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Bundestagswahl Grimmige Stimmung in den SPD-Werbespots

In den Wahlspots der SPD reden echte Menschen über echte Probleme, Peer Steinbrück bleibt nur der Schlussakkord. Das alles passt zur Kampagne der Genossen. Aber vielleicht hätten mehr Biss und Humor der Sache gut getan.

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Peer Steinbrück, sagt Andrea Nahles, habe für den Wahlkampfspot der SPD vor allem einen Wunsch gehabt: Er wollte "nicht persönlich inszeniert werden". Nun, dem Wunsch sind die SPD-Generalsekretärin und die Werbeagentur nachgekommen. Aber dazu später mehr.

Über den Wahlkampf der Sozialdemokraten ist schon viel geschrieben worden, das meiste davon mit einer Bewertung zwischen mies und katastrophal. Und das meiste davon richtig. Dabei kann man jedoch der Wahlkampfzentrale "Kampa", deren Chefin Nahles ist, nicht nachsagen, dass der Kampagne des Jahres 2013 Linie, Idee und eine gewisse Konsistenz fehlen würde. Die entscheidende Frage ist vielmehr: Sind es die richtige Linie und die richtige Idee?

Technisch gesagt, läuft die Strategie auf maximalen Bürgerkontakt und Bürgernähe hinaus: Die SPD orchestriert nach eigener Aussage millionenfache Haustür-Besuche ihrer Bundestagskandidaten, die Klartext-Veranstaltungen Peer Steinbrücks basieren auf Frage und Antwort, nicht auf Frontalunterricht. Wähler konnten außerdem über die in ihren Augen wichtigsten Anliegen im SPD-Programm abstimmen. Das große Versprechen von Nahles: Im Sofort-Programm der SPD nach der Wahl werden die populärsten Punkte bevorzugt berücksichtigt.

Die Plakate nahmen das Bürgernah-Thema insofern konsequent auf, als dass auf den Bildern echte Menschen zu sehen sind.  Daran knüpft nun auch der TV-Spot an, der im privaten wie öffentlich-rechtlichen Fernsehen also auch online gezeigt wird.  Die SPD hat dafür ein Original-SPD-Rednerpult neun Tage durch die Republik gefahren und „normale, authentische Menschen“ (Nahles) nach ihren Themen und Erwartungen an die Politik gefragt.

Ein gutes Dutzend hat es in die Langfassung des Clips geschafft: Junge, Senioren, Familien mit Kindern, Alleinerziehende. Ihre Themen: Mindestlohn, Rente, Arbeit, Banken, Kinderbetreuung - passenderweise alles SPD-Themen. Die Protagonisten sind mit Schulterkamera gefilmt, betont wacklig, eine Inszenierung des Nicht-Inszenierten. Erst am Ende kommt dann erst der, um den es für die SPD geht: Peer Steinbrück.

Kein Humor

Mit diesen Prominenten schmücken sich die Parteien
Eine lange Liste prominenter Unterstützer kann die CDU auf sich vereinen. Für Designer Wolfgang Joop repräsentiert Angela Merkel "als Mensch und Kanzlerin ein Deutschland, in dem man gern zuhause ist." Quelle: dpa
Auch Schauspielerin Uschi Glas wirbt für Angela Merkel: Sie stehe für "Bescheidenheit statt Protzigkeit, Besonnenheit statt Hyperaktivität, Bestimmtheit statt Windfahnenpolitik." Quelle: dpa
Schauspieler Sascha Hehn (links) unterstützt Angela Merkel, "weil sich Deutschland in der heutigen Zeit nur die Beste an der Spitze des Staates leisten kann!" Quelle: dpa/dpaweb
Und Kickboxerin Christine Theiss (Mitte) mag an Angela Merkel ihren "unaufgeregten Regierungsstil, sie hält sich aus Hahnenkämpfen heraus. Sie vertritt Deutschland aber hart in der Sache und sehr zielsicher." Quelle: REUTERS
Der Schauspieler Heiner Lauterbach macht es kurz und schmerzlos. Er sagt: "Ich stimme für Angela Merkel, weil ich Ihr vertraue." Aber nicht nur die CDU hat prominente Fans und Unterstützer... Quelle: dpa
Sowohl der Schauspieler Leonard Lansink (links) als auch der Comedian Ingo Appelt unterstützen die SPD. Appelt ist nicht nur bei Wahlkampfveranstaltung im Wahlkreis von SPD-Parteichef Sigmar Gabriel aufgetreten, er besuchte auch eine SPD-Vorstandsklausur, um die Partei zu unterstützen. Quelle: dpa
Die Sängerin Nena wird wie auch Sänger Roland Kaiser Mitte August beim "Deutschlandfest" der SPD in Berlin auftreten – und sich dabei vermutlich auch auf einer Bühne mit SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück zeigen. Roland Kaiser jedenfalls hat sich bereits öffentlich zu Steinbrück bekannt. Quelle: dpa

Der Kanzlerkandidat wiederum steht hinter demselben Pult, allerdings offiziös im Berliner Willy-Brandt-Haus, makellos gepudert und mit akkurater Krawatte, und sagt, dass er Bundeskanzler werden will. "Weil in Deutschland etwas aus dem Lot geraten" sei. "Weil es in unserem Land wieder gerecht zugehen muss."

Nimmt man den Maßstab der vergangenen SPD-Kandidaten ist das tatsächlich eine Personalisierung nahe null. Frank-Walter Steinmeier ließ sich 2009 als engagierten Polit-Macher darstellen, Gerhard Schröder 2005 aus der Position des Amtsinhabers als kerniger Kanzler der Kontinuität. 1998 gab Schröder dafür mit üppig Pathos den nachdenklichen Staatenlenker - bereit fürs wichtigste Amt im Staat.

Themen des SPD-Wahlprogramms

Steinbrücks Präsenz hingegen ist minimal, und sie wirkt zudem merkwürdig aseptisch gegenüber den Lebenswirklichkeiten, die der SPD noch wenige Sekunden zuvor zeigt. Das mag nicht inszeniert sein, aber es wirkt dennoch fern. Zudem: Man kann das natürlich sofort als absichtliches Verstecken des unglücklichen Kandidaten interpretieren. Oder wie Andrea Nahles vom „Themenwahlkampf“ und „Mobilisierung“ reden, von den "unzensierten Menschen" in der Hauptrolle. Vielleicht entspricht es tatsächlich einfach nur dem Wunsch des Kandidaten, nicht mehr Faxen und Anbiederung machen zu müssen als unbedingt nötig. Sympathisch, fürwahr, es dürfte nur nicht reichen.

Deutschland



Vielleicht hätten der SPD ein paar Blicke ins Archiv geholfen, um dem schleppenden Wahlkampf zu etwas Witz und charmante Aggressivität zu verhelfen. Schon 2005 griff ein Spot die Positionslosigkeit der Herausforderin Angela Merkel an. Eine simple, aber treffende Attacke, die 2013 nach den zahlreichen inhaltlichen Kehrtwenden als Kanzlerin (Energiewende, Wehrpflicht, Mindestlohn, Euro-Rettung,  Frauenquote) erst recht wirken könnte.

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