Bundestagswahl Martin Schulz statistisch chancenlos

Ein Rückblick auf vorherige Wahlen zeigt: Wer vier Monate vorher in den Umfragen vorne liegt, gewinnt auch die Bundestagswahl. Mit einer Ausnahme.

Reaktionen zur Landtagswahl
CDUDie CDU feiert ihren Wahlerfolg mit großem Jubel.
SPD Ein weiteres Mal abgestraft. Lange Gesichter nach der Wahlschlappe bei der SPD. Quelle: REUTERS
Michael Grosse-Brömer, Parlamentarischer Geschäftsführer der Unions-Fraktion (CDU) "Das ist ein riesiger Erfolg für Armin Laschet, für die CDU und natürlich für Angela Merkel." Quelle: dpa
Karl Lauterbach, Gesundheitsexperte (SPD)"Die Landesregierung ist abgelöst worden. Wir haben keines unserer Wahlziele erreicht. Eine schwere Niederlage, die wir nicht beschönigen können. Aber hier ist über die Landespolitik abgestimmt worden, nicht über die Bundespolitik." Quelle: AP
Ralf Stegner, SPD-Bundesvize (SPD)"Das ist eine wirklich herbe Niederlage, die tut uns ordentlich weh. Das ist, wenn das im Stammland der SPD passiert, ein Leberhaken für die Bundespartei. Der Boxer SPD hat einen Leberhaken bekommen, aber er steht noch und der Bundestagswahlkampf wird heißen: Angela Merkel oder Martin Schulz." Quelle: dpa
Hermann Gröhe, Bundesgesundheitsminister (CDU)"Ich bin begeistert, dass wir diese Aufholjagd hingelegt haben. Drei große Aufholjagden: im Saarland, in Schleswig-Holstein und jetzt in Nordrhein-Westfalen.""Es gab Rückenwind, aber es war eine Entscheidung über die Landespolitik.""Es war ein Scheitern von Rot-Grün im Land." Quelle: dpa
Frauke Petry - AfD-BundesvorsitzendeDie AfD-Vorsitzende Frauke Petry hat sich zufrieden über das Ergebnis ihrer Partei bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen geäußert. „Wir wünschen uns für den Bundestagswahlkampf und für die Wahl am 24. September noch mehr, aber wir sind sehr zufrieden mit einem derartigen Ergebnis für dieses größte Bundesland“, sagte Petry am Sonntagabend in der ARD. Erste Hochrechnungen zeigten die AfD bei gut sieben Prozent. Quelle: dpa
Katarina Barley - Generalsekretärin der Bundes-SPDDie SPD kann nach den Worten von Generalsekretärin Katarina Barley auch nach der Niederlage in Nordrhein-Westfalen auf einen Sieg bei der Bundestagswahl hoffen. "Das Potenzial ist da. Wir müssen es heben. Dafür haben wir noch vier Monate Zeit", sagte sie am Sonntag in der ARD. Die SPD habe in Umfragen auf Bundesebene ja schon auf Augenhöhe mit der Union gestanden. Die Niederlage im Stammland NRW sei aber ein ganz bitterer Tag für die SPD. "Dort zu verlieren ist besonders hart." Die wichtigsten Gründe dafür seien aber keine bundespolitischen gewesen. "Aber natürlich müssen wir auch hier schauen, ob wir das Thema Gerechtigkeit richtig rübergebracht haben." Quelle: dpa
Martin Schulz - SPD-Vorsitzende und Kanzlerkandidat"Das ist ein schwerer Tag für die SPD und für mich selbst. Ich stamme aus dem Land, in dem wir eine krachende Wahlniederlage erlitten haben. Wir sind eine kampferprobte Partei und bis zur Bundestagswahl ist es noch ein langer Weg." Quelle: dpa
Peter Tauber, Generalsekretär (CDU)Auf die Frage, ob SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz nach der Abwahl der SPD im bevölkerungsreichsten Bundesland ein Herausforderer auf Augenhöhe bleibe, sagte Tauber: „Natürlich. Wir haben immer gesagt, es geht um die Auseinandersetzung, ob wir im Kanzleramt sitzen oder die Sozialdemokraten. Aber wir reden über unsere Politik, über unser Programm. Und die SPD muss selber sehen, wo sie bleibt.“ Quelle: REUTERS
sensationelles, ein super Ergebnis“, sagte sie am Sonntagabend in der ARD. Die AfD habe ihren „Negativtrend“ der letzten Zeit „klar durchbrochen“. „Wir haben eine ganz klare Trendumkehr.“ Quelle: dpa
"Ich habe immer gesagt, wir wollen mit allen Demokraten reden. Quelle: dpa
"Die Entscheidungen, die getroffen worden sind, dafür übernehme ich persönlich die Verantwortung Quelle: AP
„Die Themen der Grünen sind nicht abgewählt worden, sondern die Regierungspolitik ist abgewählt worden“, Quelle: dpa

