Bundeswehr Wehrdienst für Ausländer? Militäranalyst skeptisch

Boris Pistorius Quelle: imago images

Verteidigungsminister Boris Pistorius denkt laut darüber nach, die Bundeswehr auch für Menschen ohne deutschen Pass zu öffnen. Zustimmung kommt sowohl aus dem Kabinett als auch von der Opposition. Der Militäranalyst Gustav Gressel zweifelt an der Sinnhaftigkeit.

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Der Bundeswehr fehlt es an Soldatinnen und Soldaten. Ob Ausländer diese Personallücke schließen können oder wollen, ist für Gustav Gressel vom European Council on Foreign Relations (ECFR) zumindest fraglich. „Die Ukraine hat mit der Anwerbung von Ausländern keine besonders guten Erfahrungen gemacht und wirbt diese auch nicht mehr an“, sagt er. Viele hätten den Dienst schnell wieder quittiert, der Aufwand für Ausbildung und Ausrüstung habe in keinem Verhältnis zum Nutzen gestanden.

Zuvor hatte sich Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) offen für Bundeswehrsoldaten ohne deutschen Pass gezeigt: „Wir wären nicht die ersten Streitkräfte in Europa, die das tun würden“, sagte er dem „Tagesspiegel“. Dabei bezog er sich ausdrücklich auf Menschen, die schon länger in Deutschland leben, aber noch keinen deutschen Pass besitzen. Gressel sieht in diesem Personenkreis ebenfalls Potenzial, auch mit Blick auf die Erfahrungen in der Ukraine.

Über diese Gruppe hinaus dürfte eine Umsetzung des Vorschlags im Kreis der Verbündeten wohl auf wenig Gegenliebe stoßen. Bereits in den 2010er Jahren habe es Überlegungen gegeben, die Bundeswehr für EU-Bürger zu öffnen, sagt Gressel. Damals habe Polen darum gebeten, dies nicht zu tun. Der östliche Nachbar habe befürchtet, die Bündnispartner würden sich gegenseitig die Rekruten streitig machen. Angesichts der Probleme hierzulande kein allzu abwegiger Gedanke.

Die Bundeswehr hat derzeit rund 180.000 Angehörige, bis 2032 sollen es aktuellen Planungen nach 203.000 sein. Angesichts des Anspruchs, die Fähigkeiten der Bundeswehr in Zukunft weiter zu stärken, wird im politischen Berlin bereits über eine Wiedereinführung der Wehrpflicht nachgedacht. Der Militäranalyst hält dies jedoch für einen teuren Schritt: „Die Wehrpflichtigen bräuchten Kasernen, Ausbildner“ und mehr.

Die Diskussion dürfte dennoch weitergehen: „Grundsätzlich müssen wir bei der Suche nach geeigneten jungen Menschen, die ihren Dienst in der Bundeswehr zu leisten bereit sind, deutlich europäischer denken“, sagte die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), der Zeitung „Rheinische Post“.

Schneller schlau: Bundeswehr

Der CDU-Politiker Johann Wadephul – stellvertretender Vorsitzender der Unionsfraktion für Verteidigungspolitik – verwies in der Zeitung allerdings bereits auf offene Fragen bei der Ausgestaltung. „Gilt diese Möglichkeit nur für Bürgerinnen und Bürger von EU- oder Nato-Staaten oder auch noch darüber hinaus? Ist die vollständige Kenntnis der deutschen Sprache nötig?“ Viele Fragen, die geklärt werden müssten. „Minister Pistorius selbst hat erklärt, die Bundeswehr müsse in fünf bis acht Jahren kriegstüchtig sein. Das ist in Fragen einer Personalstrategie ein furchtbar kurzer Zeitraum. Er sollte also schleunigst handeln.“

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Gressel ist sich insgesamt nicht sicher, ob es bereits konkrete Planungen gibt, oder ob Verteidigungsminister Pistorius den Vorschlag nur aus einer Laune heraus gemacht hat. Laut einer Sprecherin des Verteidigungsministeriums ist die Idee bereits Teil des im Dezember 2023 vorgelegten Ergebnisberichts der „Task Force Personal“. Dort werde die Maßnahme im sogenannten Themenspeicher genannt: „In diesem finden sich zusätzliche Maßnahmen wieder, die sich mit „Fernlicht in weiterer Zukunft“ positiv auf das Personal auswirken könnten“, hieß es.

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Mit Material von Reuters

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