geben, eine Koalition mit Grünen und SED-Erben als Drohkulisse aufzubauen. Für Christian Lindner und seine FDP dürfte es derweil schwer werden, den Gang in eine Ampelkoalition als Rettung des Vaterlands vor dem drohenden Linksbündnis zu rechtfertigen.

Armin Laschet, der chronisch Unterschätzte und oft schon Totgesagte, hat es offenbar gerade so geschafft, zur SPD in Schlagweite zu bleiben. Mit einer Elefantenhaut hat er Angriffe der politischen Gegner und ständige Sticheleien von Markus Söder ebenso ignoriert wie den Hohn und Spott in den sozialen Medien.

Es ist so etwas wie eine Nörgelstimmung entstanden, von der sich die Medien ebenso wie die Demoskopen offenbar zu stark haben beeindrucken lassen. Trotz erdrutschartiger Verluste hat Laschet mit dem sich abzeichnenden Ergebnis die Chance gewahrt, Kurs auf eine Jamaika-Koalition zu nehmen.

Gemeinsam mit FDP-Chef Lindner, der diese Option offen bevorzugt, müssen nun die enttäuschten Grünen für ein solches Bündnis gewonnen werden. Das wird viele Zugeständnisse erfordern, die in der Wirtschaft wie im bürgerlichen Lager noch für Unmut sorgen dürften. Aber wenn man die inhaltlichen Schnittmengen der Parteien nebeneinanderlegt, dann ist der Weg der Grünen zur Union immer noch kürzer als der Weg der Liberalen zur SPD.

Ob die von der Union versprochenen Steuersenkungen in einer Jamaika-Koalition möglich sind, muss eher bezweifelt werden. Aber das Modernisierungsjahrzehnt mit Bürokratieabbau, Investitionen in Klimaschutz und Digitales sowie eine Beschleunigung unserer Verwaltung sind in greifbarer Nähe.

Mit einem Satz: Das Schlimmste ist offenbar verhindert worden.

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