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Bundestagswahl „Was ich von SPD und Grünen lese, entspricht nicht den liberalen Vorstellungen“

Harald Christ ist FDP-Schatzmeister, Unternehmer und war Mitbegründer des SPD-Wirtschaftsforums. Quelle: PR

FDP-Schatzmeister Harald Christ gilt als Brückenbauer der Liberalen zur SPD. Vor dem Liberalen-Parteitag am Sonntag aber unterstreicht er die Linie seines Parteichefs Christian Lindner: tiefe Skepsis, ob eine Ampelkoalition mit Grünen und Sozialdemokraten inhaltlich machbar ist.

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Als Harald Christ unter Protest die SPD verließ und wenig später der FDP beitrat, war die Interpretation schnell zu Hand: Der Unternehmer, einst Mittelstandsbeauftragter der Sozialdemokraten und Mitbegründer des SPD-Wirtschaftsforums, würde von nun an helfen, die arg strapazierten Bande zwischen Liberalen und Genossen fester zu knüpfen. 

Gemeinsam mit FDP-Generalsekretär Volker Wissing, selbst Architekt einer Ampel-Koalition in Rheinland-Pfalz, und FDP-Vize Johannes Vogel galt Christ schnell als profiliertester Ampelmann der Freien Demokraten. Als jemand, der die politischen Machtoptionen der Partei weiten könnte. Frei nach dem Motto: Jamaika, Deutschland oder Ampel? Hauptsache FDP.

Umso interessanter ist, was Christ – mittlerweile Schatzmeister seiner nicht mehr ganz so neuen politischen Heimat – nun zu rot-gelb-grünen Koalitionsoptionen zu sagen hat, knapp eine Woche vor der Bundestagswahl und einen Tag, bevor die FDP noch einmal auf einem Parteitag die letzten Mobilisierungsversuche unternimmt: er unterstützt vollumfänglich die ausgesprochen skeptische Linie seines Parteichefs, der nicht müde wird, die Differenzen zu Olaf Scholz und Annalena Baerbock zu betonen.



„Alles, was ich höre und lese im Wahlkampf von der SPD und den Grünen, entspricht nicht den Vorstellungen der Freien Demokraten, wie wir das Land gestalten wollen“, sagte Christ der WirtschaftsWoche. „Daher teile ich vollumfänglich die Skepsis meines Vorsitzenden, Christian Lindner.“

Der wiederum hatte jüngst erst im WirtschaftsWoche-Interview unterstrichen, er könne sich kein Angebot von Olaf Scholz vorstellen, „das zugleich Saskia Esken und Kevin Kühnert akzeptieren“. Damit war der Ton gesetzt. Die FDP wird sich teuer zu verkaufen versuchen.

Lindner erklärt seit Wochen ziemlich unverblümt den Anspruch der FDP und seiner selbst aufs Finanzministerium – sollte die Partei denn in eine Regierung eintreten. Und er verbindet die Ressortforderung mit roten Linien in der Finanzpolitik: keine Steuererhöhungen und kein Aufweichen der Schuldenbremse (wann letztere genau wieder eingehalten werden kann, lässt er dabei praktischerweise offen...).

Christ fügt diesem Katalog nun noch ein paar Facetten hinzu. Ein liberales Kernprojekt für die kommende Regierung sei aus seiner Sicht beispielsweise die Aktienrente, also eine neue „Sachwertorientierung“ in der gesetzlichen Alterssicherungspolitik. Zudem wolle die FDP „die notwendige ökologische Transformation durch mehr Innovation, Forschung und Entwicklung fördern und nicht wie die Grünen oder die SPD mit immer mehr Verboten und Regularien“.

Die Liberalen, so Christ weiter, wollten „den sozialen Aufstieg durch kraftvolle Investitionen in Bildung und Flexibilisierung entlang der Lebenszyklen gestalten“. Das war auch schon sein Thema bei der SPD, drang damit dort jedoch nie so recht durch.

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Reicht dieses inhaltliche Angebot für ein Ergebnis oberhalb von 13 Prozent? Also für spürbar mehr als die 10,7 Prozent, mit denen die FDP 2017 in den Bundestag zurückkehrte? Christ, ganz Wahlkämpfer, versprüht Optimismus: „Wer eine Linksverschiebung verhindern will, wird FDP wählen“, sagt er. Und ja: ein „Ergebnis von oberhalb 13 Prozent ist möglich“.

Dann müsste sie nur noch, anders als 2017, auch tatsächlich regieren wollen.

Mehr zum Thema: Dass Armin Laschet Kanzler wird, ist für Christian Lindner nicht mehr sicher. Kommt also die Ampel? Ein Gespräch mit dem FDP-Chef über Lurche, Lastenräder und einen liberalen Chinakurs.

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