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BVB Mutmaßlicher Attentäter setzte weniger als 10.000 Euro ein

Exklusiv

Der mutmaßliche BVB-Attentäter hat nach Berechnungen der WirtschaftsWoche weniger Geld eingesetzt als bislang angenommen.

Anschlag auf den BVB-Bus: Es ging um Wirtschaftskriminalität - nicht um Terrorismus. Quelle: dpa

Die Bundesanwaltschaft hat ihre Angaben mittlerweile präzisiert. Der mutmaßliche Täter soll drei verschiedene Derivate auf einen Rückgang der BVB-Aktie gekauft haben. Nach Informationen aus Finanzkreisen hat er insgesamt um die 8000 Euro eingesetzt. Bisher war davon die Rede, dass der mutmaßliche Täter 78.000 Euro eingesetzt habe und im Extremfall einen Millionengewinn hätte erzielen können.

NRW-Innenminister Ralf Jäger sprach am Freitagnachmittag davon, dass sich der mutmaßliche Täter für den Erwerb von BVB-Aktienoptionen knapp 80.000 Euro geliehen habe. "Der Täter hat ganz offensichtlich einen Verbraucherkredit aufgenommen", sagte der Minister am Freitag in Düsseldorf. "Nach meinem jetzigen Kenntnisstand 79.000 Euro." Das mag sein, eingesetzt hat er davon aber einen Bruchteil und Millionen an Gewinn einfahren konnte er damit auch nicht.

An den deutschen Börsen gibt es derzeit 23 verschiedene Put-Optionsscheine auf die BVB-Aktie. Put-Optionsscheine sind hochspekulative Finanzvehikel, die enorme Kursgewinne ermöglichen, wenn die entsprechende Aktie sinkt.

Auffällige Umsätze kurz vor dem Anschlag gab es in den BVB-Puts mit den Wertpapierkennnummern DGQ1VV, DG9CHE, DGM20W, DGM51Y, DG7MN5 und DGQ1VU. Die Hebelwirkung dieser Puts, im Fachjargon Omega genannt, lag am 11. April zwischen dem sechs- und dem dreizehnfachen. Diese Hebelwirkung gibt an, wie stark sich eine Position von Optionsscheinen im Wert im Vergleich zur Aktie verändert. Im Durchschnitt könnte die Hebelwirkung der Puts also etwa beim Neunfachen gelegen haben.

Die BVB-Aktie notiert vor dem Anschlag am 11. April bei 5,65 Euro. Am 12. April, nach dem Anschlag, sank die Aktie bis auf 5,50 Euro. Es kam lediglich ein Rückgang von etwa drei Prozent zustande. Selbst nach der Niederlage des BVB am nächsten Tag ging die Aktie nur bis auf 5,38 Euro nach unten. Das wären fünf Prozent Verlust. Als Mittelwert ergäbe das ein Minus in der Aktie von vier Prozent.

Für die Gewinne der Puts ist damit folgende Rechnung möglich: Bei einem neunfachen Hebel werden aus vier Prozent Aktienverlust in den Optionsscheinen rechnerisch 36 Prozent Gewinn. Werden 8000 Euro Gesamteinsatz zugrunde gelegt, so ergibt das einen theoretischen Gewinn von 2880 Euro.

Allerdings deuten zeitnahe Transaktionen darauf hin, dass es am 12. April zu Verkäufen in ähnlicher Größenordnung gekommen ist, bei denen nicht die Kursspitzen erzielt wurden. Es ist sogar möglich, dass einzelne Transaktionen mit Verlust endeten.

Insgesamt dürfte der mutmaßliche Attentäter selbst kurzfristig nur wenige tausend Euro im Gewinn gestanden haben. Dass sich mit dem Einsatz von 8000 Euro mithilfe von Put-Optionsscheinen Millionen verdienen lassen, ist vollkommen unrealistisch.

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