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Bundestagswahl So würde Ihr Portemonnaie wählen

Mit der Bundestagswahl werden wichtige finanzpolitische Weichen neu gestellt. Wie unterscheiden sich die Steuerpläne der Parteien? Wer profitiert, wer zahlt drauf? Die große Analyse.

Wie bleibt auch nach der Wahlentscheidung viel Geld im Portemonnaie? Wir haben den Check gemacht und die Abgabepläne der Parteien untersucht.

Wenn Andreas Hettich die Parteiprogramme auf die Folgen für sein Portemonnaie abklopft, dann bleiben für ihn "eigentlich nur Union und FDP übrig". Nicht wegen der Abmilderung der kalten Progression oder der Abschaffung des Soli – was die Liberalen vollmundig fordern. Bescheiden meint Hettig: "Ich wäre schon zufrieden, wenn sich mal nichts ändert." Getrieben wird die Bescheidenheit von – Angst.

Der Mittvierziger, Inhaber eines ostwestfälischen Familienunternehmens, das Möbelscharniere herstellt, fürchtet, Rot-Grün könnte das 1888 gegründete Familienunternehmen "deutlich zurückwerfen". Deshalb schrieb Hettich an den ansässigen SPD-Bundestagsabgeordneten Stefan Schwartze und setzte den Spitzenkandidaten Peer Steinbrück in Kopie. Seine Firma mit 3000 Beschäftigten in Deutschland müsste wegen der geplanten Vermögensteuer das "jährliche Investitionsbudget von rund 80 Mio. Euro auf etwa 50 Mio. Euro kürzen", rechnet Hettich darin vor und fügt empört hinzu: "Das legt den Schluss nahe, dass amerikanische Hedgefonds oder chinesische Staatsfonds als Unternehmenseigentümer lieber gesehen werden als deutsche Familien."

Die Wahl hat große Folgen für den Geldbeutel

Der Fall zeigt: Wie keine andere Bevölkerungsgruppe wühlt die am 22. September 2013 anstehende Bundestagswahl die Seele der Unternehmer auf. Seit Monaten laufen sie Sturm gegen die geplante Wiedereinführung der Vermögensteuer beziehungsweise die Idee einer grünen Vermögensabgabe. Für sie ist der Wahlkampf alles andere als langweilig oder inhaltsarm.

Doch nicht nur für Unternehmer ist der kommende Sonntag ein Schicksalstag. Selten haben die Parteien derart konträre Alternativen für den Geldbeutel geboten wie dieses Mal. Das ist das Ergebnis einer WirtschaftsWoche-Analyse der einzelnen Wahlprogramme.

Was die Wahlprogramme über die Verteilungspolitik der Parteien verraten

Welche monetären Vor- und Nachteile die Parteien für Beschäftigte und Familien, für Geringverdiener, Unternehmer und Erben in petto haben, rechnete das Forschungsinstitut des Bundes der Steuerzahler (DSi) im Auftrag der WirtschaftsWoche durch. Angenommen wurde dabei eine – durch keine Koalitionskompromisse verwässerte – Umsetzung der jeweiligen steuerpolitischen Wahlaussagen. Herausgekommen ist eine Übersicht für Privathaushalte mit Jahreseinkommen zwischen 20 000 und einer Million Euro. Jeder Bürger kann hier ablesen, welch gravierende Folgen sein Kreuzchen in der Wahlkabine für sein Portemonnaie haben kann.

Vermögenssteuer, Steuersätze und Ehegattensplitting

Im Portfolio der Parteien sind Vermögensteuer und Spitzensteuersatz nur zwei Aspekte, die auf die Brieftasche schlagen könnten. Eine weitere ist das Ehegattensplitting. Die Oppositionsparteien möchten es abschaffen oder stark einschränken und durch andere Konstruktionen mit speziellen Kinderkomponenten ersetzen – stets in der Absicht, zugunsten von Geringverdienern umzuschichten. Damit nicht genug. Über die Sozialkassen wollen die linken Parteien ebenfalls umverteilen. Allein eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze zur gesetzlichen Krankenkasse auf das Niveau der Rentenversicherung würde für die Mittelschicht zu monatlichen Mehrbelastungen von bis zu 172 Euro führen.

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