Statistisch gesehen hat der SPD-Kanzlerkandidat bei den anstehenden Bundestagswahlen im September 2017 schon verloren. Das zeigt eine Betrachtung der vergangenen Wahlen. So führten CDU/CSU Mitte Mai 2013 in den Umfragen von ARD und ZDF mit 41 Prozent, die SPD kam auf 26 bzw. 29 Prozent, am Ende ging die Bundestagswahl 2013 mit 41,5 Prozent zu 25,7 Prozent zugunsten von Unionsspitzenkandidatin Angela Merkel aus. Der damalige SPD-Herausforderer hieß Peer Steinbrück.

Vor acht Jahren führte die Union im Mai 2009 bei den Sonntagsfragen von ARD und ZDF mit 34/37 Prozent, die SPD wurde auf 27 Prozent taxiert. Am 27. September 2009 ging Merkel mit 33,8 Prozent durchs Ziel, Herausforderer Frank -Walter Steinmeier sackte auf 23,0 Prozent ab und fuhr damit ein historisch schlechtes Wahlergebnis für die SPD ein. Damals kam die FDP mit 14,6 Prozent auf ihr bestes Ergebnis – das hatten die Demoskopen vier Monate zuvor genauso auch eingeschätzt. 2013 sagten die Wahlforscher übrigens auch das Ausscheiden der Liberalen aus dem Bundestag voraus.

Im Jahr 2005 führten CDU und CSU Mitte Mai noch mit satten 45-46 Prozent, die SPD lag abgeschlagen bei 30 Prozent. Doch dann startete der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder eine furiose Aufholjagd, und auch die Reformagenda begann ihre ersten positiven Wirkungen für die Wirtschaft und die Arbeitsplätze zu entfalten. Am 18. September 2005 kam die SPD auf 34,2 Prozent, während sich die Union mit 35,2 Prozent ins Ziel rettete - und noch knapp gewann. Es reichte für Herausforderin Angela Merkel, die eine große Koalition mit der SPD als Juniorpartner bildete.

Anders entwickelte sich der Stimmungsverlauf hingegen 2002: Auch in diesem Jahr konnte die SPD zunächst einmal einen Mai-Rückstand aufholen, sie kam am Ende auf 38,5 Prozent wie auch die Union. Anders als 2005 konnte die SPD in einer rot-grünen Regierung unter dem Duo Gerhard Schröder und Joschka Fischer weiter regieren. Zweifellos profitierten die Sozialdemokraten zu der Zeit von ihrem charismatischen Spitzenmann Schröder, der radikal auf eine Modernisierung des Standorts Deutschland und einen schlankeren Sozialstaat setzte („Fordern und Fördern“).

Genau von Schröders Agenda 2010 hat sich der aktuelle SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz gleich zu Beginn des Jahres distanziert. Er setzt (bisher) auf einen Gerechtigkeitswahlkampf. Der zündete bei den vergangenen drei Landtagswahlen im Saarland, in Schleswig-Holstein und nun in NRW nicht, soweit man von einem Ausstrahleffekt von Schulz auf die Landtagswahlen sprechen kann.

Sollte Schulz in den verbleibenden vier Monaten nicht noch einen fulminanten Endspurt à la Schröder hinlegen, wäre sein Schicksal – statistisch gesehen – besiegelt. Aktuell kommt die SPD beim ARD Deutschland Trend nur noch auf 27 Prozent,  Merkels Union dagegen auf 37 Prozent. Die FDP liegt übrigens derzeit bundesweit bei acht Prozent, gleichauf mit den Grünen und einen Punkt vor den Linken. Die AfD käme auf 10 Prozent.



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