Bundestagswahl Merkels Hürden im Wahlkampf-Schlussspurt

Mögen auch noch so viele Menschen den Wahlkampf langweilig finden - Kämpferin Merkel tut es nicht. Das und ihre Künste als Autofahrerin und noch vieles mehr erfuhren die Zuschauer der ARD-„Wahlarena“.

Bundeskanzlerin Angela Merkel stellte sich in der Wahlarena live den Fragen von Studiogästen. Quelle: dpa

Genau davor hatte sich die Union von Angela Merkel gefürchtet: Monatelang läuft alles wie am Schnürchen - hervorragende Umfragewerte, kein großer Koalitionsstreit, keine Personalquerelen. Und dann das. Wenige Tage vor der Bundestagswahl bricht ein Problem über die Kanzlerin herein, das sie nicht in der Hand hat und mit dem sie kaum punkten kann. Ein Thema, bei dem laut Umfragen fast drei Viertel der Deutschen die Auffassung der Linken teilen: der Bürgerkrieg in Syrien und der mögliche Militärschlag der USA gegen das Assad-Regime wegen eines vermuteten Giftgaseinsatzes im Land. Die große Mehrheit der Bürger lehnt ein militärisches Eingreifen ab.
Die Union hatte intern früh Bedenken angemeldet, dass der Wahlkampf zu gut laufe. Die eigenen Anhänger seien überzeugt, dass Merkel Kanzlerin bleibe. Dabei hänge ihre dritte Kanzlerschaft am seidenen Faden. Denn sollte es nicht für eine Neuauflage von Schwarz-Gelb reichen, sei alles offen. Deshalb kann die CDU, allen voran ihre Parteivorsitzende Merkel, die allgemeine Klage über einen langweiligen Wahlkampf auch nicht nachvollziehen.

Was Schwarz-Gelb nicht geschafft hat

In der ARD-„Wahlarena“ antwortete Merkel am Montagabend so auch auf die Frage, als wie spannend sie den Wahlkampf auf einer Skala von Eins bis Zehn bewerten würden: „Nah an 10“. Auffallend bemühte sich die sonst stets nüchtern argumentierende Physikerin um Herzblut. Für ihre Kritiker in Südeuropa habe sie ein „weiches Herz“. Besser Protest als Schweigen, erklärt sie den 150 Fragen stellenden Wählern in der Live-Sendung. Denn sonst könne die Politik die Menschen nicht mehr erreichen. Und sie betont, sie sei eine „Herzenseuropäerin“, die enthusiastisch für Europa kämpfe. „Manchmal ist Politik auch, die Herzen der Menschen zu erreichen.“
Die Euro-Rettung gehört zu den drei Rechnungen mit Unbekannten, die die Christdemokraten seit langem auf dem Zettel für den Schlussspurt im Wahlkampf haben. Ihre Sorge: Die Euro-Krise bricht neu auf - hier halten Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) mit ihrer Offensive für ein drittes Griechenland die Debatte in Grenzen. Zu ihren viel größeren Sorgen über die schlechte Finanzlage in Italien und die Gefahren für Reformen in Frankreich schweigen sie hingegen weitgehend.

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