Bundeswehr Gezerre um den Tornado-Ersatz

Tornado-Kampfjet Quelle: dpa

Die Bundesregierung will den in die Tage gekommen Kampfflieger Tornado ersetzen und liebäugelt mit dem Kauf von US-Kampfjets. Die Planspiele sorgen in Frankreich für Irritationen.

Die Luftwaffe ist stolz auf den Tornado. Auf den Webseiten präsentiert die Bundeswehr das Kampfflugzeug als Wunderwaffe der Lüfte. Besonderes Merkmal des Tornados sei „sein hohes Eindringvermögen durch seine exzellente Fähigkeit zum Tiefstflug in Baumwipfelhöhe“. Der Jet fliegt in Schallgeschwindigkeit in 60 Meter Höhe „bei nahezu jeder Wetterlage“. Im reinen Sichtflug sind gar 30 Meter möglich. Deutschland nutzt den Tornado als Jagdbomber und Aufklärungsflugzeug.

Doch die Jahre des Fliegers sind gezählt. Der von Italien, Großbritannien und Deutschland in den Achtzigerjahren entwickelte Jet wird bald ausgemustert. Schon heute sind nur noch 85 Einheiten im Einsatz. Gekauft wurden einst 357 Flugzeuge. Klar ist: Spätestens ab 2025 muss eine neue Lösung her. Und die ist gar nicht so einfach. Denn der Tornado spielt bei der Bundeswehr eine Sonderrolle, da er auch die Aufgabe der nuklearen Teilhabe erfüllt. Im Notfall müssten die Tornados die in Deutschland stationierten Atombomben zu ihren Zielen tragen.

Die Luftwaffe hat nun mehrere Planspiele entworfen. Und die sorgen für kräftiges Gezeter in Politik und Industrie.

Variante 1: Die Bundeswehr behält die arg reduzierte Flotte von Tornados. Doch ständige Reparaturen würden einen wirtschaftlichen Betrieb auf Dauer unmöglich machen. Die Variante wird daher nicht ernsthaft verfolgt.

Variante 2: Die Bundeswehr kauft einen neuen Jet. Doch hier gibt es nur wenige Flugzeuge im Markt. Die Luftwaffe könnte den Eurofighter beschaffen, von dem sie bereits etliche Exemplare im Einsatz hat. Doch der Jet müsste weiterentwickelt werden. Oder Deutschland kauft US-Kampfjets. Im Gespräch sind die F-35 oder ältere Muster wie die F-16.

Die Frage ist weiter offen. Zwar hat sich das Verteidigungsministerium als bevorzugte Variante für eine Weiterentwicklung des Eurofighters ausgesprochen. Das europäische Kampfflugzeug werde „primär betrachtet“, heißt es aus Ministeriumskreisen. Doch das Haus prüfe „sekundär auch die drei US-amerikanischen Muster“, also Varianten der Flugzeuge F-15, F-18 und F-35. „Eine Entscheidung von Seiten der Bundesregierung wird erst nach Vorliegen und der Auswertung aller Ergebnisse getroffen werden können“, heißt es aus Kreisen des Verteidigungsministeriums.

Die noch ungelöste Frage sorgt vor allem in Frankreich für Irritation. „Wenn es in Europa industrielle und technologische Kapazitäten gibt, warum suchen wir sie dann außerhalb unserer Grenzen“, sagte Patrice Caine, Vorstandschef des Rüstungskonzerns Thales. Andere große Nationen würden das nie machen. „Die USA kaufen Rüstungsgüter nie außerhalb, wenn sie in der Lage sind, sie auf eigenem Boden herzustellen“, sagt Caine. China denke ähnlich. „Ich glaube, das ist ein gesunder Menschenverstand, den sich Europa aneignen sollte.“

Thales würde von dem Eurofighter vor allem als Zulieferer profitieren. Der französische Staat ist mit 26 Prozent größter Anteilseigner von Thales. Ohnehin hofft die europäische Flugindustrie auf einen neuen Deal zwischen Deutschland und Frankreich. Beide Länder wollen bei der Rüstung enger zusammen arbeiten, versprachen sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron vergangenes Jahr. Die geplante Kooperation sieht auch die Entwicklung eines Ersatz-Fliegers für den Eurofighter vor. Doch der derzeitige Eurofighter wurde 20 Jahre lang geplant und entwickelt. Die neue Maschine käme wohl frühestens 2038.

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