Bundeswehr setzt Eurofighter-Abnahme aus Schon wieder Ärger mit dem Problem-Flieger

Der Kampfjet Eurofighter sorgt wieder für Probleme: Die Bundeswehr setzte die Abnahme weiterer Flieger aus. Der Grund sind erneute Fertigungsmängel.

Ein Kampfflugzeug der Deutschen Luftwaffe vom Typ Eurofighter rollt auf dem Flugplatz in Wittmund zum Start. Quelle: dpa

Das Verteidigungsministerium hat die Beschaffung von „Eurofighter“-Kampfjets wegen eines Fertigungsfehlers vorerst gestoppt. Bei der Panne gehe es um mangelhafte Bohrungen zwischen dem hinteren Rumpf und dem Leitwerk, heißt es in einem Schreiben des Ministeriums an die Fachausschüsse des Bundestags, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. „In der Folge dieses Mangels kann eine Schädigung der Struktur des Luftfahrzeuges und der Schraubverbindungen in diesem Bereich im Rahmen der Nutzung nicht ausgeschlossen werden.“

Der laufende Flugbetrieb werde aber nicht beeinträchtigt, heißt es weiter. Vier „Eurofighter“ sind derzeit zur Luftraumüberwachung über dem Baltikum in Einsatz.

Das Herstellerkonsortium aus dem europäischen Luftfahrtkonzern Airbus, der britischen BAE Systems und der italienischen Alenia Aermacchi hat von 143 bestellten „Eurofightern“ bisher 110 ausgeliefert, die alle von dem Fehler betroffen sind. Die restlichen 33 soll die Bundeswehr bis 2018 erhalten. Die Abnahme weiterer Flieger wurde nun ausgesetzt, um den Fehler und mögliche Gewährleistungsansprüche zu prüfen.

Armee mit Schrott
Helme der Bundeswehr Quelle: dpa
Der Puma-Panzer ist nicht zu bremsen Quelle: dpa
Eine Rekrutin der Bundeswehr sichert auf einem Truppenübungsplatz eine Patrouille. Quelle: dpa
Mitte September 2014 sorgte diese Panne für Aufsehen und lenkte die öffentliche Aufmerksamkeit nach längerer Zeit wieder auf die Ausrüstungsmängel bei der deutschen Bundeswehr: Weil die Transall-Maschinen der Bundeswehr technische Defekte aufwiesen, konnten die Ausbilder, die kurdische Peschmerga-Kämpfer bei ihrer Arbeit gegen den radikal islamischen IS im Irak vorerst nicht zu ihrer Mission aufbrechen. Sie mussten die Maschinen auf dem Militärflugplatz Hohn wieder verlassen. Es ist die jüngste, aber bei weitem nicht die erste Blamage in Sachen Bundeswehrausrüstung. Quelle: AP
Wie jetzt durch einen Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ bekannt wurde, gab es auch bei den Bordhubschraubern vom Typ Sea Lynx der Marine erhebliche Ausfälle. Von 22 Maschinen sei keine einzige einsatzbereit, so das Blatt, was sich nach dem der „SZ“ vorliegenden internen Dokument 2014 auch nicht mehr ändern werde. Im Juni wurde demnach in einem Modell einer Fregatte ein 20 Zentimeter langer Riss entdeckt, woraufhin der komplette Betrieb mit dem Modell zunächst eingestellt wurde. Wohl zu Recht: Danach wurden an drei weiteren Hubschraubern ähnliche Schäden gefunden. Quelle: dpa
Bereits im August gab es Berichte über nur bedingt einsatzfähiges Bundeswehrmaterial. So meldete das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ unter Berufung auf ein internes Dokument des Verteidigungsministeriums, von den hier Schau fliegenden Kampfjets des Typs Eurofighter seien nur acht von 109 Maschinen voll einsatzbereit. Von 67 CH-53-Transporthubschraubern konnten demnach im August ebenfalls nur sieben in die Lüfte gehen. Quelle: dpa
Und auch die Bundeswehrhubschrauber vom Typ NH-90 glänzten nicht gerade mit Bereitschaft: Laut „Spiegel“ waren im Sommer nur fünf von 33 voll intakt, während unter den Transall-Maschinen des Typs C-160 auch damals nur 21 flugtüchtig waren. Quelle: dpa

Airbus bestätigte, dass BAE Systems ein Qualitätsproblem festgestellt habe. Aber „dieser Vorfall beeinträchtigt weder die Flugsicherheit noch die operationelle Einsatzfähigkeit des Eurofighters. Auch die Lebensdauer der Flugzeuge ist davon nicht betroffen“, erklärte ein Sprecher.

Der „Eurofighter“ gehört zu den Rüstungsprojekten, die dem Ministerium in den vergangenen Jahren am meisten Probleme bereitet haben. Die Produktion liegt inzwischen elf Jahre und vier Monate hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurück. Der Flieger hat sich nach Ministeriumsangaben um 6,9 Milliarden Euro verteuert. Das entspricht einer Kostensteigerung von 39 Prozent.

Über den neuen Fehler hatte zuerst die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet. Schon im vergangenen Jahr gab es Probleme mit Nietenbohrungen am Rumpf, im Jahr davor gab es eine Panne bei den Schleudersitzen. Die Einsatzbereitschaft der „Eurofighter lag vor einem Jahr bei 39 Prozent. Aktuelle Zahlen gibt es zwar nicht. Aus der Luftwaffe heißt es aber, dass es bis heute keine wesentliche Verbesserung gibt, weil die Anlieferung von Ersatzteilen etwa zwei Jahre dauert.

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„Der Eurofighter entwickelt sich zunehmend zum Problembär der Luftwaffe“, sagte Grünen-Haushaltsexperte Tobias Lindner. „Im Ergebnis hat die Bundeswehr ein Flugzeug, von dem sie nicht weiß, ob es tatsächlich die Flugstunden leisten können wird, für die es bestellt worden war.“ Die Bundeswehr sollte von neuen Rüstungsprojekten mit den Herstellern Abstand nehmen, bis Schadensersatzforderung, Liefer- und Leistungspläne geklärt seien, forderte Lindner.

Der verteidigungspolitische Sprecher der Linksfraktion, Alexander Neu, erklärte: „Abgesehen von der sicherheitspolitischen Unsinnigkeit der Beschaffung dieses Waffensystems sind die finanziellen Belastungen für den Steuerzahler absolut inakzeptabel.“

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