Bundestagswahl Die Große Koalition ist verhasst - aber wahrscheinlich

Die Wähler hätten sie gern, aber die Wahlkämpfer fürchten sie: Eine Koalition von Union und SPD könnte nach der Bundestagswahl ihre Neuauflage erleben.

Merkel und Steinbrück Quelle: dpa

Das Grässliche an der politischen Sommerpause ist, dass eigentlich nichts passiert. Aber auch das Herrliche an der Sommerpause ist, dass nichts passiert. Endlich bleibt mal Zeit, ausgiebig über Wahlausgänge und Koalitionen, Machtoptionen und Winkelzüge nach der Bundestagswahl zu spekulieren.

Noch knapp vierzig Tage, dann machen die Wähler allem Stellungsspielchentreiben der Parteien ein Ende – mit ihrem Kreuz am 22. September. Aber bis zum Wahlsonntag gibt es kein Halten. Farbenspiele werden lanciert und wieder dementiert, Avancen öffentlich ausgetestet, formelle Beschlüsse angekündigt oder aufgekündigt.

Bunte Gedankenspiele

Was gibt es schließlich nicht alles für spannende und weniger spannende Koalitionsgedankenspielchen, die von immer neuen Wahlumfragen befeuert werden: Schwarz-Gelb oder Rot-Grün natürlich, als die naheliegenden, klassischen Optionen, erstere mittlerweile wieder durchaus rechnerisch möglich, letztere so gut wie ausgeschlossen. Als exotische Außenseiter die Ampel von SPD, Grünen und FDP oder gar die Liaison von Schwarz und Grün. Und dann geistert da noch Rot-Rot-Grün durch die Landschaft, von der amtierenden Regierung im Wahlkampf als Schauermärchen höchst geschätzt. Gänzlich ungeachtet der Tatsache allerdings, dass nicht nur alle tonangebenden Sozialdemokraten, sondern auch das grüne Spitzenpersonal das Linksbündnis ausgeschlossen haben.

Also der Reihe nach. Der Ampel wollen die Liberalen noch vor der Wahl per Parteibeschluss eine definitive Absage erteilen. Offenbar schwingt immer noch die Angst mit, der Wähler könnte denken, man falle doch zu gern um in Richtung der Macht. Noch einmal vier Jahre Schwarz-Gelb oder eben Opposition, so sieht die Aussicht für die FDP aus. Punkt. Ein Bündnis von Union und Grünen wäre dagegen eine politische Sensation – und noch dazu eine mit einer satten Mehrheit im Bundestag. Doch Jürgen Trittin als Finanzminister am Kabinettstisch - diese Vorstellung dürfte für die meisten Konservativen der größte anzunehmende Albtraum sein. Die grüne Basis könnte rebellieren gegen den Ausverkauf der eigenen Ideale. im Bundesrat steht eine kaum zu überwindende Gegenmacht. Es hinge alles am kaum zu kalkulierenden Drang der betagten Grünen-Führungsriege, die letzte Chance aufs Regieren zu ergreifen. Koste es, was es wolle.

Steinbrücks Positionen

Spannend fürwahr, aber es ändert nichts: Wahrscheinlich ist das alles nicht. Das Ergebnis des vielen Hin und Her könnte deshalb am Ende viel simpler, viel langweiliger sein, als die meisten Politiker und mancher Wähler hoffen mag. Vieles spricht für  die Große Koalition, auch wenn dieser Wahlausgang selbst von zwei Nebenbedingungen abhängt. Die erste: Es langt nicht für eine Wiederwahl von Schwarz-Gelb (weil die FDP immer noch an der Fünf-Prozent-Hürde kratzt) und erst recht nicht für Rot-Grün (das ist jedenfalls ziemlich wahrscheinlich). Die zweite: Alle Ausschließeritis und alle Animositäten haben nach dem Wahltag wirklich Bestand. Dann kann sich weder Angela Merkel mit Hilfe der Grünen zur Kanzlerin wählen lassen, noch Peer Steinbrück von den Grünen und der FDP – oder gar von Gysi, Wagenknecht und Kollegen.

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